Jérôme Boateng im Interview "Ich muss eigentlich gar nicht grätschen"

Jérôme Boateng (li.): Souverän am Ball

Jérôme Boateng hat sich vom Risikospieler zur Stammkraft in der Nationalmannschaft entwickelt. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht er über die Nachteile, Boateng zu heißen, die Lehren aus der Zeit mit Jupp Heynckes und wie ihm das neue System von Pep Guardiola liegt.

Von Claudio Catuogno und Christof Kneer

Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng hat sich in seiner Karriere nicht immer gerecht behandelt gefühlt. "Ich habe gemerkt, dass ich anders beurteilt werde als andere", sagt der 25-jährige Defensiv-Spieler des FC Bayerns vor dem Test-Länderspiel am Freitag in Mailand gegen Italien im SZ-Gespräch.

Als Grund für die teilweise Klischee-beladenen Einschätzungen, die ihm entgegengebracht wurden, nennt er: "Es hat sicher mit dem Namen Boateng zu tun. Die Geschichten klingen halt spannender, wenn man da meinen Bruder mit reinrührt. Ich weiß noch, dass es mal ein Wochenende gab, als wir beide vom Platz geflogen sind, und da hieß es gleich: Ja, die Boatengs wieder, die kommen aus Berlin, aus einem schwierigen Viertel." Dabei sei er gar nicht im Problemkiez Wedding aufgewachsen, wie häufig kolportiert, sondern in Charlottenburg.

"Eigentlich müsste ich seit vier, fünf Jahren ständig sagen: Ich bin nicht im Wedding aufgewachsen! Aber es bringt ja nichts, das ständig zu korrigieren", so Boateng. Stattdessen habe er einen anderen Schluss gezogen: "Ich wusste, dass es nur eine Chance gibt, das zu ändern: Ich muss die Leute überzeugen, ich muss konstanter spielen."

In dem Interview schildert Boateng, wie er daran arbeitete und wer ihm dabei half: unter anderem der damalige Bayern-Trainer Jupp Heynckes. "Früher hab ich nach einem verlorenen Ball gedacht: Den musst du dir sofort zurückholen. Ich hab dann sofort wieder attackiert, und da war dann halt auch mal ein blödes Foul dabei", sagt Boateng, "heute schau ich erst mal, wie man's anders lösen kann, ich spiele mehr mit Übersicht. Und ich weiß, dass ich von meinen Anlagen her eigentlich gar nicht grätschen muss."

In der Nationalmannschaft sieht Boateng sich perspektivisch fest in der Innenverteidigung: "Der Bundestrainer hat mir immer gesagt, dass er mich innen am stärksten sieht und dass ich auf Sicht gesehen da spielen werde. Aber wir hatten halt eine Zeit lang Bedarf rechts oder links hinten, und als junger Spieler habe ich da gerne ausgeholfen. Am Anfang ist man erst mal froh, dass man überhaupt dazugehört."

Über das Spiel des FC Bayern unter dem neuen Trainer Pep Guardiola sagt Boateng: "Wir stehen höher, verschieben extremer. Wir müssen noch besser aufeinander abgestimmt sein als letzte Saison, weil es natürlich riskanter ist, so weit vorne zu verteidigen." Ihm käme diese Spielweise aber entgegen, "weil ich zum Glück nicht der Langsamste bin: Wenn der Gegner mal einen langen Ball über die Abwehr spielt, dann rennt mir der Stürmer nicht so schnell weg."

Das vollständige Interview lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.