Der Chef des Fußballweltverbandes Fifa denkt darüber nach, die Verlängerung abzuschaffen. Leider ist es gut möglich, dass Sepp Blatter diesen Unsinn wirklich ernst meint.
Man könnte ihn einfach reden lassen und vielleicht spöttisch grinsen über den Unsinn, den er verzapft, oder, besser noch: den Unsinn gleich im Moment des Hörens vergessen. Aber Sepp Blatter, Chef des Fußballweltverbandes Fifa, ist nun einmal ein mächtiger Mann, er kann in diesem Sport tatsächlich etwas verändern. Also sollte der Unsinn einer kurzen Prüfung unterzogen werden. Der Unsinn geht so: Blatter glaubt, bei der WM Spiele gesehen zu haben, in denen einige Mannschaften bloß nicht verlieren wollten. Das gefiel ihm nicht, er will, dass alle immer auf Sieg spielen. Um das zu gewährleisten, sollen nun Lösungen gesucht werden. Blatter möchte den Sinn der Verlängerung prüfen (da, so sagt er, würden manche Teams ja noch weniger verlieren wollen), er findet, man könne ja vielleicht bei Unentschieden direkt mit dem Elfmeterschießen weitermachen. Oder man könne das Golden Goal wieder einführen. Es gelte, die "Spiele bei solchen Turnieren zu entkrampfen".
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Ein Visionär: Fifa-Chef Sepp Blatter. (© AP)
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In regelmäßigen Abständen beglückt Blatter die Welt des Fußballs mit den Visionen, die ihm durchs Funktionärshirn rauschen. Er wollte schon die Tore vergrößern und im Frauenfußball "femininere Sportkleidung" einführen. Das 1993 eingeführte Golden Goal war höchst unbeliebt, dennoch dauerte es bis 2004, bis es endgültig aus dem Fußball verschwand (weil die Funktionäre nicht zugeben konnten, dass sie sich geirrt hatten, lebte es am Schluss noch eine kurze Weile als Silver Goal weiter). Groß war die Freude allenthalben als das Golden Goal endlich abgeschafft wurde, und wenn Blatter es nun wieder einführen will, so sei ihm empfohlen - mit allem Respekt und in seinen Worten -, sich bei diesem Thema zu entkrampfen.
Die Verlängerung zu streichen brächte natürlich auch keinen offensiveren Fußball, Teams mit vielen Elfmeterspezialisten könnten gar geneigt sein, sich gegen Ende einer Partie aufs Verteidigen zu konzentrieren. Man beraubte den Fußball zudem eines Spektakels, die Deutschen haben bei der WM 1970 gegen Italien und bei der WM 1982 gegen Frankreich legendäre Verlängerungen gespielt, und bei der jüngsten WM haben die Ghanaer gegen die USA und gegen Uruguay in der Verlängerung Triumph und Desaster erlebt.
Nicht, dass es keinen Reformbedarf im Profifußball gäbe. Der Blatter so verhasste Videobeweis ist zuletzt derart oft Gesprächsthema gewesen, dass der Fifa-Boss vielleicht mit einer Scheindebatte von drängenderen Fragen ablenken will. Es kann aber leider ebenso gut sein, dass Sepp Blatter diesen Unsinn wirklich ernst meint.
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(SZ vom 10.09.2010/dop)
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von Ihrem Avatar-Namen, anglisiertes Missingsch, wenn der mal frei wird....
Es ist schon komisch. Einerseits lästert man über die Herren von der FIFA, dass sie konservativ, starrköpfig und stur sind, Neuerungen gegenüber völlig unaufgeschlossen, siehe Videobeweis. Und immer dann, wenn sich der FIFA-Präsident höchstselbst Gedanken über Verbesserungen macht, wird er quasi mundtot gemacht, bevor man überhaupt über den gemachten Vorschlag ohne Polemik nachdenkt.
Ich finde es gut, dass sich Herr Blatter Gedanken macht, wie man den Fußball noch verbessern kann. Und das, was sonst noch so über Herrn Blatter getuschelt wird, ist hier nicht das Thema. Blatters vor einigen Jahren gemachter Vorschlag, ein Elfmeterschießen bereits vor dem Spiel durchführen zu lassen, finde ich zwar nicht besonders gut, genau genommen sogar schlecht, aber nur deshalb, weil er defensiven Kloppertruppen die Chance eröffnet, nach einem möglichen Sieg im Elfmeterschießen erst recht 90 Minuten lang Beton anzurühren.
Ansonsten entspricht der eigentliche Effekt dieses Vorschlags genau dem, was ich mir schon seit Jahren wünsche, nämlich nicht nur die Abschaffung eines unentschiedenen Endergebnisses, sondern vor allem auch die Abschaffung eines unentschiedenen Zwischenstandes, mit anderen Worten: Von der ersten Minute an sollte es zu jedem Zeitpunkt eine Mannschaft geben, die in Führung liegt und die somit die in Rückstand liegende Mannschaft in Zugzwang bringt. Dann wäre der bei unentschiedenem Spielstand gern zitierte Satz "Ein Tor würde dem Spiel gut tun" hinfällig. Derzeit haben wir diesen Zustand lediglich in einigen Europacup-Rückspielen, und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem feststeht, dass es keine Verlängerung mehr geben kann. Und weil es in diesen Fällen meistens sehr spannend zugeht, wünsche ich mir eine solche Konstellation für alle Fußballspiele.
wo bliebe für den gewinner des 11er-schiessens irgendein anreiz weiter anzugreifen. die spielen danach mit einem 5-5-0 mit fünf Sechsern.
ganz abgesehn davon, würde es sich doch wohl hochgradig grotesk anfühlen ein spiel mit einem elfmeterschiessen zu beginnen, dass eigentlich als letzte entscheidung für ein spiel gedacht ist, in dem sich zwei mannschaften auf augenhöhe begegnen. dieses auf augenhöhe begegnen wäre dann vollkommen hinfällig.
abgesehen davon sind blatters vorschläge diesmal gar nicht sooo absurd. besonders in der vorrunde dürfte man sich was überlegen, die vorrundenspiele der vergangenen zwei turniere waren fast durch die bank ungeniessbar. tatsächlich halte dich die idee für nicht ganz verkehrt, ein 0:0 anders zu bepunkten als ein höheres Unentschieden, nach dem Motto: keine Tore, keine Punkte!
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Danke und viele Grüße,
Ihr Moderator
Mein Tipp ist ganz einfach. Gehen Sie die Punkteregelung an.
Bei unentschieden gibs keine Punkte mehr.
Bei Sieg max. 2 Punkte und bei einer Niederlage -1 Punkteregelung.
Dann läuft der Fußball wieder.
Albert
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