Der Aufschwung des Hamburger SV hält weiter an: Durch einen cleveren Treffer von Paulo Guerrero und ein Tor von Marcell Jansen bleibt der HSV zum siebten Mal in Serie ungeschlagen. Schalke 04 müht sich zu einem 3:1 gegen Augsburg, rückt auf einen Champions-League-Platz vor - und erfreut sich an einem Hackentor.
Der Aufschwung des Hamburger SV hält an, zumindest ergebnistechnisch. Durch das 2:0 (1:0) gegen den 1. FC Nürnberg blieb der ewige Bundesligist bereits zum siebten Mal in Serie ungeschlagen, und wer wird am Montag noch fragen, dass es ein glanzloser, ja sogar ein glücklicher Sieg war? "Das Wichtigste für mich war, dass wir Effektivität bewiesen haben", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink. "Aber mit unserer Leistung bin ich überhaupt nicht zufrieden."
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HSV-Stürmer Paolo Guerrero trifft per sehenswertem Schlenzer in der 23. Minute. Das 1:0 fiel wie aus dem Nichts in einer Drangphase der Nürnberger, danach kamen die Hamburger etwas besser ins Spiel. (© dapd)
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Elf Wochen sind im Fußball Ewigkeiten. Hätte es für diese These eines weiteren Beispiels bedurft, dann liefern ihn derzeit der Hamburger SV und der 1. FC Nürnberg. Anfang September, der sechste Spieltag war absolviert, belegte der Club einen achtbaren achten Rang und wurde allenthalben für seine findige Personalpolitik gelobt, die es zu erlauben schien, dass der nächste Aderlass (Schieber, Gündogan, Ekici) ebenfalls kompensiert werden könnte.
Zehn Plätze tiefer fand sich der wesentlich ambitioniertere Hamburger SV wieder, mit gerade einmal einem Punkt - aber ohne Trainer. Neun Spieltage später sieht alles anders aus. Der HSV steht nun als Elfter erstmals in dieser Saison vor dem Club, zwei Punkte und vier Plätze. Im Spiel, das sich munter anließ, waren die Unterschiede wesentlich kleiner. Nach 25 Sekunden dribbelte Marcell Jansen an der Eckfahne durch zwei Nürnberger durch, schlenzte den Ball ausnahmsweise mit rechts nach innen, doch so flott hatte keiner seiner Kollegen geschaltet.
Keine 50 Sekunden später zog auf der anderen Seite Jens Hegeler aus 19 Metern ab, doch sein Schuss strich eineinhalb Meter am Tor vorbei. Etwas präziser schloss sechs Minuten später ab, Hamburgs Torwart Jaroslav Drobny musste sich erstmals strecken, doch vor Schwierigkeiten stellte ihn diese Probe nicht. Die erste echte Chance bot sich den Gastgebern. Nach einem feinen 40-Meter-Pass von Rincon startete der ehemalige Nürnberger Diekmeier in der 11. Minute einen Flügellauf über rechts, doch seine flache Hereingabe setzte Guerrero per Direktabnahme vom rechten Eck des Fünfmeterraums an den rechten Außenpfosten.
Die Gäste schreckte das nicht. Sie taten auch fortan einfach so, als hätte der HSV zuletzt keinen Aufschwung erlebt: Sie griffen forsch an und erspielten sich zwischen der 17. und 23. Minute drei Großchancen. Zunächst zwang Didavi mit einem Kopfball Drobny zu einer Glanzparade. In der 20. Minute schlängelte sich Alexander Esswein elegant durch den HSV-Strafraum, legte den Ball geschickt zurück zu Didavi, der den Ball haarscharf neben den Pfosten schoss. In der 23. Minute setzte sich erneut Esswein in Szene, seine Flanke fand Pekhart sieben Meter zentral vor dem Tor, doch sein Kopfball ging mitten zwischen die Pfosten, so als zöge der HSV-Torwart alle Bälle magisch an.
In der Schreckensphase der Hamburger zu Saisonbeginn war Drobny als eine der langsamsten Bahnschranken Europas verhöhnt worden. Seitdem es mit dem HSV aufwärts geht, ist er jener Rückhalt, als den man ihn verpflichtet hatte. Wie zum Beweis trug der Tscheche den Ball nach seiner Parade gegen Pekhart bis zur Strafraumgrenze und schickte einen langen Abschlag auf die Reise. Der Ball titschte einmal hoch auf, dann ein zweites Mal, Nürnbergs Routinier Timmy Simons wusste nicht so recht, was er mit ihm machen sollte, und zudem wurde er auch noch frech gestört vom Hamburger Paolo Guerrero.
Für eine Nanosekunde legte dieser seinen Arm auf die Schulter des Belgiers. Das genügte, um den Nürnberger endgültig aus dem Tritt zu bringen und Guerrero freie Bahn zum Tor zu verschaffen. Er erreichte nun wie in der elften Minute das Eck des Fünfmeterraums. Noch einmal ließ sich der Peruaner nicht zweimal bitten und stupste den Ball an Raphael Schäfer vorbei zum 1:0 ins Gästetor. "Das kann man pfeifen, aber Simons muss auch besser verteidigen", sagte Club-Trainer Dieter Hecking.
Dieses Tor schockte den Club. Aber kurioserweise lähmte es vor allem den HSV, der lange nichts Sehenswertes mehr zustande brachte. So durften sich die Gäste ins Spiel zurückarbeiten. In der 37. Minute kamen sie über links, wo sich Esswein - wer sonst? - durchsetzte. Seine präzise Flanke köpfte Pekhart an die Latte. Auch nach der Pause agierte der Club gefälliger, aber weiter glücklos. Pekhart kam erneut vielversprechend zum Abschluss (58.), doch diesmal kratzte sein Kopfball links am Außenpfosten.
Und weil Geschichte sich bekanntlich wiederholt, dauerte es nicht lange, bis der HSV zeigte, wie man es cleverer anstellt: Ivo Ilicevic, 60 Sekunden vorher für den glücklosen Son eingewechselt, setzte am Strafraum Jansen in Szene, der sich mit einem Haken jenen Platz verschaffte, um aus zehn Metern flach und hart ins entfernte Eck abzuschließen. Das war der zweite und letzte Schock für den redlich arbeitenden Club, der seine besten Chancen an diesem freudlosen Nachmittag bereits gehabt hatte. "Wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht, nur eben wieder nicht die Tore", sagte Hecking.
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