HSV in der Relegation Tatsächlich unabsteigbar

Jubeln wie bei einer Meisterfeier: Die Spieler vom HSV

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der Hamburger SV schafft gegen den Karlsruher SC eines der bemerkenswertesten Comebacks der Bundesliga-Geschichte und darf in der Liga bleiben.
  • Nach einem 0:1-Rückstand gewinnt der HSV das Spiel 2:1 nach Verlängerung.
  • "Es ist schwer in Worte zu fassen, was dieser Sieg für den Verein, für die Mannschaft und auch für mich persönlich bedeutet", sagte Trainer Labbadia
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Von Matthias Schmid, Karlsruhe

Als Schiedsrichter Manuel Gräfe an diesem denkwürdigen Abend ein letztes Mal in seine Pfeife blies, rannten alle Hamburger Ersatzspieler samt Betreuer und Trainer Bruno Labbadia zu den Kollegen auf den Rasen. Sie rannten alle gemeinsam weiter in die Kurve, wo ihre treuesten Fans an diesem Montagabend mehr als 120 Minuten gestanden und eine extreme Fahrt durch alle Gefühlswelten erlebt hatten. Alle tanzten und sangen, ließen sich auch nicht von dem Bollwerk aus Polizei und Sicherheitsbeamten aufhalten, die die Fans in schwerer Kriegsmontur davon abhielten, auf den Rasen zu stürmen. Alle HSV-Spieler?

Nein, Kapitän Rafael van der Vaart und Nicolai Müller blieben auf dem Rasen. Sie gingen zu den Karlsruher Spielern, die nach dem Schlusspfiff, nach dieser 1:2-Niederlage nach Verlängerung in der Relegation zur ersten Bundesliga, umgefallen waren wie vom Blitz getroffen. Erschöpft und leer lagen sie auf den Boden, van der Vaart und Müller versuchten, tröstende Worte zu finden, für das, was man überhaupt nicht in Worte kleiden kann.

HSV tanzt im Stadion und in Erikas Eck

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Es war eine große Geste der beiden HSV-Profis, dass sie im Moment größter Glückseligkeit erst einmal an ihre geschlagenen Gegner dachten. Denn die Hamburger Spieler waren nur wenige Minuten davon entfernt, selber auf dem Boden zu liegen, beinahe hätten sie zuschauen müssen, wie der Gegner den Aufstieg feiert und sie den ersten Absturz in die zweite Liga seit 52 Jahren zu verarbeiten haben. "Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es uns gegangen wäre, wenn wir das Spiel nicht gewonnen hätten", sagte HSV-Trainer Bruno Labbadia.

Seine Mannschaft hatte in der Tat eines der bemerkenswertesten Comebacks vollbracht, das die an verrückte Geschichten reiche Bundesliga je erlebt hat. "Wir waren nach 90 Minuten tot", bekannte Stürmer Pierre-Michel Lasogga. Der kurz davor eingewechselte Reinhold Yabo hatte praktisch mit seinem ersten Ballkontakt für den KSC zwölf Minuten vor dem Ende das 1:0 erzielt, die Karlsruher waren sich danach so sicher, dass es reichen würde zum Aufstieg nach dem 1:1 im Hinspiel. Dass sie der Klub sein würden, der den HSV erstmals in die zweite Liga schießt.

Hand! Oder doch nicht?

Um kaum eine Fußballregel gibt es so viele Diskussionen wie um die Nummer 12 im Fifa-Regelwerk. Diese löst regelmäßig Unverständnis und Ärger aus - auch beim Relegationsspiel zwischen dem Karlsruher SC und Hamburger SV. Dabei gibt die Fifa nur ein Kriterium vor, das ein Handspiel strafbar macht: Absicht. Der Schiedsrichter pfeift nur, wenn diese Voraussetzung erfüllt ist. Zur Beurteilung der Situation achten die Unparteiischen auf verschiedene Kennzeichen. Sie bewerten die Bewegung der Hand zum Ball, die Entfernung zwischen Gegner und Ball und achten auf die Position der Hand. Zudem dürfen die Spieler den Ball nicht mit einem Gegenstand in der Hand berühren - etwa Schienbeinschoner oder Schuh. Klingt eigentlich einfach, ist es aber oft nicht. (tbr)

Fünf Minuten vor dem Ende hatte die Karlsruher schon die Kiste mit den Aufstiegstrikots aus dem Bauch des Stadions bringen lassen. Doch dann kam der Auftritt des Chilenen Marcelo Díaz, sein filigranes wie irrsinniges Freistoßtor in der Nachspielzeit nach einem umstrittenen Pfiff (es war doch kein Karlsruher Handspiel) verwandelte den singenden Wildpark mit nur einem Schuss in eine schweigende Trauergemeinde. Díaz' Tor wird für immer einen exponierten Platz in der Historie des HSV finden, gleich nach dem Treffer von Felix Magath, der dem HSV 1983 im Endspiel gegen Juventus Turin den Triumph im Europapokal der Landesmeister beschert hatte.