Holczer-Aussage in Betrugsprozess gegen Schumacher "Glatt gelogen!"

Seine Aussage steht gegen die von Radprofi Stefan Schumacher: Ex-Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer.

(Foto: dpa)

Wortreich bestreitet der einstige Teamchef Hans-Michael Holczer vor dem Landgericht Stuttgart die Vorwürfe von Rad-Profi Stefan Schumacher, er habe vom Dopingsystem in der Equipe Gerolsteiner gewusst. Nun steht Aussage gegen Aussage.

Von Andreas Burkert

Mit einem blauen Aktenordner erscheint Hans-Michael Holczer, 59, in Saal 6 des Stuttgarter Landgerichts. Keine Frage, der frühere Teamchef des Radrennstalls Gerolsteiner ist gut vorbereitet auf seine Zeugenaussage im Betrugsprozess gegen seinen früheren Profi Stefan Schumacher.

Dem 2008 des Dopings überführten Nürtinger wird vorgeworfen, den ehemaligen Boss mit dem Leugnen des Epo-Betrugs bei der Tour 2008 um drei Monatsgehälter betrogen zu haben: um exakt 151.463,50 Euro. Schumacher, 31, seit kurzem umfassend geständig, unterstellt Holczer jedoch, "vieles gewusst und beide Augen zugedrückt" zu haben, wie er am Donnerstag erneuert. "Und es gibt da schon Leute, die andere Dinge sagen können." Zeugen also, die hier vielleicht noch aussagen. Holczer kann er nicht meinen.

Der einstige Realschullehrer Holczer weist in der zweieinhalbstündigen Aussage jede Kenntnis von Doping oder Machenschaften der Ärzte zurück. "Glatt gelogen!" oder "blanker Unsinn" ruft er, wenn ihn Richter Martin Friedrich auf Schumachers Aussagen anspricht.

Holczer verkauft sich recht gut. Berichtet von zwei Profis, die er wegen verdächtigen Blutwerten verabschiedete, von steigenden Vorbehalten gegen Schumacher, den er spätestens seit der Affäre bei der Rad-WM 2007 in Stuttgart kritisch gesehen habe, den er mal mit 40.000 Euro Geldstrafe belegte. Personalien wie das Engagement des einstigen Lance-Armstrong-Helfers Levi Leipheimer oder des in die Giro-Razzia von 2001 verwickelten Teamarztes Giuliano Peruzzi übergeht er wortreich. Nur einen belastet er offen: Den früheren Teamarzt Mark Schmidt (Erfurt), den schon der einstige Tour-Kapitän belastete, Kronzeuge Bernhard Kohl.

Von Kohl habe er 2009 "unglaubliche Dinge über Mark Schmidt" erfahren, sagt er. Doch von Bluttransfusionen und Zentrifugen habe er nichts gewusst, nichts vom Medikamentenkoffer: "Ich kenne mich da doch gar nicht aus. Ich musste vertrauen."

Noch sechs Prozesstage sind angesetzt. Einstweilen steht unter den beiden Schwaben Aussage gegen Aussage. Und irgendjemand flunkert da gewaltig.

Zu Beginn hatten Richter Friedrich und Staatsanwalt Peter Holzwarth noch einmal Schumacher befragt, diese Vernehmung endete in einem kleinen Eklat. Schumachers Anwalt Dieter Rössner hatte den Eindruck, erklärt er in der Verhandlungspause, "dass der Staatsanwalt Herrn Holczer verteidigt".

Holzwarth hatte beklagt, Schumacher nenne keine Namen der Ärzte, auch habe er 2009 in einem Arbeitsrechtsprozess gegenüber Holczer Doping bestritten. Rössner warf nun dem Staatsanwalt passives Verhalten vor, er verwies auf eine Zeugenaussage (von Kohl), die der Justiz im Januar 2012 vorgelegen habe.