Hohn nach Dopingbeichte Armstrongs Fahrrad ist sauer

Die Dopingbeichte des früheren Rad-Dominators Lance Armstrong ist für Komiker in den USA eine Steilvorlage. Einmal gibt sein Fahrrad ein Interview, einmal wird er als das "verabscheuungswürdigste und schlimmste Wesen" vorgestellt. Eine Buchhandlung verschiebt Armstrongs Werke in die Science-Fiction-Abteilung.

Von Saskia Aleythe

Die Stimme ist verzerrt, das Licht abgedunkelt im Fernsehstudio von Jimmy Fallon. Vor blau leuchtendem Hintergrund zeichnen sich Konturen ab, der amerikanische Late-Night-Talker begrüßt seinen Studiogast, der sich erst gefasst gibt und später tief in seine Gefühlswelt blicken lässt.

Fallon beginnt verhörartig das Interview mit einem Protagonisten, der in der Diskussion um Lance Armstrongs Dopingsünden bisher vernachlässigt wurde, wie der Komiker findet: Fallon spricht mit Lance Armstrongs Fahrrad.

"Bike?", fragt Fallon mit ernster Miene, die Kamera schwenkt um auf ein Rad, dass sich mit "Hi Jimmy" zu Wort meldet. Freundlich, aber bestimmt kommt Fallon auch gleich zur Sache: "Wusstest du vom Doping?" Die Antwort folgt zögerlich, doch deutlich, die Kamera zoomt ganz nah auf den Lenker: "Ja, ich hatte da so meinen Verdacht. Ich habe Lance nie dabei gesehen, weil ich keine Augen habe, aber ich hab wahrgenommen, dass er mich sehr schnell gefahren hat."

Das Fahrrad macht sogleich weiter: "Er war schon immer schnell mit mir unterwegs. Doch dann wurde er wirklich sehr, sehr schnell - auch bergauf. Ich dachte nur, okay, das ist merkwürdig." Dann redet es sich in Rage: "Lance ist ein betrügerischer Arsch! Ich musste feststellen, dass der Hintern, der auf mir saß, zu einem Verräter gehört", sagt das Rad und fügt nach einer kurzen Pause mit bebender Stimme hinzu: "Das tut weh."

Mit der Ernsthaftigkeit ist es bei Fallon dann aber vorrüber, ihm huscht ein Lächeln übers Gesicht, das er nicht verbergen kann. Inzwischen gehe es ihm besser, versichert das Fahrrad: "Ich habe ein neues Leben".

Der Fall Armstrong und sein Interview mit Oprah Winfrey sind freilich eine Steilvorlage für Komiker, die diese gerne aufnehmen und den gefallenen Radstar nun verhohnepieplen. Bei Saturday Night Live etwa wurde so getan, als sei Armstrong zu Gast bei Piers Morgan, der zuletzt Waffen-Lobbyisten beleidigt hatte. Der Schauspieler, der Morgan verkörpert, stellt Armstrong so vor: "Hier kommt das verabscheuungswürdigste, schlimmste Wesen auf dem Angesicht der Erde - und ich bin so froh, dass er heute hier ist." So ging es dann weiter.

Der beste Scherz allerdings stammt nicht von einem Komiker, sondern von einem Mitarbeiter einer australischen Bücherei: Der schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass ab sofort alle Werke des Radprofis in die Kategorie Science Fiction eingeordnet werden.