Interview: Jörg Marwedel

Hannovers Trainer Andreas Bergmann über die Reaktionen der Mitspieler nach Enkes Tod, über sieben Spiele ohne Sieg und einen neuen Rhythmus.

Seit dem Rücktritt von Dieter Hecking im August 2009 ist Andreas Bergmann Trainer des Bundesligisten Hannover 96. Nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt musste der 50-Jährige, der vorher die Regionalliga-Elf des Vereins betreut hatte, seine Mannschaft in einer emotionalen Extremsituation anleiten: Hannover 96 sollte wieder Bundesliga-Fußball spielen, musste aber zugleich den plötzlichen Abschied von einem Kollegen verkraften.

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"Klare Vorgaben helfen, wieder in den Rhythmus zu kommen": Seit dem Tod von Torwart Robert Enke hat Hannover 96 nicht mehr gewonnen. Trainer Andreas Bergmann reagiert darauf nun mit eindeutigen Ansagen. (© Foto: dpa)

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Der Suizid des 96-Kapitäns und Nationaltorwarts Robert Enke am 10. November hat viele tiefe Spuren hinterlassen, in Hannover, in Deutschland, in der Mannschaft. Einige Tage nach der Trauerfeier für Robert Enke, mit 40.000 Gästen im Stadion der niedersächsischen Landeshauptstadt, hatte der Klub den Sportbetrieb wieder aufgenommen. Hannover 96 spielt wieder, aber gewinnt nicht mehr - nach sieben sieglosen Spielen muss Bergmann seinen Kader auf den Kampf gegen den Abstieg einstellen.

SZ: Herr Bergmann, Sie haben angekündigt, ab sofort wieder ein strafferes Regiment zu führen. Waren Sie nach dem Tod von Robert Enke erstmal gar kein richtiger Bundesliga-Trainer, sondern eher ein psychologischer Betreuer?

Bergmann: Natürlich waren die letzten Monate sehr intensiv. Erst die Probezeit für mich hier nach Dieter Heckings Rücktritt. Da haben wir es geschafft, dass wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht. Die Atmosphäre wurde besser und wir haben auch spielerisch einen kleinen Schritt gemacht. Dann kam der Erdrutsch mit Roberts Tod.

SZ: Und dann waren Sie vermutlich in vielen Situationen eher nachsichtig, zum Beispiel wenn ein Spieler zu spät kam?

Bergmann: Natürlich ist man dann als Trainer sensibler. Wie hart kann man sie rannehmen, wenn doch immer wieder Emotionen freigesetzt werden? Man hat da doch das eine oder andere zugelassen. Dieses Straffere, was ich angekündigt habe, ist jetzt auch eine Hilfe für die Mannschaft. Es heißt aber nicht: Der holt jetzt den Hammer raus.

SZ: Die Mannschaft hat seit dem Tod von Enke kein Spiel gewonnen. Am vorletzten Spieltag gab es bei der 3:5-Niederlage in Mönchengladbach drei Eigentore, ein Bundesliga-Rekord. Dann hat man daheim nach 2:0-Führung gegen den Abstiegskandidaten VfL Bochum noch 2:3 verloren. Sind solche Spielverläufe Folge der emotionalen Belastung?

Bergmann: Einige Fachleute sagen, dass die Spieler noch traumatisiert sind. Ich kann das nicht beurteilen, keiner weiß das genau. Vorher gab es ja dauernd diese Anspannung gegen Top-Gegner wie Schalke, Leverkusen oder den FC Bayern, dann gab es diese beiden Spiele, die uns in eine blöde Situation gebracht haben. Ich muss allerdings sagen: Die Mannschaft hat es in der schwierigen Situation lange Zeit klasse gemacht.

SZ: Haben Sie das Gefühl, die Spieler in der Situation noch erreicht zu haben?

Bergmann: Für jeden Bundesliga-Trainer ist es wichtig, die Köpfe der Spieler zu erreichen. Man muss sich auf mehreren Ebenen unterhalten können, nicht nur auf der fußballerischen. Jetzt bin ich sicher, dass die Spieler den Kurswechsel schätzen werden, diesen in Nuancen härteren Weg. Klare Vorgaben helfen, um wieder in den Rhythmus zu kommen.

SZ: Die Hannoveraner Tageszeitung Neue Presse schreibt, Manager Jörg Schmadtke und Sie würden derzeit ein Rollenspiel aufführen: mit einem bösen und einem guten Polizisten. Schmadtke in der Rolle des kompromisslosen, kühlen Kritikers, Sie in der des warmherzigeren, kommunikativeren Trainertyps.

Bergmann: Jeder bringt seinen Charakter mit ein. In vielem sind Jörg und ich ähnlich, in anderen Dingen unterscheiden wir uns. Es ist gut, wenn sich Leute ergänzen. Aber auch ich kann mal autokratisch sein und draufhauen.

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