Gewalt in der Regionalliga "Inferno Memmingen" verstört die Stadt

Eine Gruppierung im bayerischen Memmingen versucht, Ligaspiele im Fußball als Bühne für Gewalt und Rechtsextremismus zu nutzen. Stadt und Vereine reagieren mit Anzeigen und Stadionverboten.

Von Christian Bernhard

Thomas Reichart hat ereignisreiche Tage hinter sich. Der 2. Vorsitzende des Fußball-Regionalligisten FC Memmingen musste zu Themen Stellung beziehen, mit denen er - so wie der gesamte Verein - bisher kaum Berührungspunkte hatte. Die unangenehmen Themen waren: rechtsradikale Parolen, Widerstand gegen Polizeibeamte und Schmierereien am Vöhlin-Stadion beim Ligakonkurrenten in Illertissen, wo am vergangenen Samstag das Regionalliga-Derby zwischen dem FV Illertissen und dem FC Memmingen stattgefunden hatte.

Reichart, der beim Spiel anwesend war, zeigte sich von den Geschehnissen überrascht und irritiert. "Eigentlich haben wir keine aktive Fanszene", erklärte er, die betroffene Gruppe "Inferno Memmingen", mit der es "nie Probleme gegeben" habe, sei in der laufenden Saison bisher nicht einmal bei den FC-Heimspielen als Fangruppe aufgetreten, geschweige denn auswärts. Im Jahr 2013 war es allerdings ebenfalls bereits in Illertissen beim Spiel gegen den FC Memmingen zu Vorfällen gekommen, im Zuge dessen Stadionverbote ausgesprochen wurden.

Der FC Memmingen hat sich nach den Ereignissen des vergangenen Wochenendes sofort distanziert. "Solche Vorkommnisse werden in keiner Weise toleriert und im Rahmen der Möglichkeiten des Vereins auch geahndet", hieß es in einer Stellungnahme. Reichart erklärte: "Wenn wir die Möglichkeit haben, mit Stadionverboten dagegen vorzugehen, werden wir das tun." Der Klub unterstrich, dass es sich dabei "nur um einzelne Personen" handle, die "auch dem guten Ruf des Vereins schaden" würden. Eine der beteiligten Personen soll seit "einem Flaschenwurf auf einen Gästebus bei einem Eishockey-Spiel des ECDC Memmingen" bereits amtsbekannt sein, gegen sie sei bereits ein Besuchsverbot für alle Memminger Sportstätten verhängt worden.

"Inakzeptabel über die Stränge geschlagen"

Auch die Polizei zeigte sich von den Vorfällen irritiert, da die "Inferno"-Gruppe bisher noch nicht negativ aufgefallen war. Christian Eckel, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, erklärte, die Gruppierung, die aktuell "bis zu 20 Mitglieder" zähle, sei seit 2010 bekannt, der nun vorliegende sei aber der erste Vorfall. Die Protagonisten hätten dabei "deutlich und inakzeptabel über die Stränge geschlagen", Eckel kündigte ein "ernsthaftes Gespräch" mit der Gruppe an. Stadionverbote dürften die Konsequenz daraus sein.

"Inferno Memmingen" entschuldigte sich in einer Stellungnahme für das Geschehene und stellte klar, dass in Zukunft keinerlei rassistische Parolen mehr toleriert würden. Jene Person, die den Hitlergruß gezeigt habe, sei der Gruppe verwiesen worden, außerdem wolle sich die Gruppe nun "aktiver darum kümmern, dass das rechte Gedankentum keinen Platz mehr in Memmingen findet".

Begonnen hatten die Vorfälle in der Nacht auf Samstag, als in der Nähe des Vöhlin-Stadions in Illertissen Schmierereien hinterlassen wurden, die laut Polizeibericht einen Sachschaden von rund 1000 Euro verursachten. Während und nach dem Spiel ermittelte die Polizei zwei Personen, eine hatte den Hitlergruß gezeigt, eine andere rechtsradikale Parolen von sich gegeben. Zu Gewalttaten kam es zu diesem Zeitpunkt nicht. Diese gab es allerdings am Bahnhof in Memmingen nach der Rückkehr der Gruppierung aus Illertissen. Nachdem einige Personen Bengalische Feuer entzündet hatten, kam es laut Polizei zu einem Gerangel zwischen den Beamten und mehreren alkoholisierten Fans, im Zuge dessen ein Polizeibeamter tätlich angegriffen wurde. Gegen die Hauptakteure wurde Anzeige in mehreren Punkten erhoben.