Gewalt im Münchner Fußball "Wertvolle Mitarbeiter"

Diese Kritik ist nicht neu, auch Hitzlsperger hat sie vor Monaten geäußert. Er fordert, die Vereine mehr in Haftung zu nehmen, Punktabzüge auszusprechen, um das Abschreckungspotenzial zu erhöhen. Doch Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, bestritt schon damals, dass die Sportgerichte eine mildere Linie verfolgten als früher, und nun versichert auch der Bezirksvorsitzende Horst Winkler, dass es keine Vorgaben an die Gerichte gebe. Gleichwohl, sagt er, setze der Verband weniger auf Abschreckung als auf Sozialarbeit und Konfliktmanagement. "Strafen werden die Situation nicht ändern." Man setze auf die etwa 16 Konfliktmanager im Kreis München.

Winkler bedauert die Rücktritte der "wertvollen Mitarbeiter", wenngleich er zu Hitzlspergers Rücktritt wohl beigetragen hat. In einem Schriftverkehr hatte er eine These bestritten, die Hitzlsperger offensiv vertritt: dass es in München "Problemvereine" gebe, die quer durch alle Mannschaften immer wieder auffällig würden; wo seine Kollegen Angst hätten, sich gar weigerten, eingesetzt zu werden. Und das seien keineswegs nur ausländische Vereine aus den Brennpunkten, wie er betont, "das hat damit nichts zu tun". Winkler wehrte sich dennoch gegen diese Pauschalisierung.

Wobei: Recht viel anders klingt es bei ihm auch nicht. Er werde demnächst anregen, "bei Vereinen, wo Gewaltbereitschaft eher zu vermuten ist", vermehrt Spielbeobachter einzusetzen. Diese Strategie habe schon einmal zum Erfolg geführt. Zwar habe sich die Arbeit für die Sportgerichte "die letzten zwei bis drei Wochen gehäuft", er sehe das aber nicht so dramatisch wie die Dachauer. Für die habe er zwar Verständnis, doch er halte es nicht für "zweckmäßig, vor den Problemen davonzulaufen". Gerade Hitzlsperger sei doch einer gewesen, der den Kampf annehmen wollte.

Der Bezirksvorsitzende versichert: "Es ist nicht so, dass wir zur Tagesordnung übergehen, im Gegenteil: Bei uns schrillen die Alarmglocken. Nur: Die zwei Kollegen waren wohl ein bisschen verzweifelt."

Vermutlich waren sie das, weil sie sich mehr Unterstützung erhofft hatten. Inwieweit das Konfliktmanagement greife, sagt Schreier, könne er nicht beurteilen, darüber erfahre man nicht viel. Er könne nur beurteilen, was auf den Plätzen passiere. In seinem Rücktrittsschreiben erinnert er an einen Vorfall aus dem Jahr 2009, den Hitzlsperger "eine Watschn" nennt: In einem Wiederholungsspiel, bei dessen Erstaustragung ein Dachauer Schiedsrichter attackiert worden war, habe BFV-Präsident Rainer Koch zugeschaut. Er trug den Schal jenes Vereins um den Hals, der damals Hitzlspergers Kollegen angegriffen hatte.