Geisterspiel in der Champions League Rechtsradikale blöken im Block

Seydou Doumbia von ZSKA Moskau ärgerte sich in Rom über die Niederlage. Die eigenen Fans sind bisweilen auch ein Problem.

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Wegen rassistischer Vorfälle unter den Fans muss ZSKA Moskau in der Champions League gegen den FC Bayern ohne Zuschauer antreten. Vier Jahre vor der Heim-WM ist das Verhalten der ZSKA-Anhänger in Russland kein Einzelfall.

Von Johannes Aumüller, Moskau

"Schaut ihn euch an! Wenn ich einen schweren Gegenstand hätte, würde ich ihn dir an den Kopf werfen, Kolja. Dieses Viech, schaut ihn euch an, wie er sich benimmt." Diese Sätze hat Jewgenij Giner neulich tatsächlich gesagt, nicht auf einem Bauernmarkt in der Provinz, sondern in der Vorstandssitzung des russischen Fußball-Verbandes - mit dem Viech Kolja meinte er den Präsidenten.

Seit mehr als einem Jahrzehnt firmiert Giner als Chef von ZSKA Moskau, hinter dem ein undurchsichtiges Firmengeflecht steht, das quer durch Europa und dann doch wieder zu Giner führt. Er ist ein Geschäftsmann mit vielfältigen Interessen, sein Business läuft über die Ukraine, aktuell kämpft er um Einfluss im Energiesektor auf der Krim, aber auch im Fußball. Prollen und Pöbeln, Beleidigen und Einschüchtern hat er zu seinem Markenkern entwickelt, gegenüber Gegnern, Schiedsrichtern und auch der Presse - der Zeitung Sowjetskij Sport verweigert er nach deren Aussage bis heute Akkreditierungen, weil diese vor sieben Jahren einem Manipulationsverdacht gegen ZSKA nachging.

Beim 1:5 in Rom gab es ein Feuerwerkskörper-Gefecht

Der letztjährige russische Meister, der zu Sowjetzeiten dem Verteidigungsministerium unterstand und daher bis heute als Armee-Klub gilt, ist in einer kuriosen Situation. Einerseits kann er darauf verweisen, dass er neben Zenit Sankt Petersburg der kontinuierlichste russische Klub der vergangenen Jahre ist und dass er dafür deutlich weniger Geld aufgewandt hat als das Gros der Rivalen in der Oligarchen-und-Staatsfirmen-Liga.

Doch sein Ruf ist tüchtig ramponiert. Wegen Giner. Und wegen der Fans. Seit Jahren fallen sie durch Gewalt und Rassismus auf, in der vergangenen Champions-League-Saison unter anderem mit Beleidigungen gegen Manchester Citys Spieler Yaya Touré sowie mit rechtsradikalen Parolen beim Auswärtsspiel in Pilsen. Danach entschied die Europäische Fußball-Union (Uefa), dass die Partie von ZSKA gegen den FC Bayern in der Arena Chimki an diesem Dienstag (18 Uhr MESZ/Sky) unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Das Verhalten der ZSKA-Anhänger ist in Russland kein Einzelfall. Zenit musste wegen ähnlicher Vorfälle im Champions-League-Achtelfinale gegen Dortmund einen Zuschauersektor leer lassen, Dynamo Moskau in der Europa League gegen Omonia Nikosia. Im Meisterschaftsfinale der Saison 2013/14 kam es zu einem Spielabbruch, bei einem Pokalspiel von Spartak Moskau war eine riesige Hakenkreuzfahne zu sehen. Zuletzt fühlte sich der dunkelhäutige Dynamo-Spieler Christopher Samba von Fans von Torpedo Moskau so beleidigt, dass er sich weigerte weiterzuspielen und sich zur Pause auswechseln ließ.

Russland ist sicher nicht das einzige Land in Europa, das mit Rechtsradikalismus in den Stadienkurven ein Problem hat; aber Organisationen wie die internationale Spieler-Gewerkschaft Fifpro weisen schon seit Langem darauf hin, wie ungewöhnlich groß das Problem dort ist. Auch haben sich schon zahlreiche ausländische Spitzenspieler darüber beschwert, manche das Land deswegen sogar verlassen. Zudem lassen die zahlreichen Ausschreitungen und Rassismus-Vorfälle längst auch die gewöhnlichen Fußballfans resignieren. Die Zahl der Stadiongänger ist sehr gering, zuletzt betrug der Zuschauerschnitt gerade mal etwas mehr als 12 000.

Jewgenij Giner, ein Geschäftsmann mit vielfältigen Interessen, ist Chef von ZSKA Moskau. Zu seinem Markenkern zählt auch Beleidigen und Einschüchtern.

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