Gedenken an Hillsborough 25 Jahre später

Gedenken an Hillsborough: Fans des FC Liverpool.

(Foto: Getty Images)

Am Sonntag treffen sich der FC Liverpool und Manchester City zum vorentscheidenden Duell um die englische Meisterschaft - ausgerechnet zum 25. Jahrestag der Katastrophe von Hillsborough. Spezielle Trikots sollen an die 96 Opfer erinnern. Das Spiel wird mit siebenminütiger Verspätung angepfiffen.

Es sind emotionale Tage in Merseyside, wie die Region um die englische Stadt Liverpool genannt wird. Am Sonntag (14.37 Uhr) empfängt der FC Liverpool, Tabellenführer der Premier League, seinen Verfolger Manchester City. Gewinnen die Reds dieses Duell am fünftletzten Spieltag, werden sie der ersten Meisterschaft seit 1990 nahe sein wie lange nicht.

Und als wäre das nicht außergewöhnlich genug, jährt sich zwei Tage später zum 25. Mal die Katastrophe von Hillsborough, bei der 96 Anhänger der Reds den Tod fanden. Das Spiel, das womöglich die Meisterschaft entscheidet, wird wie das gesamte Fußball-Wochenende auf der Insel im Zeichen des Jahrestages der Tragödie stehen.

Stadionkatastrophe in England Wahrheit über Hillsborough

Jahrelang hieß es, Liverpooler Fans hätten 1989 die Stadionkatastrophe von Hillsborough mit 96 Toten verschuldet. Nun ist klar: Polizisten fälschten Beweise, Rettungskräfte versagten. Erst jetzt kommt die Vertuschung ans Licht.

Der "Kop", legendäre einstige Stehplatztribüne im Stadion an der Anfield Road, wird sich in ein riesiges Bild verwandeln: "96" und "25 Years" sollen darauf zu sehen sein. Die Spieler von Liverpool werden ein neues Trikot tragen, das für dieses und die danach noch zwei Heimspiele der Saison mit einem Aufnäher versehen ist, der an die 96 Opfer erinnert.

Wie alle anderen Spiele am Wochenende wird das womöglich titelentscheidende mit einer Verspätung von sieben Minuten beginnen - Symbol für den 15. April 1989, für das FA-Pokal-Halbfinale des FC Liverpool gegen Nottingham Forest im Hillsborough-Stadion von Sheffield Wednesday. Sechs Minuten nach Spielbeginn war die Begegnung damals abgebrochen worden, Anhänger des FC Liverpool waren am unteren Rand eines überfüllten Blocks gegen den Zaun gedrückt worden. Am Ende waren 96 Tote zu beklagen, darunter Jon-Paul Gilhooley, der zehn Jahre alte Cousin des heutigen Reds-Kapitäns Steven Gerrard.

Es sind äußerst bewegende Tage in Liverpool, vor allem auch, weil am 31. März endlich eine neue Untersuchungskommission die Arbeit aufgenommen hat. Über Jahrzehnte hinweg hatten sich die Liverpool-Anhänger dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, dass in erster Linie sie selbst die Tragödie zu verantworten hätten. Diese Anschuldigungen sind mittlerweile widerlegt, nun sollen die wahren Ursachen und vor allem die wahren Verantwortlichen des Desasters ausfindig gemacht werden.

Stadionkatastrophen im Fußball Heysel, Hillsbourough, Bradford

Der Fußball hat viele Tragödien auf den Tribünen erlebt. Das Desaster vom Brüsseler Heysel-Stadion 1985 wurde live in 77 Ländern übertragen. Oftmals wurden Menschen erdrückt, weil die Ausgänge verschlossen waren. Und in Moskau starben 340 Zuschauer bei einem Europapokal-Spiel. Die schlimmsten Stadionkatastrophen des Fußballs

Dass der FC Liverpool am Sonntag zudem einen großen Schritt zu seiner 19. Meisterschaft machen kann, seiner ersten nach beinahe einem Vierteljahrhundert, sorgt rund um das traurige Jubiläum an den Ufern des Flusses Mersey auch für Glücksgefühle. In bislang 33 Saisonspielen haben die Reds 74 Punkte gesammelt, zwei mehr als der FC Chelsea (33 Spiele) und vier mehr als ManCity, das aber auch zwei Spiele weniger hat. Das heißt: Siegt Liverpool, kann ManCity aus eigener Kraft nicht mehr Meister werden.

Aber vor allem spielen die Reds gerade in diesen Tagen für die Menschen in ihrer Stadt. "Da oben sind 96 Leute im Himmel, die diese Mannschaft immer unterstützen werden", sagt Rodgers: "Wenn wir irgendetwas gewinnen sollten in diesem Jahr, dann für die 96 im Himmel und ihre Familien."