Fußball-WM 2022 Katar kann die WM noch verlieren

Nix ist fix: Fifa-Chef Sepp Blatter ist kein Freund der WM 2022 in Katar.

Die Fußballwelt debattiert darüber, zu welcher Jahreszeit die Weltmeisterschaft 2022 in Katar ausgetragen wird. Dabei geht es um Wichtigeres.

Ein Kommentar von Thomas Kistner

In der schönen großen Fußballwelt ist es ja meist Sepp Blatter selbst, der Fifa-Präsident, der mit privaten Visionen zu Wohl und Wehe der Branche Schlagzeilen schürft. Diesmal ist es sein alter Ego, Jérôme Valcke. Der treue Generalsekretär versetzt den Sportglobus mit einer ollen Kamelle in Aufruhr: Die WM 2022 in Katar soll nicht im glutheißen Wüstensommer stattfinden, sondern im Winter.

Was daran neu wäre, erschließt sich nur demjenigen, der den Fluss der Ereignisse seit der umstrittenen WM-Vergabe an Katar nicht mitverfolgt hat.

Valcke bleibt erstens im Konjunktiv; er sagt, den Beschluss müsse der Fifa-Vorstand fassen. So einen wird es, zweitens, nicht so rasch geben, heißt es flankierend bei der Fifa. Indes bräuchte es all die Aufregung nicht. Dass es in Katar keine Sommer-WM geben soll, erzählt Blatter ja schon seit Juli 2013. Genau das ist der Grund, weshalb Valcke seit Herbst eine Task Force leitet, die einen passenden Termin für diese WM finden soll.

Vielleicht ist der Fifa hier gar nicht anzulasten, wieder mal einen Sturm im Wasserglas angerührt zu haben. Gäbe es revolutionär neue Sachstände zur allzeit heiklen Causa Katar, würden sie sowieso kaum von Valcke per Radiogeplauder irgendwo in Frankreich verkündet werden. Das macht traditionell gern der Patron Blatter persönlich, im Zuge einer staatstragenden Medienkonferenz.

Valckes Task Force hat bis 2015 Zeit, mit Betroffenen wie den Ligen, Verbänden, TV und Sponsoren eine Terminlösung zu finden. Das ist - unverändert - der Fahrplan. Zugleich herrscht hinter den Kulissen wenig Zweifel, dass Blatter die Katar-Frage zur Stärkung seiner Position für die Fifa-Präsidentenwahl 2015 nutzen wird.

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Da muss er nur einen ernsthaften Rivalen fürchten: Michel Platini, Chef des Europa-Verbandes Uefa. Diesen, einen bekennenden Katar-Wähler, hat Blatter sogar schon angezählt: Indem er öffentlich die politische Einflussnahme durch "europäische Regierungschefs" bei der WM-Vergabe beklagte.

Solche Bemühen hatte die Fifa den Bewerber-Ländern explizit verboten. Trotzdem war Frankreich damals hochaktiv unter Staatschef Nicolas Sarkozy, einem bekennenden Katar-Freund. Auch Platini selbst hat pikante Nähe zum Emirat, für dessen Sportfonds sein Sohn als Manager wirkt. Insofern wären einschlägige Untersuchungen der Fifa-Ethikkommission denkbar. Und siehe da: Blatter hat seinen Chefankläger Michael Garcia bereits auf Ermittlungsreise durch alle damaligen Bewerber-Länder geschickt.

Deshalb schließen selbst Fifa-Vorstände wie Theo Zwanziger bis heute nicht aus, dass Katar die WM noch entzogen wird. Blatter könnte sich das vermutlich leisten, er wird dem Kreis jener 14 Fifa-Wahlleute nicht zugerechnet, die sich seinerzeit für eine Backofen-WM in Katar begeistert hatten. Vor allem aber würde so eine Rochade all die sündteuren Probleme auf einen Schlag lösen, die im Fall einer Terminänderung auf die Fifa einprasseln.

Weil die WM-Bewerbung 2022 nur auf Juni/Juli ausgerichtet war, drohen ihr bei einer Verlegung Klagen von allen damaligen Mitbewerbern. Die steckten ja dann Millionen in eine Kandidatur, die es am Ende nicht gibt. Australien hat dies schon angemahnt. Auch von anderer Seite droht Ungemach. Der US-Fernsehriese Fox warnt, eine WM im Winter wäre deutlich weniger wert; dann dominieren Amerikas nationale Großsportarten den Bildschirm.

Bis Valckes Task Force zu Potte kommt, geht es vielleicht gar nicht mehr um die Frage, wann die WM 2022 stattfindet. Sondern darum, wo.