Fußball-Weltverband Späte Einsicht der Fifa

Der Aufklärungsbedarf in Fifa-Angelegenheiten ist weiterhin groß.

(Foto: dpa)
  • Die Fifa gewährt der schweizerischen Bundesanwaltschaft Einsicht in die E-Mails des suspendierten Generalsekretärs Valcke - allerdings nur zögerlich.
  • Zuvor wollte der Fußball-Weltverband, dass gewisse Bedingungen erfüllt werden.
  • Präsident Sepp Blatter soll dem Fifa-Personal einen Verbleib im Amt über den 26. Februar hinaus angedeutet haben.
Von Thomas Kistner

Die Fifa behauptet gern, sie kooperiere bei der Aufklärung der vielen Korruptionsfälle um den Weltfußball "vollumfänglich" mit der Bundesanwaltschaft. Tatsächlich lässt die Kooperation zu wünschen übrig. Auf SZ-Anfrage gestern verwies die Behörde zunächst auf Aussagen von Bundesanwalt Michael Lauber: Der hatte jüngst die mangelnde Mithilfe einiger Betroffener beklagt. Elf Terabyte Datenmaterial hatte die oberste Schweizer Strafbehörde Ende Mai in der Zürcher Fifa-Zentrale konfisziert; doch die Fifa-Juristen verwehrten den Strafermittlern den Zugang zu einem großen Teil dieser Daten.

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Auch zum Mail-Account des jüngst wegen des Verdachts auf unsaubere Geschäftspraktiken suspendierten Generalsekretärs Jérôme Valcke. Gestern verschärfte die Behörde diesbezüglich die Tonart. In einer Mitteilung an die SZ hieß es: "Die Fifa hat heute dem Generalbundesanwalt mitgeteilt, dass sie ihm Zugang zu Valckes E-Mail-Account gewährt, wenn gewisse Bedingungen erfüllt werden. Insofern hat der Generalbundesanwalt noch immer keinen Zugang zu Valckes E-Mails."

Donnerstagabend, die Mitteilung über die Bedingungen diktierende Fifa machte die Runde, reagierte der Weltverband. "Am späten Nachmittag hat die Fifa die Bundesanwaltschaft informiert, dass sie das Siegel auf allen E-Mail-Accounts von Jérôme Valcke aufgehoben hat. Damit wird die Bundesanwaltschaft Zugang auf Valckes E-Mails haben", teilte die Behörde mit. Und begrüßte "die Tatsache, dass die Fifa aus eigener Initiative die E-Mails von Valcke seit Mai 2015 überbracht hat."

Valcke, langjähriger Fifa-General und Vertrauter von Präsident Sepp Blatter, ist auf dem Radar der Bundesanwaltschaft. Die interessiert sich für Vorwürfe, die jüngst die Ticketingagentur JB Sports Marketing erhoben hat. Dabei geht es um eine angeblich mit Valcke eingefädelte Gewinnbeteiligung in Millionenhöhe, die aber nicht geflossen sein soll. Valcke weist die Beschuldigung ebenso zurück wie den Vorwurf, er habe Monate vor Katars Kür zum WM-Ausrichter 2022 vor Zeugen behauptet, die Vergabe stünde Fifa-intern fest. Jedoch traf der Franzose 2011 schon einmal eine Korruptions-Aussage zur Kür Katars: per Mail. Umso pikanter, dass die Fifa der Bundesanwaltschaft zunächst Bedingungen bezüglich des Valcke-Accounts stellte.

Trotzdem warten neue, unangenehme Fragen auf Blatter, wenn dieser am Freitag nach der Vorstandssitzung vor die Medien tritt. Darunter auch die, ob es stimmt, dass er bei einem internen Treffen dem Fifa-Personal einen Verbleib im Amt über den 26. Februar hinaus angedeutet hat; an dem Tag soll ein Fifa-Sonderkongress den neuen Präsidenten wählen. Das Gerücht kursiert seit dem vergangenen Wochenende in Fifa-nahen Kreisen. Die Schweizer Handelszeitung berichtet jetzt, Blatter habe intern verkündet, er werde "zumindest" bis zu jenem Februar-Termin im Amt bleiben.

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Das befeuert eine viel diskutierte Frage: Arbeitet Blatter daran, seinen angekündigten Abgang im Februar zu überdauern; etwa mit Hilfe seiner Ethikkommission? Unter den Kandidaten, die im Ring stehen, sind nur zwei Schwerkaliber, Michel Platini und Chung Mong-Joon. Letzterem, früher Fifa-Vize und Fußballchef Südkoreas, spüren die Ethiker schon fleißig nach. Und Uefa-Chef Platini hat eine offene Flanke in der Frage, wie die WM 2022 mit seinem Votum nach Katar kam. Platinis Sohn erhielt danach einen hohen Job im Emirat. Sollten Blatters Ethiker vor dem 26. Februar Ermittlungen einleiten, könnte es plötzlich keine mehrheitsfähigen Kandidaten mehr geben beim Kongress.