Fußball in USA Klinsmann klingt nach Superman

Plötzlich schauen alle Fußball: Szene aus einer Bar in New York

(Foto: AFP)

"Wie lange dauert eigentlich ein Fußballspiel?" Jürgen Klinsmanns US-Team überzeugt bei der WM mit engagiertem Spiel - und plötzlich stürmen die Amerikaner die Public Viewings. Die wahre Prüfung steht dem US-Fußball allerdings nach der WM bevor.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Der Jubel nach Jermaine Jones' Ausgleichstor gegen Portugal ist gerade abgeebbt, die U-S-A-U-S-A-Rufe in der Bar verhallen, da beginnt ein amerikanisches Pärchen zu flüstern: "Sag mal, wie lange dauert ein Fußballspiel?", fragt sie. "90 Minuten", antwortet er, und ergänzt nach kurzem Zögern, "ich bin mir aber nicht sicher".

Dialoge wie dieser wären in Europa unerhört, in den USA zeugen sie von einem ehrlichen Bemühen. Amerika will das Spiel verstehen, das es gerade ein bisschen mehr zu lieben lernt: 18,2 Millionen Zuschauer verfolgten die Partie gegen Portugal auf dem Sportsender ESPN; das ist nicht nur ein neuer Rekord für ein Fußballspiel, sondern auch mehr, als die NBA-Finalserie im Durchschnitt anzog.

Wer am Sonntag noch kurz vor Anpfiff einen Platz in einer Sportsbar ergattern wollte, scheiterte grandios: Viele Fans hatten sich schon Stunden zuvor Plätze gesichert. In Chicago kamen 20 000 Zuschauer zum Public Viewing, viele Fans mussten wegen Überfüllung draußen bleiben. Und für das WM-Turnier selbst gingen 154.000 Tickets an Besteller aus den USA - das ist Platz zwei hinter Brasilien.

Ungebremst in die Kreuzung

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Das kleine amerikanische Sommermärchen hat viele Gründe. Da wären: der Hobby-Fußball, der in den Jugend-Ligen und Uni-Sportplätzen schon lange eine geschlechtsübergreifende Erfolgsgeschichte ist. Die große Gemeinde der Einwanderer aus Mittel- und Lateinamerika, die dem Spiel verfallen ist und diese Liebe in die Straßen trägt. Die PR-Kampagne rund um das US-Team, die darin gipfelte, dass ESPN einen Dokumentarfilm über das WM-Abenteuer ausstrahlte, bevor das Turnier überhaupt begonnen hatte.