Fußball in Russland Hokuspokus! Mutko kehrt zurück!

Witalij Mutko pausiert als Präsident des russischen Fußballverbands - wird aber vermutlich schnell wieder zurück sein.

(Foto: AFP)

Vor der Fußball-WM 2018 wird ein Houdini-Trick in Moskau aufgeführt: Fußball-Präsident Witalij Mutko verschwindet - und wird wie durch Zauberei wieder auftauchen.

Kommentar von Barbara Klimke

Um zu verstehen, was sich derzeit im Weltfußball abspielt, kann es nicht schaden, sich mit dem Zauberer Houdini zu befassen. Berühmt war der Magier für seine Illusions- und Entfesselungskunst; es war ihm zum Beispiel ein Leichtes, in der Luft schwebend aus einer Zwangsjacke zu schlüpfen. Für große Verblüffung sorgte auch die Elefanten-Nummer von 1918: Houdini ließ das Tier auf der Bühne in ein Kabinett spazieren. Türen auf und zu: Elefant verschwunden. Noch mal Hokuspokus: Elefant wieder da. Wie das Kaninchen im Zylinder, nur in der Dickhäuter-Version.

100 Jahr später, vor der Fußball-WM 2018 in Russland, wird der Houdini-Trick in Moskau noch einmal zur Aufführung gebracht, mit Vize-Premierminister Witalij Mutko in der Elefantenrolle. Der ehemalige Sportminister Mutko, in dem das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Verantwortlichen für flächendeckendes Doping sieht, lässt sechs Monate sein Amt als Präsident des nationalen Fußballverbands ruhen. Er wird bis zur WM im Sommer von der Bühne verschwinden. Danach - Hokuspokus! - ist er wieder da. Als Rücktritt, erklärte Multifunktionär Mutko ausdrücklich, sei der Schritt nicht zu verstehen, sein Mandat bestehe weiter. Ein neuer Präsident wird nicht gewählt. Auch das Amt des Chef-Organisators der Weltmeisterschaft gibt er vorerst nicht ab.

Als Begründung für das sechsmonatige Abtauchen dient offiziell Mutkos Einspruch gegen den lebenslangen Bann des IOC: Das anstehende juristische Verfahren gegen Russlands früheren Sportminister soll demnach die WM-Vorbereitungen nicht beeinträchtigen. Tatsächlich setzen die Kulissenschieber im Weltsport wohl nur ihr großes Illusionstheater zur Verwirrung der Öffentlichkeit fort. Kürzlich wurde zur Strafe für den Dopingbetrug das Nationale Olympische Komitee Russlands für die Winterspiele 2018 gesperrt, nur um die russischen Athleten dann unter neutraler Flagge zuzulassen. Jetzt wird ein belasteter Fußballchef von der Bühne gezaubert, obwohl er wie Houdinis Elefant im Kabinett nur hinter einem Vorhang steht. Der Fußballweltverband Fifa lobt das als "verantwortungsvollen Schritt".

Sie sollten wirklich Eintritt nehmen für diesen kollektiven Hokuspokus.

Der DFB schweigt

Der russische Vize-Premier Witalij Mutko wird vom IOC lebenslang gesperrt, soll aber weiter die Fußball-WM organisieren. DFB-Präsident Reinhard Grindel äußert sich dazu nicht - wahrscheinlich aus Kalkül. Von Johannes Aumüller mehr...