Fußball Die Chinesen kommen

Mächtiger Fußballfan: Chinas Staatspräsident Xi Jinping beweist sein Talent bei einem Besuch in Irland 2012.

(Foto: Peter Muhly/AFP)
  • Um den Fußball im eigenen Land konkurrenzfähig zu machen, tourt Chinas U 20 durch die deutsche Regionalliga.
  • Drei Regionalligsten treten nicht gegen sie an, unter anderem weil sie sich vom DFB unter Druck gesetzt fühlen.
  • Staatspräsidenten Jinping fördert seinen Lieblingssport seit Jahren massiv. Er will, dass China spätestens 2050 Weltmeister wird.
Von Sebastian Fischer

Das Abenteuer, eines Tages den Weltfußball zu dominieren, beginnt in einem staatlich anerkannten Erholungsort des Freistaates Thüringen. Teistungen, rund 2500 Einwohner, nahe der Grenze zu Niedersachsen: Dort sind am Freitag 30 chinesische Fußballer in ein Vier-Sterne-Hotel auf einem alten Klostergelände eingezogen. 30 Sportler, die bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 ihr Land würdig vertreten sollen und mit denen die glorreiche Zukunft für Chinas Fußball beginnen könnte, geht es nach ihrem Staatspräsidenten Xi Jinping. 30 Fußballer, die vielleicht gar nicht wissen, dass sie damit in Deutschland Protest auslösen.

"Das Thema mit der chinesischen U 20", so hat es DFB-Präsident Reinhard Grindel in dieser Woche gesagt, sei "eine prima Sache". Vom kommenden Samstag an bestreitet die chinesische U 20-Nationalmannschaft nun Woche für Woche jeweils ein Freundschaftsspiel gegen die 16 der 19 Mannschaften aus der Regionalliga Südwest, die im Sommer den Plänen des DFB zugestimmt haben. Die Chinesen spielen außer Konkurrenz gegen den jeweils spielfreien Klub. 15 000 Euro erhält jeder Verein dafür. Der erste Gegner, der TSV Schott Mainz, freut sich schon - vor allem über das Geld. "Wir sind ein kleiner Verein und froh über jede Möglichkeit für Einnahmen", sagt Till Pleuger, der Geschäftsführer des Aufsteigers.

Doch nicht jeder findet das Thema nur prima. Es ist, um genau zu sein, eines der umstrittensten Projekte in der jüngeren Geschichte des deutschen Fußballs.

Drei Klubs verweigern Spiele gegen Chinas U20

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Drei Regionalligisten haben sich entschieden, nicht gegen die Chinesen anzutreten: Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz. Sportliche Argumente hätten dagegen gesprochen. Aber auch andere Gründe spielten eine Rolle, Kritik an der Planung des DFB zum Beispiel. "Wir hatten das Gefühl, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt wurden", sagt Niels Wiechmann, Präsidiumsmitglied der TuS Koblenz: "Friss oder stirb." Der DFB, heißt es außerdem, habe Fakten nur spärlich bekanntgegeben. Ein anderer Manager wirft dem Verband vor, indirekt Druck ausgeübt zu haben: Indem Verantwortlichen verschiedener Klubs vorgeworfen worden sei, sie seien jeweils die einzigen mit Vorbehalten. Der DFB weist die Kritik zurück. "Jeder Verein nimmt auf freiwilliger Basis an der Testspiel-Serie teil", sagt der DFB-Vizepräsident und Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest, Ronny Zimmermann. Den Vereinen sei vor der entscheidenden Tagung im Juli rund ein Monat Bedenkzeit gestattet worden.

Natürlich nutzt die Gunst der Chinesen auch Bundesligisten

Doch die erbittertsten Gegner dieser Kooperation, die Fans, wollen sich damit nicht zufrieden geben. Ein Bündnis aus Anhängern mehrerer Regionalliga-Klubs hatte im Sommer einen offenen Brief an Zimmermann verfasst, sie warfen dem Verband neben fehlender Transparenz vor, ausgerechnet mit einem autoritären Staat zusammenzuarbeiten. Und das nur, so der Vorwurf, um damit Geld zu verdienen. Es soll demnächst ein Treffen der Fans mit Zimmermann stattfinden.

Der DFB erklärte bereits im Sommer, er würde nicht davon profitieren, dass Chinas Nachwuchs nun gegen deutsche Regionalligisten antritt. Daran würden allein die Regionalligisten verdienen. Doch natürlich nutzt die Gunst der Chinesen den Bundesligisten, die den asiatischen Markt erschließen wollen. Die Fans sahen ihre Vorwürfe bestätigt, als Dietmar Hopp, Mitbegründer des Software-Unternehmens SAP und Mäzen der TSG Hoffenheim, deren Reserve in der Regionalliga Südwest spielt, in der FAZ sagte: "SAP hat in China vielversprechende Aufträge im Sport." Dass die U 20 im Südwesten spiele, habe "auch mit den Standorten der TSG und SAP zu tun".

DFB und DFL haben 2016 eine Kooperation mit dem chinesischen Fußballverband und dem chinesischen Bildungsministerium beschlossen, als Teil einer Vereinbarung auf Staatsebene, offenbar auf Wunsch aus dem Kanzleramt. Fußball ist nun mal ein Thema, über das man mit dem Fußballfan Jinping, einem der mächtigsten Männer der Welt, ins Gespräch kommt. Jinping fördert seinen Lieblingssport bekanntlich seit Jahren massiv. Er will, dass China spätestens 2050 Weltmeister wird.

Zurzeit hakt der Plan noch etwas. Die Nationalmannschaft scheiterte in der Qualifikation zur WM 2018 als Gruppenfünfter hinter Usbekistan und Syrien, die Liga wurde nur bedingt stärker durch wahnwitzig teuer bezahlte Ausländer. Der Argentinier Carlos Tevez, der bei Shanghai Shenua mehr als 500 000 Euro in der Woche verdienen soll, könnte den Klub nach nur einer Saison wieder verlassen. Tevez, 33, schoss in 13 Einsätzen nur drei Tore und sagte in einem Interview mit dem französischen TV-Sender SFR: "Sie können einfach nicht Fußball spielen." China werde auch in 50 Jahren nicht wettbewerbsfähig sein.