Regionalliga:Drei Klubs verweigern Spiele gegen Chinas U20

SG Sonnenhof Grossaspach - U20 Nationalmannschaft China

Bald häufiger im Südwesten unterwegs: Chinas U20 um Deng Youbiao (l.), hier bei einem Test gegen Drittligist SG Sonnenhof Grossaspach Ende Juni.

(Foto: dpa)
  • 16 Klubs der Regionalliga Südwest stimmen dem DFB-Plan zu, an ihrem jeweils freien Spieltag gegen Chinas U20 zu spielen.
  • Die Stuttgarter Kickers, TuS Koblenz und Mannheim machen nicht mit.
  • Die Debatte begleitet der Streit zwischen den Vereinen und dem DFB, weil die Meister der fünf Regionalligen nicht direkt aufsteigen.

Von Sebastian Fischer

Es kommt nicht mehr oft vor, dass Kickers Offenbach oder der SSV Ulm am großen Fußballgeschäft partizipieren. Die früheren Bundesligisten treten in der Regionalliga Südwest gegen Stadtallendorf und Völklingen an, man darf diesen Wettbewerb, ohne Gefühle zu verletzen, als eher klein bezeichnen. In der kommenden Saison allerdings, das ist nun offiziell, sind Offenbach und Ulm Teil eines großen Projekts.

Am Dienstagabend haben die 19 Manager der Regionalliga Südwest über den sogenannten "China-Plan" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beraten. Am Ende stimmten 15 zu, an ihrem jeweils freien Spieltag ein Freundschaftsspiel gegen die U20-Nationalelf Chinas zu bestreiten. Der 1. FC Saarbrücken bat um Bedenkzeit, stimmte am Mittwoch aber als 16. Klub zu. Der DFB hat sein ursprüngliches Vorhaben aus organisatorischen Gründen abschwächen müssen, aus geplanten zwei Spielen wurde eines in der Rückrunde, für das die 16 teilnehmenden Klubs je 15 000 Euro erhalten sollen und noch mehr Unterstützung für die Spieltags-Organisation, falls notwendig.

Sie haben sich ziemlich aufgeregt im Verband über die öffentlichen Reaktionen all jener, die in der Teilnahme der chinesischen Talente an einer deutschen Regionalliga eine Kuriosität erkennen wollten: "Es gab nie die Idee, die Chinesen in die Liga zu integrieren. Es ging immer nur um Freundschaftsspiele auf freiwilliger Basis", sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann, die Aktion sei ein "Hilferuf eines Landes, das sich im Fußball entwickeln will". Der DFB habe "in keinster Weise im Sinn", an der Aktion Geld zu verdienen. Doch dass es auch nicht nur um Völkerverständigung geht, das war in der vergangenen Woche in Berlin nochmals deutlich geworden.

"Noch besser als erwartet" findet Offenbachs Geschäftsführer das Projekt

Dort besuchte eine chinesische Delegation um Staatspräsident Xi Jinping ein Länderspiel deutscher und chinesischer U12- Junioren, gemeinsam mit DFB-Präsident Reinhard Grindel, DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und Bundeskanzlerin Angela Merkel. DFB und DFL schlossen 2016 einen umfassenden Kooperationsvertrag mit den Chinesen. Die Liga vermeldete im Frühjahr den Abschluss eines 250 Millionen Euro wertvollen chinesischen Fernsehvertrages. Der DFB freut sich dem Vernehmen nach vor allem über die Gunst der Bundesregierung, die wohl eher nichts dagegen hat, mit dem Fußballfan Jinping über dessen großes Hobby ins Gespräch zu kommen. China investiert bekanntlich seit geraumer Zeit Millionen in die Entwicklung der Nationalmannschaft und der chinesischen Liga - und profitiert nun vom Wettbewerb in Deutschland.

Unter der Leitung des früheren Bundesligaprofis Jiayi Shao war die chinesische U20 bereits in den vergangenen Wochen für ein Trainingslager und Freundschaftsspiele in Walldorf zu Besuch. Die Lokalzeitungen berichteten von Spielern, die keine Fragen beantworten durften und einem Torhüter, der an Flanken vorbei sprang. Offenbach und Ulm sind dennoch begeistert von der Entwicklungshilfe, das Projekt sei "noch besser als erwartet", sagte Offenbachs Geschäftsführer dem Kicker; Ulm lobte in einer Pressemitteilung das "völker-verbindende Element".

Doch es sind nicht alle so unkritisch. In der vergangenen Woche hatten sich Fans mehrerer Klubs zusammengeschlossen, angeführt von jenen des SV Waldhof Mannheim, um DFB-Vize Zimmermann einen offenen Brief zu schreiben. Die Bekanntgabe der Kooperation sei intransparent gewesen, der finanzielle Mehrwert bescheiden und die Kooperation mit China ein Ausweis für das Vorantreiben ausufernder Kommerzialisierung im Fußball. Außerdem sollte man vielleicht nicht vergessen, dass China als einer der autoritärsten Staaten weltweit gilt.

Die Stuttgarter Kickers, TuS Koblenz und Mannheim machen nun auch nicht mit. Waldhof war zu einer Art Anführer des Protests geworden, weil der Klub gleich nach Bekanntwerden der Pläne verkündet hatte, nicht gegen die Chinesen anzutreten. Die Debatte begleitet der Streit zwischen den Vereinen und dem DFB, weil die Meister der fünf Regionalligen nicht direkt aufsteigen, sondern eine Relegation austragen müssen. Waldhof, Meister im Südwesten, verlor dort zuletzt gegen Meppen.

Markus Kompp, der Geschäftsführer des SV Waldhof, der in Walldorf gegen die Pläne des DFB stimmte, war am Montagabend schon wieder weit weg von China, jedenfalls gedanklich - er sah ein Freundschaftsspiel der Mannheimer gegen Braunschweig. Waldhof will in dieser Saison wieder aufsteigen, investiert mehr Geld als in den Vorjahren.

Es seien vor allem sportliche Gründe, die gegen die Freundschaftsspiele mit den Chinesen gesprochen hätten, so Kompp. Waldhof hätte unter der Woche antreten müssen - schlecht für die Regeneration. Doch Kompp hat sich zuletzt auch grundsätzlichere Fragen gestellt: "Für wen treten wir jedes Wochenende an?", fragte er, und seine Antwort war eine romantische: "Für den Fan." Deshalb sagt er: "Wir widersprechen unseren Fans nicht." Auch nicht, wenn die Fans dem DFB widersprechen.

© SZ.de/mok/chge
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