Von Johannes Aumüller, Sinsheim

Bayern profitiert beim 1:1 von einem nicht gegebenen Hoffenheimer Treffer. In der Videobeweis-Debatte schlägt sich van Gaal auf die Seite des benachteiligten Gegners.

Seit Louis van Gaal als Trainer des FC Bayern wirkt, hat er schon mehrfach bewiesen, dass es in seinem Fußballweltbild gewisse Koordinaten gibt, an denen er nicht rütteln will. Die Raute als Spielsystem, flache Schnellpassstafetten als spielphilosophischer Grundansatz oder Mark van Bommel als Kapitän gehören dazu.

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Bayern-Trainer Louis van Gaal in Aktion (© Foto: Getty)

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Nach dem 1:1 (1:1) seiner Bayern bei der TSG Hoffenheim zeigte der Niederländer aber, dass er solche Koordinaten nicht nur für seine eigene Mannschaft formuliert - sondern auch für andere Dinge des Fußballgeschäfts.

Auf den deutschen Fußball dürfte die nächste Welle der Debatte um den Videobeweis zurollen, in der van Gaal eine ziemlich klare Position vertritt. Zu Unrecht hatte Schiedsrichter Babak Rafati einen Kopfballtreffer des Hoffenheimer Abwehrspielers Josip Simunic nicht anerkannt.

Eindeutig sprang ein Kopfball des Kroaten vom Innenpfosten hinter die Linie, ehe der an diesem Abend überzeugende Bayern-Torwart Michael Rensing den Ball wegboxte - doch Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten sahen das nicht.

Andere Trainer in van Gaals Situation hätten in der anschließenden Pressekonferenz schlicht auf die Tatsachenentscheidung des Unparteiischen verwiesen, der Niederländer aber schlug sich auf die Seite der benachteiligten Hoffenheimer und die Befürworter des Videobeweises. "Wenn das Tor zählt, läuft das Spiel ganz anders", sagte van Gaal. "Ich finde das so lächerlich, dass es so etwas in diesen modernen Zeiten noch gibt, dass wir in diesen modernen Zeiten die vorhandene Technik nicht nutzen."

Hoffenheims Ralf Rangnick wählte vergleichbare Worte. Nicht nur, weil es seine Mannschaft war, die benachteiligt wurde. Sondern auch, weil er in dieser Frage ein Überzeugungstäter wie van Gaal ist. Am kulantesten gegenüber der jetzigen Regelung zeigte sich noch der Tor- beziehungsweise Nichttorschütze Simunic selbst. So sei der Fußball nun mal, sagte er, und er hoffe, dass sich das im Laufe der Saison noch ausgleiche.

Doch ob der Fußball wirklich so sein muss, ob in einem Millionen teuren Geschäft solche vermeidbaren Fehler nicht getilgt werden sollten - diese Frage dürfte nun zum wiederholten Mal intensiv diskutiert werden.

Die beiden Trainer und Videobeweis-Befürworter jedenfalls glauben nicht an eine rasche Umsetzung. "Ich bin sicher, dass irgendwann der Videobeweis kommen wird", sagte Rangnick. "Aber ich bezweifle, ob wir beide das noch als Trainer erleben werden. In Deutschland braucht immer alles viel Zeit."

Wenn es schon keinen Disput in der Sache gab, so lieferten sich Rangnick und van Gaal wenigstens noch einen kleinen Wettstreit, wer denn früher für die Unterstützung des Schiedsrichters durch technische Maßnahmen plädiert habe - den der seit diesem Samstag 58-jährige van Gaal mit einem klaren Punktsieg gegen den 51-jährigen Rangnick für sich entschied.

Nachdem der Hoffenheimer Coach stolz erklärte hatte, schon vor "drei, vier Jahren" für den Videobeweis eingetreten zu sein, konterte van Gaal, er habe bereits 1988 als Vorsitzender der Trainervereinigung in Holland Versuche unternommen, mit Hilfe von moderner Technik Spiele zu leiten. "Und dann wurde das von Uefa und Fifa verboten, das sagt genug", schimpfte der Niederländer.

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