Fußball Alles, aber kein normales Bundesliga-Spiel

Ordner müssen vor Anpfiff der zweiten Halbzeit mit Laubbläsern anrücken, um die Tennisbälle vom Spielfeld zu bekommen.

(Foto: dpa)
  • Beim ersten von fünf Montagsspielen in dieser Saison besiegt Eintracht Frankfurt die Elf aus Leipzig mit 2:1.
  • Dominiert wurde das Spiel jedoch von Protesten der Frankfurter Fans gegen die Ansetzung des Spiels an einem Montagabend.
  • Jenseits von Protest und Lärm ereignet sich Tragisches: Ein Fan kommt auf der Tribüne nach einer Herzattacke ums Leben.

Zwei Stunden nach dem lauten, schrillen, maßlos aufgeheizten und am Ende doch noch friedlichen ersten Montagsspiel dieser Bundesliga-Saison atmete Axel Hellmann ganz tief durch. "Ich bin froh, dass endlich Dienstag ist", sagte das Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt. Seine Mannschaft hatte kurz zuvor mit 2:1 (2:1) gegen RB Leipzig gewonnen und steht jetzt in der Tabelle auf einem direkten Champions-League-Platz.

Vor allem aber hatten Anhänger und Verantwortliche der Eintracht mit ihrer Deeskalationsstrategie dafür gesorgt, dass die massiven Fanproteste gegen die Einführung von Montagabendspielen in der Fußball-Bundesliga nicht in Gewalt oder einem Spielabbruch endeten. Beides, der Erfolg der Mannschaft und der Verlauf der Proteste, war so nicht zu erwarten gewesen. "Am Ende ging der Ansatz auf, die Proteste zu tolerieren", sagte Hellmann. "Beide Halbzeiten konnten durchgeführt werden. Es war friedlich, es war gewaltfrei, es war pyrotechnikfrei. Wir waren uns mit der Polizei einig, dass wir alles verhindern wollten, was ein weiteres Aufbauschen der Stimmung bewirkt hätte."

Der Fan-Protest gegen Montagsspiele ist legitim

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An die Vereine und Verbände im deutschen Profifußball gingen von diesem Abend zwei Signale aus: Es ergibt Sinn, die massive Kritik der eigenen Fans ernst zu nehmen und immer einen Kontakt zu ihnen zu halten. Eine Zukunft der Montagabendspiele ist langfristig aber kaum vorstellbar, wenn sie jedes Mal solche Fanreaktionen hervorrufen. In Frankfurt begannen die erste und zweite Halbzeit jeweils mit mehrminütiger Verspätung.

Vor allem die Szenerie zu Beginn des Spiels hatte auch etwas Bedrohliches, weil mehrere Hundert Frankfurter Fans in den Innenraum des Stadions drängten und dort direkt am Spielfeldrand hinter den Werbebanden Transparente entrollten ("Eintracht-Fans gegen Montagsspiele"). Dass der Schiedsrichter das Spiel dennoch anpfiff und auch die Leipziger dabei mitmachten, war Teil der Strategie. Alle Beteiligten von den Vereinen über die Polizei bis hin zu Referee Felix Zwayer wussten seit Sonntag ungefähr Bescheid, was die Fans planten. Es wurde ihnen zugestanden - und sie kehrten nach zwei Spielminuten auf die Tribüne zurück.