Formel 1Der Sieg des Honigdachses

Daniel Ricciardo fährt chirurgisch präzise zum Sieg, Lewis Hamilton macht den Fehlstart perfekt und Niki Lauda stellt im Fall Verstappen die Intelligenzfrage. Die Geschichten des Formel-1-Wochenendes.

Daniel Ricciardo

Ach ja, immer die Reifen. Darauf könnte man den - erst - sechsten Grand-Prix-Sieg von Daniel Ricciardo prima schieben. Wäre auch nicht ganz so falsch. Aber im Gegensatz zur Brachialtaktik seines Red-Bull-Kollegen Max Verstappen ging der Australier bei der Vielzahl seiner Überholmanöver von Startrang sechs bis ganz nach vorn eher chirurgisch vor, wie sein Teamchef Christian Horner lobend anmerkte. "Ich kann scheinbar keine normalen Rennen gewinnen", analysierte der Mann, den sie den "Honigdachs" nennen - nach einem kleinen Tier, das für seine Furchtlosigkeit bekannt ist. Auf dem Ricciardos Helm prangt die Warnung: "Ich werde mich nicht entschuldigen." Auch nicht für die Zeremonie, die unter Podiumsgästen als "Shoey" gefürchtet ist - ein Schluck Siegeschampagner aus dem getragenen Rennschuh. In Shanghai hat er dabei noch mehr gegrinst als sonst: "So ein Sieg ist 50 schlechte Rennen wert." Richtig angestoßen hat er später mit seinen Mechanikern. Sie waren die eigentlichen Helden, nicht nur beim siegbringenden Boxenstopp während der Safety-Car-Phase, sondern vor allem durch ihre Akkordleistung vom Samstag, als sie zwischen Training und Qualifying den ausgebrannten Turbolader wechselten.

Bild: Getty Images 16. April 2018, 14:132018-04-16 14:13:39 © Sz.de/schm/ghe