Fifa Der ominöse 25-Milliarden-Dollar-Deal

Zu viele Alleingänge: Fifa-Präsident Gianni Infantino liefert zu wenige Informationen über seine Pläne und verprellt zunehmend die mächtigen Chefs der Kontinentalverbände.

(Foto: Martin Ruggiero/AP)
  • Die Fifa setzt eine Arbeitsgruppe ein, um die Relevanz und Machbarkeit des Herzensprojekts von Präsident Gianni Infantino zu prüfen: eine aufgestockte Klub-WM und eine Nationen-Liga.
  • 25 Milliarden Dollar könnte das Vorhaben bringen dank ominöser Geldgeber.
  • Doch die mächtigen Präsidenten der Kontinentalverbände bleiben bis auf eine Ausnahme dem Treffen fern.
Von Thomas Kistner

Es sollte nach echtem Durchbruch klingen. Beschlossen wurde, so vermeldete die Fifa am Montagabend, "eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um die Relevanz und Machbarkeit beider Wettbewerbe näher zu analysieren". Es geht um die Herzensprojekte von Gianni Infantino: eine Nationen-Liga und eine auf 24 Teams aufgestockte Klub-WM. 25 Milliarden Dollar, so hat der Fifa-Boss seinem Council im März erzählt, wolle eine nicht näher benannte Investorengruppe für diese Events bezahlen.

Wer die Geldgeber sind, verrät Infantino leider nicht; es gebe da eine Schweigeklausel. Insider sagen jedoch, dass die ominösen Investoren in Saudi-Arabien, den Emiraten und in China sitzen. Schon im März hatten die Fifa-Räte einen überfallartigen Vorstoß Infantinos zu dem Thema abgeschmettert. Seither wird debattiert, ob der (nicht operative) Präsident persönlich solche Deals mit diskreten Geldgebern in die Wege leiten darf. Dass er mit potenziellen Geschäftspartnern Dinge bespricht, die er nicht mal seinen Vorstandskollegen offenbaren kann, wirft Fragen auf. Und der Erosionsprozess an der Fifa-Spitze wird immer besser erkennbar.

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Nur 60 Tage Bedenkzeit gewährten die Investoren

Insofern verschleiert die Mitteilung zum Montagstreffen einen herben Rückschlag: Kein hoher Funktionär wollte Infantinos Milliardendeal diskutieren. Denn aufgetaucht sind in Zürich nur Generalsekretäre - anstelle der eigentlich Geladenen: Die Präsidenten der Kontinentalverbände. Diese sind auch Infantinos Stellvertreter, ohne ihr Okay läuft nichts. Wie die SZ erfuhr, erschien am Montag aber nur Alejandro Dominguez, Chef des affärenreichen Südamerika-Verbandes Conmebol. Die Präsidenten aus Europa, Nord-/Mittelamerika, Afrika und Asien hatten, so ein Eingeweihter zur SZ, ihre Abwesenheit sogar abgestimmt: "Weil Infantino keine Informationen gab." Afrikas Verband habe die Sache für so bedeutsam gehalten, dass der Vater des Generalsekretärs entsandt worden sei.

Die Zeichen stehen auf Sturm bei der Fifa, wenn die mächtigen Erdteil-Präsidenten so massiv bocken - obwohl es doch um 25 Milliarden geht. Und obwohl Infantino den Fifa-Rat im März auch zeitlich unter Druck gesetzt hatte: Nur 60 Tage Bedenkzeit gewährten die Investoren. Die Frist endet in Kürze. Da wird sich die Arbeitsgruppe aus Sekretären und Verwandten ranhalten müssen beim Entwickeln großartiger neuer Turnierformate, die dem Fußball so beispiellose Erlöse bescheren sollen.

Politisch zeigt der Vorgang, dass Infantino mit seinen Alleingängen ins Abseits driftet. Nur Dominguez hält ihm die Treue, dafür ist der Südamerika-Chef bekannt. Demonstriert hat er das jüngst beim Conmebol-Kongress in Buenos Aires. Da bat er Infantino, er möge schon die WM 2022 in Katar von 32 auf 48 Teilnehmer aufstocken. Ein abgekarteter Vorstoß, der Fifa-Patron sagte zu, die Sache zu prüfen. Eine WM-Aufstockung schon 2022 könnte Infantino bei der Lösung von großer Problemen helfen. Zum einen trocknet seine Fifa finanziell aus, für die WM in Russland werden sogar immer noch Sponsoren gesucht. Mit einer Aufstockung des Katar-Events auf 48 Länder ließe sich ein Nachschlag bei Fernsehsendern und Sponsoren rausschlagen, es gäbe ja dann 80 statt 64 WM-Spiele. Zum anderen ließe sich in der Golfregion eine starke Allianz schmieden. Katars Anrainerländer müssten dann einbezogen werden; allein könnte das politisch isolierte Emirat die Aufblähung nicht bewältigen.

Götterdämmerung für den Autokraten

Für die schwächelnde Fifa dreht sich alles ums Geld, aus der Golfregion erhofft sich der Boss offenbar wichtige Finanzspritzen. Was zurückführt zu dem mysteriösen Investoren-Clan, der angeblich 25 Milliarden Dollar in eine reformierte Klub-WM und eine neue Nations League stopfen will. Denn wen in aller Welt wird eine Klub-WM begeistern, bei der die Reserveteams europäischer Topklubs wie Bayern, Real oder ManU den FC Auckland aus Neuseeland, die Pohang Steelers aus Korea oder Wydad Casablanca aufmischen?

Auch am Montag beim großen Sekretärs-Palaver in Zürich habe Infantino gemauert, berichtet ein Eingeweihter. "Alle haben Fragen gestellt, niemand stimmte den Fifa-Vorschlägen zu." Infantino habe "absolut nichts Neues" mitgeteilt. Setzt die Götterdämmerung ein für den Autokraten? 2019 wird gewählt, und Infantinos Thron wackelt, wenn ihn die Kontinentalchefs schneiden. Zu Lasten von deren Verbänden, Klubs und Ligen wird er seinen Fifa-Etat wohl kaum kurieren können.

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