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WM 2026:Trump und Infantino, Marokkos versehentliche Wahlhelfer

US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino unterstützen unfreiwillig die Bewerbung Marokkos.

(Foto: dpa(2))
  • Marokko kämpft gegen das Nordamerikabündnis Kanada/Mexiko/USA um die Fußball-WM 2026.
  • Unbeabsichtigte Unterstützung erhält das Land von Fifa-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump.
  • Trump droht etwa den Marokko-Wählern: "Warum sollten wir diesen Ländern (auch bei den Vereinten Nationen) helfen, wenn sie uns nicht helfen?"

Marokko wirbt um die Fußball-WM 2026, eigentlich sind die Chancen des Königreichs mau, beim Fifa-Wahlkongress am 13. Juni in Moskau die Nordamerika-Allianz USA/Kanada/Mexiko zu bezwingen. Doch neuerdings haben die Afrikaner mächtige Helfer, Influencer der Fußballwelt: Donald Trump und Gianni Infantino. Beide wollen zwar verhindern, dass die WM an Marokko geht, nur tun sie das auf so törichte Art, dass sie zu Marokkos wichtigsten Unterstützern werden.

Weltverbands-Boss Infantino wachsen die Probleme über den Kopf. Seine Fifa braucht Geld, viele Sponsoren bleiben der WM in Russland fern, zugleich schmelzen die Rücklagen. Denn Infantino hat allen 211 Nationalverbänden mehr Geld versprochen. Da sieht er sich bei einem amerikanischen WM-Veranstalter besser abgesichert als in Marokko. Stadien und Infrastruktur in den USA stehen schon heute; fünf Milliarden Dollar Gesamterlös rechnen die Alliierten hoch, zwei Milliarden nur aus dem Ticketing.

Viele sind der Alleingänge des Fifa-Chefs überdrüssig

Marokko kann von solchen Zahlen nur träumen. Aber da sind ja nun Trump und Infantino. Letzterer versucht allzu offenkundig, ins Kandidatenrennen einzugreifen. Nach Aktenlage wollte er den Entscheidungsprozess sogar von dem zuständigen Fifa-Kongress an eine kleine Task Force aus eigenen Gefolgsleuten übertragen. Diese im März kreierte Task Force soll die WM-Kandidaten prüfen, was gerade geschah, und entscheiden, ob diese alle Kriterien erfüllen, um im Juni wählbar zu sein. In einem Vorstandspapier, das Infantino seinem Fifa-Rat vorlegte und die SZ einsah, heißt es, der Rat solle die Empfehlungen der Task Force "automatisch" abnicken. Sprich: Infantinos Leute befinden, ob Marokko zur Wahl antreten darf.

Doch Europäer, Asiaten und der Afrika-Verband Caf, der hinter Marokko steht, haben Infantino signalisiert: Sie sind seiner Alleingänge überdrüssig. Man werde einen Rauswurf Marokkos vor der Kür nicht akzeptieren, sagt ein hoher Uefa-Mann der SZ. Auch DFB-Chef Reinhard Grindel vertritt diese Ansicht. Man brauche "keine Gerüchte in so einem Prozess".

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Doch die Gerüchteküche brodelt. Die Task Force sucht nicht nur nach K.-o.-Kriterien gegen Marokko; aus diesem Gremium, so erfuhr die SZ, sei jüngst eine Anzeige gegen Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura beim Ethikkomitee lanciert worden. Der Senegalesin wurden Interessenkonflikte angelastet, sie soll die Verwandtschaft mit einem Emissär der Marokko-Bewerbung verschwiegen haben. Der Verdacht gründete auf einem Telefonat in Beisein von Task-Force-Leuten: Da seien Begriffe wie "Bruder" und "Cousin" gefallen.

Samoura ist bei Infantino längst in Ungnade gefallen. Da hätte eine klandestine Marokko-Connection vermutlich gut gepasst - um sie anzuzählen und die Bewerber weiter zu schwächen. Umso peinlicher, dass die Fifa nun keine Verwandtschaft zwischen ihr und dem Berater fand.

Trump droht, wovon Marokko profitieren könnte

Der Vorgang offenbart die Zustände in Infantinos Reich. Wenn die oberste Hauptamtliche intern von Mitarbeitern angezeigt und erst danach eine Petitesse wie ein Verwandtschaftsverhältnis abgeklärt wird, wirkt das fast wie ein Mobbingversuch. Zumal die Fifa ethische Verstöße sonst weit weniger tragisch nimmt.

Das führt zu Trump, der sich für eine Vorladung zu den Ethikern empfahl. Am Freitag twitterte er eine Drohung an alle, die für Marokko stimmen wollen: "Es wäre eine Schande, wenn sich Länder, die wir stets unterstützen, gegen die US-Bewerbung wenden. Warum sollten wir diesen Ländern (auch bei den Vereinten Nationen) helfen, wenn sie uns nicht helfen?"

Eine heftigere politische Einmischung in den Sport gibt es kaum. Unangemessen erscheint auch die harsche Tonart. Für solche Vorgänge hat die Fifa Regeln. Sie fordert von Bewerbern "höchste ethische Verhaltensstandards", auch dürfen sie keinen "ungebührlichen Einfluss auf das Bieterverfahren" durch ihre Regierungen akzeptieren, weil das die Integrität des Auswahlprozesses beschädigt. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass Infantinos Fifa ihre Regeln hier anwenden wird. Umso wahrscheinlicher ist dafür, dass Trumps Drohung im Juni mehr Wähler für Marokko an die Urne treibt.

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