Fifa Blatter droht ein viel tieferer Sturz

Blatter auf dem Weg zu seiner Pressekonferenz in Zürich.

(Foto: AP)

Ausgerechnet die von ihm selbst erschaffene Ethikkommission sperrt Sepp Blatter. Doch für den suspendierten Fifa-Präsidenten geht es bald um noch mehr: Freiheit - oder Knast?

Kommentar von Claudio Catuogno

Wie oft es Sepp Blatter wohl schon bereut hat, dass er der Fifa eine Ethikkommission spendiert hat? Das war ja quasi seine Idee, zumindest hat er sich ausgiebig dafür loben lassen: ein unabhängiges Gremium, bestehend aus einer ermittelnden und einer rechtsprechenden Kammer. Was man sich eben so einfallen lässt, wenn man als Sportfunktionär im Skandalsumpf steckt und irgendwann nicht mehr anders kann, als ein paar Reformen zu simulieren.

Tatsächlich hat der Präsident des Fußball-Weltverbandes seine Ethikkommission anfangs vor allem dazu genutzt, unliebsame Konkurrenten sperren zu lassen. Als Blatter die Fäden noch in der Hand hielt, ging das, Unabhängigkeit hin oder her. Auch deshalb ist es nicht ohne Komik, dass sich dieses Gremium jetzt über seinen Schöpfer erhebt. Blatter mag ein begnadeter Schauspieler sein, aber die Entrüstung, mit der er seinen Acht-Jahres-Bann beklagt, ist nicht gespielt. Wie kommt diese Kommission von seinen Gnaden nur auf die Idee, ihn zu sperren? Den Präsidenten? Steht er nicht über den Regeln?

"I will fight"

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Tatsächlich hat genau dieses weit verbreitete Allmachtsgefühl dazu beigetragen, dass die Korruption in vielen Sportverbänden inzwischen zentrale Geschäftsbereiche durchdringt. Mir kann keiner was - in diesem Bewusstsein hat Blatter den Milliardenbetrieb Fifa fast vier Jahrzehnte in verschiedenen Rollen geführt. Und deshalb ist die Acht-Jahres-Sperre, die einem 79-Jährigen fast als lebenslänglich vorkommen muss, auch erst der Anfang.

Wo gerade noch sein Leben war, ist plötzlich nichts mehr

Die Frage, ob Blatter auf seine alten Tage noch mal eine Funktionärs-Tribüne oder einen Fifa-Kongress besuchen darf, hat die eigene Ethikkommission jetzt mit einem klaren Nein beantwortet. Der Chef hat Hausverbot. Das Spiel als solches - 22 Spieler, zwei Tore, ein Ball - wird Blatter womöglich gar nicht sehr fehlen. Um den Fußball ging es ihm nie. Aber hofiert zu werden wie ein Staatenführer, zu erleben, wie sich Diktatoren ebenso vor ihm in den Staub werfen wie demokratisch gewählte Regierungschefs, das wird er vermissen. Dort, wo gerade noch sein Leben war, ist jetzt plötzlich nichts mehr.

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Jammern hilft aber nicht. Schon gar nicht über angebliche Ungerechtigkeiten oder Verfahrensfehler. Dass ihn die Ethikkommission wegen einer Millionenzahlung an Michel Platini zu Fall brachte, hat eher praktische Gründe; so hatte man den Chef des europäischen Verbandes Uefa auch gleich am Wickel. Ein Geldfluss, zwei Sperren - fertig. Auf dem Tisch der Richter liegt aber noch mehr. Jetzt, da die Akte Blatter in der Fifa geöffnet wurde, fänden sich unzählige weitere Ansätze für Sanktionen. Eine Rückkehr ist also ausgeschlossen.

Und all das ist noch nichts gegen die Bedrohung, die für Blatter von staatlicher Seite ausgeht. Die US-Justiz stuft seine Fifa als kriminelle Organisation ein. US-Ermittler blicken in der Schweiz in alte Korruptionsakten, rollen Fälle wieder auf. Vor der Frage "Knast oder Freiheit?" verblasst jede Ethik-Sperre. Und genau diese Frage kommt schon bald auf Sepp Blatter zu.

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