FC Bayern Thomas Müller - der Ober-Bayer

Thomas Müller zeigt öfters an, in welche Richtung es gehen soll.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Thomas Müller schießt in dieser Saison so viele Tore wie noch nie in seiner Karriere.
  • Seit dem Wechsel von Bastian Schweinsteiger hat Müller bei den Bayern mehr Verantwortung übernommen.
  • Die Kapitänsbinde will er aber nicht um jeden Preis.
Von Benedikt Warmbrunn, Doha

Eine ungewohnte Stille herrscht am Montagvormittag auf dem äußersten der unzähligen Rasenplätze der Aspire Academy. Der Wind weht das Zwitschern der Vögel aus den Lautsprechern davon. Pep Guardiola ist heiser, er schweigt viel. Doch dass es so ungewohnt still ist, liegt vor allem daran, dass eine Stimme fehlt. Die von Thomas Müller.

Nimmt Müller am Training teil, das war auch nicht anders in den Tagen des Trainingslagers des FC Bayern in Doha, bekommen die Einheiten einen komödiantischen Unterhaltungswert, immer wieder weht der Wind einen Müller-Spruch herbei. Er sagt dann zu seinen Mitspielern: "Sehr geehrte Damen und Herren", dann kommt immer ein ziemlicher Blödsinn, zum Beispiel, dass er nach einer strittigen Entscheidung schimpft: "Immer wieder dasselbe mit spanischen Schiedsrichtern." Der Schiedsrichter in dem Fall war Pep Guardiola.

Am Montagvormittag also fehlt Müller, aber eine Stunde später beruhigte er alle Anhänger der Fröhlichkeit in Trainingseinheiten und die des FC Bayern überhaupt. Nur ein kleines "muskuläres Wehwehchen". So geht die Müller-Show schon am Nachmittag weiter. Es ist eine Show, die für den Verein in diesen Tagen so identitätsstiftend ist wie nie zuvor.

Müller schießt mehr Tore als je zuvor

"Er war schon immer einer, der gerne geredet hat, der Verantwortung übernommen hat, seinen Mann gestanden hat. Jetzt ist es vielleicht noch sichtbarer", sagt Kapitän Philipp Lahm. "Für mich ist er der gleiche Thomas geblieben. Er hat sich als Spieler entwickelt, aber das ist genau seine Kraft: Er ist der Gleiche geblieben", sagt Arjen Robben. "Thomas Müller ist etwas ganz Besonderes, obwohl Müller vom Namen her nichts Besonderes ist", sagt Sportvorstand Matthias Sammer, "er ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor in diesem Verein geworden. Man merkt, dass er sich mit seiner Rolle identifiziert." Müller selbst sagt: "Ich habe schon immer Verantwortung übernommen."

Wie gut ihm dies gelingt, war jedoch noch nie so auffällig wie in der Hinrunde. 14 Tore erzielte er in der Bundesliga, dazu kamen sieben in Champions League und Pokal - schon jetzt sind es mehr, als ihm zuvor je in einer gesamten Spielzeit gelungen waren. Dass aus einem, der viel redet, endgültig einer geworden ist, der etwas zu sagen hat, liegt an zwei Ereignissen aus der Sommerpause. Da war der Weggang von Bastian Schweinsteiger, der in den Jahren zuvor vielleicht die bayerische Identifikationsfigur schlechthin im Klub war. Und da war der ausbleibende Wechsel von Müller selbst, obwohl Schweinsteigers neuer Verein Manchester United für ihn eine Summe mit acht Nullen geboten haben soll.

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Und dann noch mehr. Wie diese Ereignisse seine Wahrnehmung verändert haben, hat sich Müller ein halbes Jahr lang angeschaut, am Montag spricht er in Doha so ausführlich wie lange nicht über seinen Status, er sagt: " Ich wurde ein bisschen mehr in den Fokus gerückt, seit Basti weg ist. Aus meiner Sicht habe ich mich nicht verändert - aber ich versuche, die Lücke, die Basti hinterlassen hat, ähnlich zu bestreiten."