Beim 3:0 gegen Maccabi Haifa krempelt Bayern-Trainer van Gaal wieder seine Offensive um. Der Leidtragende ist diesmal Gomez, auch Ribéry schmeckt eine Entscheidung nicht.
Bastian Schweinsteiger schaute recht frisch aus, als er vor dem Anpfiff in Tel Aviv mit seinen Bayern Aufstellung nahm fürs obligatorische Gruppenfoto. Dabei war er am Morgen des Spieltages sehr früh geweckt worden, abrupt dazu und deutlich vor seiner Zeit, wie live in der hiesigen Radiostation Kol Rega zu hören war. Zwei Scherzkekse des Senders riefen im Münchner Quartier an der Strandpromenade Tel Avivs an - und wurde vom vermutlich ebenfalls noch nicht wachen Portier tatsächlich zu ihm durchgestellt.
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Franck Ribéry (rechts) ging nach seiner Auswechslung grußlos in die Kabine. (© Foto: AFP)
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"Is this Bastian Schweinsteiger von Bayern Munich", hörte der deutsche Nationalspieler aus dem Hörer und stellte seine Englischkenntnisse unter Beweis: "Yes?!" Rund eine Minute haben sie dann auf ihn eingeredet, die Bayern mögen es abends gegen Haifa bitte nicht so hoch ausfallen lassen, "ein 1:0 oder 2:0 reicht". - "Yes, okay", sagte Schweinsteiger schließlich und legte auf.
Schweinsteiger hat den Vorfall ganz sicher nicht seinem Vorgesetzten gemeldet, denn Louis van Gaal hätte ihn wohl dann nicht aufgestellt. Der neue Trainer des FC Bayern lässt ja nichts durchgehen an kleineren Unpässlichkeiten oder gar Formdellen, dies hat er auch bei seiner Aufstellung für Tel Aviv klargemacht: So erlebte der 35 Millionen Euro teure Stürmer Mario Gomez die Hymne der Königsklasse überraschend auf der Ersatzbank - van Gaal setzte in der Offensive auf jenes Quartett, das in Dortmund (5:1) die zweite Hälfte 4:0 gewonnen hatte: Olic als einzige Spitze, dahinter erstmals von Beginn die hochwertige Flügelzange mit Arjen Robben und Franck Ribéry sowie der letztjährige Fußballamateur Thomas Müller.
"Die Spieler wissen, dass ich entscheide", hatte van Gaal noch am Montag mit Genuss geantwortet, als er auch von Israelis nach dem Dauerthema Ribéry und dessen Rückkehr in die Startelf gefragt worden war. Nun, Ribéry empfahl sich in Dortmund mit seinem Tor und zur Schau gestellter Zuneigung zum Trainer, er durfte beginnen. Und den Jüngling Müller, 20, dem gleich zwei Treffer gelungen waren, feiert van Gaal zu Recht und ausdauernd als Entdeckung. Gut und schön, aber hatte Gomez nicht in Dortmund ebenfalls getroffen und somit bereits fünf Pflichtspieltore erzielt?
Ja, doch, hat er, aber van Gaal legt offenkundig nicht nur die Statistik seinen Entscheidungen zugrunde. Gomez hatte ja samstags auch einige schwere Stockfehler begangen. Gleiches galt für van Gaals Landsmann Edson Braafheid, dessen fehlerreiches Wirken allein die Offensive mit ihren Toren übertünchte - in Tel Aviv saß er beim Anpfiff in Gomez' Nähe, für ihn verteidigte Danijel Pranjic. Und zu Hause schwitzen übrigens weiterhin Luca Toni und Miroslav Klose, sie wissen genau, dass sie sich für van Gaal in Form bringen müssen.
In München regiert demnach das Leistungsprinzip wie lange nicht mehr, was aufrichtig schuftende Arbeitnehmer erfreuen wird. Und so sah man in Tel Aviv Müller und Schweinsteiger nach Ballverlusten, die sie sich durchaus leisteten, stets hastig nach hinten rennen. Niemand weiß ja, wen es als nächsten erwischt. Gegen Haifa war Ribéry nach einer Stunde reif, van Gaal hält ihn eben nicht für fit für 90 Minuten.
Ribéry schlich bedient und grußlos zur Auswechselbank, aber er wird wissen: Widerspruch zwecklos. Kurz darauf leistete sich zwar Gomez, für Ribéry eingewechselt, bei seinen ersten Ballkontakt einen Stockfehler vor dem Tor von Maccabi. Aber van Buyten staubte ab zum befreienden 1:0, ehe kurz vor Schluss zweimal welcher Bayern-Spieler erhöhte auf 3:0?
Natürlich Müller.
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(SZ vom 16.09.2009)
Führungsstreit der Linken
Zaubberer, diese Quervergleiche "hätte man gestern gegen Juve gespielt, dann stünde es..." sind doch meist sehr weit hergeholt und nicht zielführend.
Es ist doch absolut klar, dass Bayern gegen Juve völlig anders auf dem Platz stehen wird. Mit anderer Einstellung, vermutlich nicht derselben Aufstellung, mit bereits 3 Punkten im Rücken und - da bin ich absolut überzeugt - mit ganz anderer Leistung.
Ausserdem bin ich kein Freund davon, Haifa klein zu reden (auch wenn man sie genausowenig übergross machen muss). Man wird doch im ersten CL-Spiel der Saison einer gegnerischen Heimmannschaft auch noch ein paar Torschüsse zugestehen können, ohne gleich schwarz zu sehen, auch wenn diese "nur" Haifa heisst. Man schaue sich doch mal die anderen Ergebnisse/Spielberichte an. ManU/Chelsea haben's knapp hingekriegt und wurden angeblich stellenweise an die Wand gespielt, Zürich (das Spiel hab ich gesehen) liess in 65 Minuten gerade mal 4 Torschüsse Reals zu (von denen dummerweise 3 drin waren), Athletico hat gegen Nikosia nix zu stande gebraucht, Milan hatte ausser Pippo wenig und und und.
Ich habe das Spiel, wie schon erwähnt, nicht gesehen. Doch wenn ich einerseits das Ergebnis sehe und andererseits Ihren Kommentar, wo es nicht ein lobendes Wort gibt, sondern reihum alle Bayern ausser Butt anscheinend schlecht waren, dann frag ich mich schon, was das für ein seltsamer Kick war.
Da ich weder Spiel noch Zusammenfassung sah, möchte ich gerne eine Frage in die Runde werfen.
Ich dachte mir bei Blick auf die Aufstellung, dass es nach dem Spiel sicher Kritik an der Abwehr geben könnte. Der Grund ist folgender.
Für Altintop (zurecht raus) spielte Müller, also eine (weistaus!!!) offensivere Variante. Schon die ganze letzte Saison war zu sehen, dass die Bayern-Abwehr, egal wer in welchem System spielt, ins Schwimmen kommt, wenn sie zu wenige Mittelfeldspieler mit Defensivaufgaben vor sich hat. Daher halte ich auch das gefundene 4-3-3 für sehr geeignet. Nun spielte gestern aber vermutlich "lediglich" Tymo und mit Abstrichen Schweinsteiger einen tendenziellen Abräumerpart. Und für 1 1/2 Leute stelle ich mir den Platz einfach sehr breit vor. Demzufolge vermutete ich, dass das Mittelfeld häufig genug sogar von Haifa überrannt werden könnte. das würde mich dann stark an die letztjährigen Abwehrprobleme erinnern.
Wie sah's denn aus? Wie hat Müller gespielt (nicht als gut-schlecht-Frage zu verstehen, sondern als taktische Frage)? Sollte er wirklich sogar einen 8er geben können, dann ist er wahrscheinlich der variabelste Spieler den Bayern je hatte!
Zu: ??? Der hatte doch gar nichts zu halten in der ersten Halbzeit. Deren einzige echte Chance ging über das Tor.
Muss aber dazusagen, ich hab nur ein 15-20 minütige Zusammenfassung auf ORF gesehen. Vielleicht haben die ja ein paar Haifa-Chancen weggelassen. Hab so das Gefühl, das die Haifa nach deren 5.1 in der Quali gegen Salzburg nicht mehr so recht mögen ;)
"Das 0:0 über die Halbzeit hinaus ist Jörg Butt zu verdanken "
??? Der hatte doch gar nichts zu halten in der ersten Halbzeit. Deren einzige echte Chance ging über das Tor.
"Ein qualifizierterer Gegner wie Juve hätte zum Zeitpunkt des 0:1 vermutlich schon 3:0 geführt."
Danach habe ich dann nicht mehr weitergelesen...
Dieses Spiel hat auch niemandem vom Hocker gerissen. Es wäre in der Free-TV Übertragung kein Zuschauermagnet geworden. Bayern war zwar im Ballbesitz überlegen, auch in der Passstatistik waren Sie klar führend. Aber sonst? Viel zu viel klein klein, die Flügel wurden nicht ausgenutzt da sowohl Rob als auch Bery immer viel zu früh nach innen zogen. Das 0:0 über die Halbzeit hinaus ist Jörg Butt zu verdanken der zuverlässig die Versäumnisse seiner Abwehrspieler ausbügelte. Pranjic steht völlig neben sich; nicht nur in der WM-Quali wurden Ihm seine Grenzen aufgezeigt. Auch hier wurde er mehrfach vorgeführt. Badstuber ist ein tolles Talent, aber auf dieser Ebene hat er ein ums andere mal Lehrgeld bezahlen müssen. Ein qualifizierterer Gegner wie Juve hätte zum Zeitpunkt des 0:1 vermutlich schon 3:0 geführt.
@ironbutterfly: Mehr Liebe als Bayern diesem Spieler gibt ist nicht möglich. Noch dazu war es selbst für den "blindesten" Fußballzuseher gestern erkennbar dass Ribery meilenweit von Bestform geschweige denn von einer Form für 90 Minuten entfernt ist. Ich wage mal die Frechheit zu sagen: Wenn er gestern nicht gespielt hätte, dann wär es auch nicht schlechter ausgegangen.
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