FC Bayern Rätselhafter Klartext von Lewandowski

Robert Lewandowski verwundert die Führung des FC Bayern München mit seinen Aussagen über die Transferpolitik.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Das kritische Interview des Stürmers fällt in eine Zeit, in der der FC Bayern ohnehin viele Probleme hat. Das wirft Fragen nach dem Motiv auf.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Gemeinsam ist dem Interview, das Philipp Lahm im November 2009 gab, und dem, das Robert Lewandowski jetzt im September 2017 folgen ließ, dass beide nicht offiziell vom FC Bayern autorisiert waren. Das erste Interview hat den Verein erschüttert, das zweite hat ihn jetzt mehr als nur irritiert. So war es auch gedacht. Jene 50 000 Euro, die Lahm damals als Strafe für die Umgehung der Klub-Zensur auferlegt wurden, gelten in der Rückschau deshalb als eine der nutzbringendsten Einnahmen in der Klubgeschichte.

Hatte doch Lahm in einem fundamentalistischen SZ-Interview die Beibehaltung der von Trainer Louis van Gaal eingeleiteten Modernisierung mittels einer gruppendynamischen Spielidee gefordert. Zudem warnte er eindringlich vor der Rückkehr zur reinen Geld-schießt-Tore-Mentalität früherer Bayern-Jahre. Die Transferpolitik möge einer klaren sportlichen Leitlinie folgen, nicht mehr dieser althergebrachten Einkäufer-Idee: Oh, der ist gut, der ist cool, den müssen wir kaufen! An dieser Lahm-Linie orientieren sich die Bayern im Kern bis heute.

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Auswege finden Teams nur gemeinsam

Lewandowski hält die Linie inzwischen für überholt. Weggespült von der Inflation auf dem Transfermarkt. Liest man das Interview, das der Stürmer jetzt dem Spiegel gab, so enden im Verlassen der soldatischen Profi-Wege, also in der umgangenen Autorisierung, fast schon die Gemeinsamkeiten mit dem Lahm-Gespräch. Fordert Lewandowski seinen Arbeitgeber doch indirekt dazu auf, die selbstgesetzte Transfermarkt-Obergrenze (bislang: rund 40 Millionen Euro) aufzugeben und zur Moneten-Mentalität von einst zurückzukehren. Er tut dies mit Formulierungen, die den Trend dieses irrwitzigen Transfersommers spiegeln: "Fußball ist Kapitalismus pur." Zusammengefasst in dem Hinweis: "Wenn ein Spieler wirklich wechseln will, kann er das in der Regel auch durchsetzen."

Ein Kernsatz Lewandowskis, der sich aus der Sicht eines Arbeitgebers, der zwischen den Zeilen liest, auch so deuten lässt: Habe zwar einen Vertrag bis 2021, ohne Ausstiegsklausel, aber es gibt da ja jetzt diese vielen reichen Zocker im Markt ... Schön blöd wären all diese Scheichs, Oligarchen, Turbo-Kapitalisten, hätten sich einige von ihnen jüngst nicht auch im Umfeld des Polen nach dessen Preis erkundigt. Gilt doch der Torjäger, so ihn Lust und Laune treiben, weiter als einer der zwei, drei zielstrebigsten Zentralstürmer des Planeten.

In diesem neuen Markt dürfte Lewandowskis fiktiver Transferwert nicht ganz bei Neymar (222 Millionen Euro), aber wohl doch noch vor der Nummer zwei, Kylian Mbappé (180-Millionen-Euro-Paket), liegen. Beide landeten in Paris. Da kann man ja wohl mal ins Grübeln kommen ...

Wichtig ist, dass Fußballer Klartext reden. Was einen nicht davon entbindet, in einer Zunft der Ego-Shooter die Frage nach Zeitpunkt und Motiv zu stellen. Jetzt, da das Transferfenster geschlossen und nicht viel zu bewirken ist, außer sich selbst in eine Hab'-ich-doch-schon-immer-gewarnt-Position zu bringen. Zwischen den Zeilen gelesen, ist Lewandowskis Botschaft auch, dass er dem Bayern-Kader nicht vertraut, bei dem bereits vor dem 0:2 in Hoffenheim deutlich war, dass er einige Probleme in die Saison mitschleppt. Auswege aber finden Teams nur gemeinsam, getreu der Lahm'schen Kollektiv-Idee. Da wird es nicht leichter, wenn der, der den Laden vertrags- wie honorargemäß ziehen soll, dem Laden sein Misstrauen ausspricht.

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