FC Bayern "Für eure Qualität, zu wenige Aktionen sind gut"

Und bei den ersten Reisen nach Doha störten ihn Anschlusstermine und Freundschaftsspiele. Erst jetzt ist alles so, wie er es sich wünscht. Keine Zusatzreise, keine Freundschaftsspiele. Außerdem trainiert er nachmittags unter Ausschluss der wenigen Zuschauer, er lässt dazu einen schwarzen Vorhang um den Platz aufziehen. Guardiola ist in seinem Element. In der zweiten von zehn Einheiten unterbricht er einmal die Übungen und ruft: "Für eure Qualität, zu wenige Aktionen sind gut!" Dann lässt er die Spieler um den Platz laufen. Und sofort steigt die Intensität.

"Sie haben sehr gut trainiert", lobt Guardiola am Montag die Spieler, er will das losgelöst von seinem bevorstehenden Abschied sehen. Er will, dass es nicht um ihn geht, er will nicht, dass nur seine Tage herunter gezählt werden. "Die Spieler spielen für sich selbst", sagt der Trainer, "jeder will das Beste tun für sich selbst, für den Verein, manchmal auch für den Trainer. Wenn sie aber nicht gut trainieren, bin ich da."

Guardiola fuchtelt und redet, bis er heiser ist

In dieser ersten Trainingswoche, nachdem der Verein im Dezember Guardiolas Abschied angekündigt hatte, verhält sich der Katalane also wie sonst auch, er fuchtelt auf dem Platz herum wie ein Verkehrspolizist, er redet und redet und redet. So viel redet er, dass er am Sonntag eine heisere Stimme bekommt. "Ich habe ein bisschen mehr gesprochen als sonst", sagt er, auch dass ein Zeichen, dass ihn diese eine Nummer namens Champions League durchaus antreibt. "Wenn ich eine Idee habe", sagt Guardiola, "spreche ich darüber."

Mario Götze wartet auf ein Zeichen

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Über eines aber redete Pep Guardiola auch in den Tagen in Doha mit den Spielern nicht: über seinen Abschied. "Wir sprechen immer nur über Fußball", sagt er, "alle sind im Tunnel."

Nach Rückständen war das Team nicht stabil genug

Für Guardiola selbst ist dieser so genannte Tunnel ein Dauerzustand, er hat ja auch ständig neue Ideen. Am Montag, und das ist ein weiteres Indiz dafür, wie gewissenhaft er in seinem letzten Halbjahr seine Ziele verfolgt, spricht er ungewöhnlich offen an, für welche Situationen ihm eine Idee kommen muss, um noch an diese eine Nummer zu kommen. "Unsere Erfahrung in der Champions League ist bisher, dass wir nach einem Problem nicht stabil waren", sagt er und spricht die Niederlagen in Porto, Barcelona oder gegen Madrid an, als das Team nach einem Rückstand in sich zusammenfiel. Ob er dazu eine neue Taktik finden muss oder ob er einen speziellen psychologischen Ansatz sucht, das hat er jedoch nicht verraten. Noch nicht.

Aber er hat ja auch noch ein bisschen Zeit, tief in seinem Tunnel.