FC Bayern Mehr Gerd Müller wagen!

Niko Kovac wird trotz aller Meriten in Frankfurt mit etwas Skepsis erwartet bei den Bayern.

(Foto: REUTERS)

Favoriten-Fußball statt Underdog-Fußball: Trainer Niko Kovac hat in Frankfurt Großes bewirkt, doch er wird beim FC Bayern ein anderes System lehren müssen.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Zu jener Zeit, in der Uli Hoeneß noch ein pfeilschneller Kicker war, wurden Fußballspiele nach der Gerd-Müller-Formel entschieden. Über diese hat der Vater der Formel sogar ein Liedchen auf einer Schallplatte gesungen. Für alle, die wissen wollen, wie der FC Bayern früher funktioniert hat und wie er aus der nostalgischen Perspektive des Uli Hoeneß auch heute noch am besten funktionieren würde, hier der Refrain:

Dann macht es bumm, ja und dann kracht's - und alles schreit: der Müller macht's.

Dann macht es bumm, dann gibt's ein Tor - und alles schreit dann: Müller vor.

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Mit 365 Toren ist Gerd Müller der Rekordtorschütze der Bundesliga. Dass er eingeholt wird, ist noch viel unwahrscheinlicher, als dass noch einmal ein anderer als der FC Bayern Meister wird. Auf Müllers Toren gründet der Mythos des Vereins. Mit ihm hat Uli Hoeneß in einer Elf gespielt, mit ihm wurde er fußballerisch sozialisiert, durch ihn speist sich seine Auffassung vom Spiel: Der Ball muss ins Netz, alles andere ist nachrangig.

Dies muss man wissen, um diesen vor Selbstgewissheit prallen Verein zu verstehen. Und einen Satz wie jenen, den Hoeneß seinem neuen Animateur gleich mal ins Auftragsbuch diktiert hat: "Wir haben Niko ausgesucht, weil er wie Jupp das Familiäre und Menschliche hat. Das ist wichtiger, als wenn uns einer erklären kann, was eine falsche Neun oder flache Raute ist." Heißt übersetzt: Niko Kovac soll der Bayern-Familie, die gegen Madrid (Champions League) und Frankfurt (Pokal) ihre Chancen verschwendete, wieder zeigen, wo die Bude steht. Was ausgerechnet unter Jupp Heynckes, zu Müllers Zeiten ein ähnlich gefährlicher Mittelstürmer, im Saisonfinale vermisst wurde, soll nun unter Kovac, einst ein defensiver Mittelfeldspieler, reanimiert werden: Der Müller'sche Instinkt vorm Tor. Frankfurt hat's in Berlin vorgemacht - drei Pässe, drei Treffer, effektiver geht es nicht.

Nur kann der Stil von Eintracht Frankfurt nicht der Stil des FC Bayern sein. Bei einem Ballbesitz-Verhältnis von 23:77, wie es der Kovac-Truppe in Berlin genügte, fängt in München das verwöhnte Publikum zu pfeifen an. Frankfurt zeigte Underdog-Fußball von hoher Cleverness, vom FC Bayern aber wird Favoritenfußball gefordert ähnlich wie vom FC Barcelona. Zu diesem Zweck hatten die Münchner ja einst Experten wie Louis van Gaal oder Pep Guardiola engagiert, die sie in die Moderne, in der Taktik-Begriffe wie "falsche Neun" oder "Raute" durchaus diskutiert werden, überführen sollten.

Niko Kovac wird einen anderen Fußball lehren müssen als in Frankfurt. Von einem reaktiven muss er auf ein aktives Modell wechseln. Ob es ihm gelingt, den Schalter umzulegen, wird das spannend-ste Experiment der nächsten Spielzeit. Wer zuvor an den Bumm-kracht's-Müller-Instinkt erinnert wird, der weiß, was die Nostalgiker an der Isar erwarten.

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