FC Bayern Lahm rechtfertigt Katar-Reise: Werden "nicht die Augen zumachen"

Philipp Lahm kurz vor Abreise am Münchner Flughafen.

(Foto: dpa)
  • Der FC Bayern ist heute ins Trainingslager nach Katar gereist. Der Verein steht seit langem in der Kritik - wegen der Menschenrechtslage in dem Land.
  • Kurz vor Abflug rechtfertigt Kapitän Philipp Lahm die Entscheidung des Klubs und verspricht: Die Mannschaft werde "nicht die Augen zumachen".

Philipp Lahm gilt als diplomatischer Mensch und steht im Ruf, eine Art Außenminister des FC Bayern zu sein. Es war deshalb keine Überraschung, dass der Mannschaftskapitän kurz vor dem Abflug die heikle Aufgabe übernahm, die Reise der Münchner nach Doha zu rechtfertigen. "Die Mannschaft und alle im Verein beschäftigen sich mit dem Thema, was in Katar los ist", sagte er. Und nein, die Mannschaft werde "nicht die Augen zumachen". Was immer das heißen mag.

Doha, Katar. Zum sechsten Mal in Serie bereitet sich der FC Bayern in der weitläufigen Aspire Academy vor, "wir haben", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge, dort "gute Erfahrungen" gemacht. Die Reise im vergangenen Jahr allerdings geriet zum PR-Desaster, weil die Münchner auf dem Rückweg noch ein Spiel in Saudi-Arabien absolvierten. Just zu einem Zeitpunkt, als dort ein bekannter Blogger ausgepeitscht werden sollte. Es hagelte Kritik, von allen Seiten.

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Rummenigge räumte später ein, Fehler begangen zu haben, der FC Bayern, sagte er, hätte deutlicher ansprechen sollen, dass er "jede Bestrafung" verurteile, "die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht". Nur wenige Wochen nach der Reise nach Katar und Saudi-Arabien schuf er die Abteilung Public Affairs: Ein ehemaliger Journalist der Süddeutschen Zeitung soll den Vorstand und seinen Vorsitzenden nun unter anderem dann unterstützen, wenn es um gesellschaftliche Themen geht.

Und Katar bleibt ein Thema. Unter anderem bei den Anhängern. Der Club Nr. 12, eine Dachorganisation aktiver Fans des FC Bayern, teilte auf Anfrage mit: "Wir betrachten die Reise nach Katar aufgrund der dortigen Menschenrechtsverletzungen sehr kritisch." Und nein, ergänzte der Sprecher, es habe nicht, wie behauptet, ein Gespräch mit dem Klub-Vorstand über das Thema gegeben. In Foren und sozialen Netzwerken kritisieren Fans, dass der FC Bayern nicht verantwortungsbewusst handele.

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