FC Bayern Der FC Bayern und das Rätsel des zweiten Balles

Thiago Alcántara, Javi Martínez, Franck Ribéry and James Rodríguez laufen bedröppelt über den Sinsheimer Rasen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern verliert in Hoffenheim mit 0:2 und wundert sich über das erste Gegentor.
  • Es waren vor dem Tor von Mark Uth zwar zwei Bälle auf dem Spielfeld - aber der Schiedsrichter muss das Spiel deswegen nicht zwingend unterbrechen.
  • Das Problem der Mannschaft sind eher die fehlenden Chancen. Trotz dominantem Spiel kommt der FC Bayern selten zum Abschluss.
Von Matthias Schmid, Sinsheim

Mats Hummels ist ein neugieriger Mensch. Interessiert an Kunst, Politik und natürlich an Fußball. Doch diese Fußball-Regel war ihm bisher fremd. "Ich kannte sie nicht", gab der Verteidiger des FC Bayern am Samstagabend zu. Er stand in den Katakomben der Hoffenheimer Arena und kratzte sich am Hinterkopf. Mehrmals tat er das, weil er so Zeit gewann, die richtigen Worte zu finden. Er klang dabei ein bisschen wie ein Politiker in der Regierungskrise. Er wollte nichts Falsches sagen, aber gleichzeitig auch nahe an der Wahrheit bleiben.

Hummels also musste nicht nur die erste Saisonniederlage gegen Hoffenheim (0:2) erklären, sondern vor allem die Szene, die zum ersten Gegentor führte. Der Nationalspieler hatte sie verschuldet. Wenn auch unabsichtlich. Dabei war sein weiter Schlag hinein in die gegnerische Hälfte "beabsichtigt", wie der 28-Jährige gestand. Er wollte den Ball, der schon im Seitenaus war, im Spiel halten. Doch er hatte nicht mit der schnellen, geistesgegenwärtigen Reaktion des Balljungen gerechnet, der in seinem Rücken ein neues Spielgerät rasch an Andrej Kramaric weiterreichte. Der Hoffenheimer Stürmer warf diesen zu Mark Uth, der auf und davon eilte und Manuel Neuer im Tor in der kurzen Ecke überraschte (27.).

Der kurze Fauxpas des Mats Hummels

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"Wir hätten nicht abschalten dürfen", sagt Manuel Neuer

Hummels wollte also vom Schiedsrichter Daniel Siebert wissen, ob der Treffer regelkonform war. Allein schon aus Neugierde, wie Hummels betonte: "Ich spiele seit 20 Jahren Fußball." Der Unparteiische bejahte und erklärte das Tor damit, dass der zweite Ball nicht gestört habe. Hummels widersprach, energisch sogar: "Der zweite Ball führte doch zum Tor, deshalb greift die Regel meines Erachtens nicht."

Ob nun erster Ball oder zweiter Ball, Manuel Neuer wollte sich an der akademisch anmutenden Diskussion nicht beteiligen. Pragmatisch, wie es nun seine Art ist, begegnete er Hummels' Fauxpas. "Wenn der Schiedsrichter nicht pfeift, müssen wir weitermachen und das akzeptieren", sagte Neuer. Es hätte noch genügend Möglichkeiten gegeben, diesen zu verhindern: "Wir hätten nicht abschalten dürfen."

Neuer sagte das unaufgeregt, dabei hatte er selbst nicht ganz glücklich beim ersten Gegentor ausgesehen, weil es Uth schaffte, den Nationalspieler in seiner kurzen Ecke zu überlisten. In der Szene plädierte der Bayern-Profi aber auf unschuldig: "Da ist ihm der Ball über den Spann gerutscht", erklärte Neuer, "er hat eigentlich ins lange Eck gezielt."

"Es wird jeden Spieler mal treffen", sagt Mats Hummels

Das sah auch Hummels so. Einträchtig fiel auch ihre Analyse des gesamten Spieles aus. Sie hätten die Partie dominiert, bis zum Strafraum gefällig kombiniert, vor allem Kingsley Coman habe viele gute Szenen gehabt. "Doch im Strafraum hatten wir zu wenige Spieler", klagte Hummels, nur ein, zwei Mann zählte er. Das war ein bisschen übertrieben. Doch die Statistik bei den Torschüssen gab ihm recht. 19 Mal schoss München aufs Tor, nur sechs Mal dagegen Hoffenheim.

Die Daten öffneten den Blick in die Münchner Mängel, weil es ihnen nicht gelang, trotz Überlegenheit klare Torchancen zu erspielen. Einem Treffer am nächsten kam noch Robert Lewandowski, dessen Schuss in der Anfangsphase aber die Latte touchierte. "Unsere größte Baustelle" nannte Hummels danach die fehlenden Torchancen. Es war eine ebenso ehrliche wie treffende Analyse. "Davon müssen wir uns künftig deutlich, deutlich mehr erspielen." Die Hoffenheimer taten sich in dieser Hinsicht auch nicht gerade hervor. Sie waren aber deutlich effizienter. "Hoffenheim war dreimal im Sechzehner und hat zwei Tore gemacht", stellte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti festgestellt.

Apropos Ancelotti: Hummels gab zu, dass er gerne mal in der Kabine dabei wäre, wenn der Trainer die Aufstellung plant und sich darüber Gedanken macht, wer spielt und wer nicht. "Wir haben einen starken Kader, da wird es immer Härtefälle geben", sagte Hummels. Denn während Thomas Müller zuletzt in Bremen lange Zeit auf der Bank saß, mussten diesmal Arjen Robben und Franck Ribéry beim Anpfiff von draußen zusehen. Ihre Gesichter offenbarten, dass sie damit nicht einverstanden waren. "Es wird jeden Spieler mal treffen", sagte Hummels beschwichtigend. Doch diese Diskussion dürfte noch länger anhalten als die um seine Schuld am ersten Gegentor.


Quelle: Opta Sportdaten

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