FC Augsburg Weshalb Weinzierl bald weiterziehen könnte

Macht sich Gedanken über seine Zukunft: Augsburgs Coach Markus Weinzierl.

(Foto: Getty Images)
Von Jonas Beckenkamp, Liverpool

Wer die Beatles nicht so super findet, muss jetzt stark sein und trotzdem weiterlesen. In die Stadt Liverpool gelangt man bekanntermaßen über den Flughafen "John Lennon". Danach geht es mit dem Bus ins Stadtzentrum, vorbei an einer Straße mit dem Namen "Penny Lane" und natürlich findet sich im Ausgehviertel um die Hanover Street auch ein Pub, das "McCartney's" heißt. Das Erbe jener Musikkapelle, die diesen Ort für immer berühmt gemacht hat, springt einen an jeder Ecke an. Es ist davon auszugehen, dass es auch dem Fußballtrainer Markus Weinzierl bei seiner Ankunft am River Mersey so erging.

Als Coach des FC Augsburg hat er Gefallen gefunden an diesen Reisen unter der Woche. Bilbao, Belgrad und jetzt Liverpool - die Europa League ist für Weinzierl eine Art Zuckerl für die Strapazen in der heimischen Liga. Seit mehr als dreieinhalb Jahren lehrt er nun schon sein Team das Fußballspielen und es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass dieses Rückspiel gegen die "Reds" im Sechzehntel-Finale das sportliche Highlight in seiner Trainer-Karriere darstellt. Anfield Road, die legendäre Fankurve "The Kop", dazu das Duell mit Jürgen Klopp: Da kann man schon mal zu "Twist and Shout" durchs Hotelzimmer steppen.

Vor vier Jahren noch Drittliga-Coach

Aber Weinzierl, vor vier Jahren noch Drittliga-Coach in Regensburg, ist keiner fürs laute Gegröle. Er genießt lieber still - und freut sich für andere im Verein. "Ich glaube, dass für meine Spieler Weihnachten und Geburtstag an einem Tag zusammenfallen", sagte er, "jeder hat sich wochenlang auf dieses Spiel gefreut und wir haben uns eine Super-Ausgangsposition geschaffen. Ich brauche niemand mehr extra zu motivieren." Das 0:0 in der Vorwoche eröffnet in der Tat alle Möglichkeiten, so dass Weinzierl sich bei der Pressekonferenz vor der Partie auffällig locker geben konnte.

Er grinste und erklärte mit aller niederbayerischen Nonchalance: "Selbst bei einem 1:0 von Liverpool in der 90. Minute reicht uns ein 1:1 in der 92. Minute. Ich freue mich einfach drauf und bin stolz." Dass er mit dem kleinen FCA vergangene Saison Fünfter in der Bundesliga wurde und den Klub jetzt auf der europäischen Fußballlandkarte etabliert, hat ihn selbstbewusster gemacht. Und vielleicht auch einen Tick fordernder, was die Rahmenbedingungen seines Jobs betrifft. In Augsburg hat er so viel erreicht, wie keiner zuvor. Die Frage ist: Was soll nach den aktuellen Erfolgen noch kommen? Ein erneuter Überfall auf Europa ist bei den finanziellen Umständen der Schwaben unwahrscheinlich.

Aus Weinzierls Umfeld ist deshalb zu hören, dass er gerne weiterziehen würde. Ein paar Erfolgsstufen hinauf in andere Tabellenregionen. Zu Vereinen, die auch mal für zehn oder mehr Millionen Euro Fußballer mit schicken Namen kaufen können. Und die ihrem Trainer ein schickeres Gehalt bezahlen als der FC Augsburg. Zuletzt hielten sich trotz Weinzierls laufendem Vertrag bis 2019 Gerüchte über eine angebliche Kontaktaufnahme mit RB Leipzig, wo Ralf Rangnick im Aufstiegsfall eine gestandene Trainerkraft installieren will. Dass der gestandene Trainer Weinzierl aber vom Abstiegskampf mit Augsburg in den Abstiegskampf mit Leipzig wechselt, ist kaum vorstellbar.

Von Schalke beeindruckt

Deutlich mehr Eindruck haben wohl die Avancen des FC Schalke aus dem vergangenen Sommer beim 41-Jährigen hinterlassen. Damals sei das hübsch dotierte Angebot aus Gelsenkirchen zu kurzfristig gekommen, sagen Menschen, die ihn kennen. Weinzierl stand in Augsburg im Wort und verlängerte nach reichlicher Überlegung um mehrere Jahre. Wohl auch, um seinem Klub nach dieser Spielzeit die Möglichkeit zu geben, im Falle seines Abschiedes eine anständige Ablöse einzustreichen.

Noch heißt der Trainer auf Schalke zwar André Breitenreiter, aber dessen Stelle könnte im Zuge der Umgestaltung mit dem zukünftigen Manager Christian Heidel (er kommt im Sommer aus Mainz) neu besetzt werden. Das Duo Weinzierl/Heidel ist als authentische Anpackergemeinschaft im Gelsenkirchener Folklorebetrieb durchaus denkbar. Genauso wie für den Noch-Coach des FC Augsburg übrigens eine Überraschung in Liverpool vorstellbar ist. "Mit einem Unentschieden sind wir weiter", sagt Weinzierl, "und im Elfmeterschießen gewinnen normalerweise auch die Deutschen."

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