FC Augsburg vor dem Bayernderby Hoffen auf das Riesen-Ausrufezeichen

Der Flügelflitzer Sven fliegt um die Welt

(Video: Süddeutsche.de, Foto: AFP)

"Leidenschaft versetzt Berge", so lautete einst das Augsburger Erfolgsmotto. Vor dem Duell mit den Bayern ist bei den Schwaben von diesem Credo nicht viel übrig. Der Tabellenvorletzte erlebt in dieser Spielzeit, dass die geringen finanziellen Mittel des Klubs den Bundesliga-Alltag mitunter arg erschweren - aufgeben will aber niemand.

Von Kathrin Steinbichler

Markus Weinzierl weiß genau, was die Leute jetzt denken. Die Leute da draußen, die Woche für Woche die Bundesliga verfolgen. Die Leute, die in die Stadien gehen oder am Spielfeldrand sitzen, die den Fußball und seine Akteure analysieren und bewerten und im Internet oder auch vor Kameras öffentlich diskutieren. Im Erfolg kann man in diese Masse aus Leuten und Meinungen eintauchen wie in ein Bad aus Glücksgefühlen. Im Misserfolg geht von dieser Masse ein Druck aus, der einem schon mal den Atem nehmen kann.

Markus Weinzierl, der Trainer des FC Augsburg, zieht die Augenbrauen zusammen. Diesen Samstag (15.30 Uhr) steht für seine Mannschaft das Heimspiel gegen den FC Bayern München an. Tabellenvorletzter gegen Spitzenreiter. Abstiegskandidat gegen Meisterschaftsaspirant. Was die Leute dazu jetzt wohl denken? "Ich glaube, es traut uns keiner was zu", sagt Weinzierl. Er lächelt jetzt, aber seine Augen verengen sich. Die meisten da draußen, soll das heißen, haben den FCA schon vor der Winterpause abgeschrieben. Das ist bitter. Es ist aber auch "eine Chance", sagt Weinzierl.

Vor etwas mehr als einem halben Jahr war die Welt in Augsburg noch in Ordnung. Als sich die bayerischen Schwaben zum Ende ihrer ersten Bundesliga-Saison den Verbleib in der Klasse gesichert hatten, versammelten sich die Menschen in Augsburg zu spontanen Partys auf den Straßen, und Jos Luhukay, der damalige Trainer, lief mit einer T-Shirt-Botschaft über den Rasen.

"Leidenschaft versetzt Berge", stand da weiß auf rot, es war das Motto seiner Spielzeit gewesen. Und heute? Außer der Leidenschaft ist kaum noch etwas vom Erfolgsweg des FCA übrig geblieben.

Andreas Rettig, der langjährige Manager mit einem Sinn für kleine Gesten und einer Politik der kleinen Schritte, verabschiedete sich in die Geschäftsführung der Liga. Jos Luhukay macht sich daran, jetzt auch die Berliner Hertha zurück in die erste Liga zu coachen. Beide konnten sie am Ende nicht mehr gut genug mit dem Mann, der blieb, und der die wichtigsten Posten mit unerfahrenen, dafür preiswerten Neulingen besetzte: FCA-Klubchef Walther Seinsch.

Anfang Oktober erfolgte die erste Korrektur, der frühere Torwart-Profi Jürgen Rollmann ersetzte Sportmanager Manfred Paula. Letzterer macht seitdem, was er auch vorher gemacht hat: Er verantwortet die Nachwuchsarbeit des FCA, die im qualitativen Bundesligavergleich noch immer recht bescheiden ausfällt. Als Kaderschmied bei den Profis soll sich der gelernte Journalist Rollmann beweisen.