Exekutive der Fifa Heikle Tage für Katar-Wähler

Bis zu seinem Abgang permanent in Korruptionsfälle verstrickt: Ex-Fifa-Vize Jack Warner.

(Foto: Reuters)

Der Fußball-Weltverband durchlebt nervöse Zeiten. Nach dem Bestechungsverdacht gegen die ehemaligen Fifa-Exekutivmitglieder Bin Hammam und Warner bestehen große Zweifel an der WM 2022 in Katar. Einige Funktionäre versuchten, interne Ermittlungen des Weltverbands zu stoppen.

Von Thomas Kistner

Als vergangene Woche in Zürich die Fifa- Exekutive tagte, trat auch Michael Garcia aufs Parkett: Der interne Chefermittler bat Vorstände des Fußball-Weltverbands zum Verhör. Garcia spürt den WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar) nach, die Fifa selbst traut ihren Spitzenleuten da einiges zu. Nun fliegt auf, dass einige Vorstände Garcia auszuhebeln versuchten. "Es gab eine Art informelles Gespräch, um Garcias Ermittlung zu stoppen und die Sache in der Exekutive zu diskutieren", sagte der Brite Jim Boyce zu Reuters. Doch er und andere reformwillige Vorstände hätten den Aufstand per Rücktrittsdrohung erstickt.

So wird es heikel für Katar. 13 der 22 Funktionäre, die 2010 die WM vergaben, sitzen bis heute im Fifa-Vorstand. Auch viele Katar-Wähler, das Emirat hatte 14 Voten erhalten. Nun war die Stimmung unter den Funktionären in Zürich schon vor Garcias Auftauchen am Tiefpunkt, weil ja gerade ein massiver Bestechungsverdacht gegen zwei alte Vorstandskollegen publik wurde: Über eine Firma des Katarers Mohamed Bin Hamamm waren nur Tage nach der Kür zwei Millionen Dollar an Jack Warner (Trinidad & Tobago) und dessen Söhne geflossen.

Reizklima in Zürich

Enthüllungen über Geldflüsse aus Katar bringen den Fußball-Weltverband in Erklärungsnot. Fifa-Chef Sepp Blatter greift die Uefa an, die Vergabe der WM 2018 nach Russland gerät automatisch in den Fokus. Zum heikelsten Zeitpunkt. Von Thomas Kistner mehr ...

Bin Hammam war Chef des Asienverbandes AFC, Warner Boss der Föderation Nord- und Mittelamerikas, Concacaf. Als ihn nun am Fifa-Sitz die Presse nach Folgen aus der Affäre für Katar befragte, verwies Präsident Sepp Blatter gereizt auf Garcia. Schon dieser eine, offenbar aus FBI-Kreisen gesickerte Fall rückt ja die Vergabe ins Zwielicht. Katars WM-Organisatoren tun ihn als Privatdeal ab.

Umso bemerkenswerter, dass die Fifa selbst den Druck auf Doha erhöht. Den Sabotage-Versuch gegen Garcia bestätigte auch Exekutivmitglied Prinz Ali (Jordanien). Andere Vorstände taten es indirekt, indem sie öffentlich für die Fortsetzung der Ermittlung plädierten, etwa Jeffrey Webb, Warners Amtsnachfolger.

Webb hatte 2010 nicht abgestimmt. Michel Platini hingegen schon, Chef des Europa-Verbands Uefa, der nun ebenfalls die Aufklärungsarbeit verteidigt. Platini outete sich 2012 als Katar-Wähler, als bekannt wurde, dass sein Sohn bei einer Firma des Emirats anheuerte. Schon deshalb dürfte sich seine Begeisterung über Garcias Schnüffelei in Wahrheit in Grenzen halten; zudem spielte damals Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy eine obskure Rolle. Er führte Platini kurz vor der Kür dem Emir von Katar zu.