Eintracht Frankfurt Kovac wird die Spekulationen nicht los

Anzeichen vorzeitiger Entfremdung? Eintracht-Trainer Niko Kovac muss sich nach der Niederlage Pfiffe von den Anhänger anhören.

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
  • Die Debatten um den Wechsel von Niko Kovac zum FC Bayern und dessen Begleitumstände verfolgen Eintracht Frankfurt weiter.
  • Auch sportlich gibt es Probleme - trotz des Einzugs ins DFB-Pokalfinale: Seit vier Spielen sind die Frankfurter in der Bundesliga ohne Sieg.
  • Im Saison-Finale müssen die Frankfurter ausgerechnet zwei Mal gegen die Bayern antreten.
Von Tobias Schächter, Frankfurt

Fußballfans verzeihen nicht so leicht, Niko Kovac erlebt das gerade. Als kurz vor dem Anpfiff des Heimspiels gegen Hertha BSC Berlin der Name des Trainers von Eintracht Frankfurt verlesen wurde, erschallte ein lautes Pfeifkonzert aus der Kurve der Hessen. Und als rund zwei Stunden später die 0:3-Pleite feststand, sangen die Eintracht-Fans trotzig ihr Lied für ihren Verein: "SGE wir sind da, jedes Spiel ist doch klar. Spieler kommen, Trainer gehen - scheißegal, die SGE." Niko Kovac wird die Eintracht nach Ablauf dieser Spielzeit bekanntlich verlassen und zum FC Bayern München gehen. Das Wechseltheater und seine Rolle darin nehmen die Eintracht-Fans Kovac sehr übel.

Vor allem, dass der Kroate nach dem Bekanntwerden des Deals behauptet hatte, er habe Vertragsinhalte an einem einzigen Tag abgewickelt, nehmen ihm die Anhänger nicht ab. Und weil Kovac eine Woche zuvor noch erklärt hatte, er werde auch in der nächsten Saison Eintracht-Trainer sein ("Stand jetzt"), konnte sogar der erneute Einzug ins DFB-Pokalfinale durch den 1:0-Sieg am Mittwoch bei Schalke 04 die Fans zunächst nicht versöhnen.

Schon seit Mittwoch kursieren schwarze T-Shirts in Frankfurt, auf denen das Eintracht-Wappen zu sehen ist und in Anlehnung an Kovacs Zitat zu lesen steht: "DFB-Pokalsieger 2018 - Stand jetzt!"

Wie wird Kovac seine Zeit in Frankfurt zu Ende bringen?

Die Eintracht und Kovac können machen, was sie wollen - sie werden die Debatte um diesen Trainerwechsel und dessen Begleitumstände nicht los. Der Spielplan meint es nicht gut mit ihnen. Manchmal verflüchtigen sich lästige Debatten ja, aber schon am Samstag tritt der künftige Bayern-Trainer Kovac mit seiner aktuellen Elf bei seiner neuen Elf in München an. Und im Pokalfinale in Berlin trifft die Kovac-Eintracht erneut auf seinen baldigen Arbeitgeber aus München.

Es gibt also kein Entkommen aus den Spekulationen über einen möglichen Nachfolger von Kovac in Frankfurt und darüber, wie Kovac seine fast zweieinhalb Jahre in Frankfurt zu Ende bringen wird. Als stolzer Pokalsieger und einer, der aus einem Abstiegskandidaten einen Europapokalteilnehmer geformt hat? Oder doch als der, der durch eine unglückliche Kommunikation in einem entscheidenden Moment Reputation verlor und die ersehnte Europapokalteilnahme noch verspielte?

Die Eintracht hat sich viel aufgebaut in dieser Saison, sie kann noch immer viel gewinnen. Aber die Gefahr, dass der Traum von Europa platzt, ist durch die hohe Heimpleite gegen Berlin größer geworden. Im Pokalfinale sind die Bayern haushoher Favorit, und in der Liga spricht der Trend gegen die Eintracht. Seit vier Spielen sind die Frankfurter ohne Sieg, und das Restprogramm mit den Spielen in München, zu Hause gegen den Hamburger SV und beim FC Schalke 04 ist sehr schwer.

Kovac weiß: "Wir brauchen von den neun Punkten, die zu vergeben sind, den ein oder anderen - sonst fallen wir hinten raus." Gelänge der Eintracht ausgerechnet am Samstag in der Münchner Arena die Trendwende, wäre das eine weitere Pointe in der Kovac-Saga.

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