Eintracht Frankfurt Hradecky marschiert

Ins Finale geflogen: Drei artistische Paraden von Lukas Hradecky hielten Frankfurt in Schalke im Spiel.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)
  • Lukas Hradecky wechselt zur neuen Saison wahrscheinlich nach Leverkusen, seine Leistung im Tor von Eintracht Frankfurt beeinflusst das jedoch nicht.
  • Ersetzt wird der Finne von Frederik Rönnow, der schon zum dritten Mal die Nachfolge Hradeckys übernimmt.
  • Der Wechsel könnte eine größere Torwart-Rotation in der Bundesliga anstoßen.
Von Ulrich Hartmann, Gelsenkirchen

Lukas Hradecky hat eigentlich Glück, dass alle über Niko Kovac reden. Weil Kovac Eintracht Frankfurt in wenigen Wochen verlässt, hat die Branche hitzig darüber diskutiert, ob der Trainer seine Arbeit auch wirklich ganz seriös zu Ende bringen kann. Dabei gilt das für den Torwart Hradecky ebenso. Der Finne, 28, geboren im slowakischen Bratislava, hatte im Tor zuletzt ein paar Probleme und weiß bereits, dass er am 19. Mai in Berlin gegen Bayern München zum letzten Mal für Frankfurt spielt. Doch an der Moral des Trainers und des Torwarts, an der Treue von Kovac und Hradecky, zweifelt seit Mittwochabend niemand mehr. Hätte Hradecky in der 32., 67. und 68. Minute in Gelsenkirchen nicht drei artistische Paraden zelebriert, dann hätte die turbulente Schlussphase in der Schalker Arena vermutlich gar nicht stattgefunden. Hradecky hat Frankfurt im Spiel gehalten, und der Stürmer Luka Jovic hat das Team mit seinem Volley-Hacken-Tor ins Finale geschossen. Es wird Hradeckys Abschiedsspiel nach drei Jahren bei der Eintracht. Gerüchte besagen, dass er ab der kommenden Saison Bernd Leno bei Bayer Leverkusen ersetzt.

Erst nach dem Spiel hat Eintracht-Manager Fredi Bobic offiziell mitgeteilt, dass Hradecky geht. Seinen Nachfolger hatte man aber schon vor einer Woche verpflichtet. Hradecky war 2015 von Bröndby IF aus Dänemark gekommen. Der Neue heißt nun Frederik Rönnow - und kommt ebenfalls von Bröndby IF. Der Däne, 25, wird schon zum dritten Mal Hradeckys Nachfolger, denn auch 2013 in Esbjerg sowie 2015 bei Bröndby wurde er als dessen Ersatz verpflichtet. Wenn es stimmt, dass Hradecky jetzt nach Leverkusen wechselt, dann muss man sich dort den Kopf nicht mehr zerbrechen darüber, wer in zwei oder drei Jahren nächster Bayer-Torwart wird.

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Wenn man Hradecky glauben darf, dann gibt es in diesem Sommer eine größere Torwart-Rotation. "Es muss erst Bewegung hineinkommen, wie bei Dominosteinen", hatte er vor einigen Tagen gesagt, als sein Fortgang aus Frankfurt zwar schon ersichtlich, aber noch nicht offiziell war. Zu jener Zeit war Hradecky nicht gerade glücklich mit seinen Leistungen. Beim 1:2 in Bremen und beim 1:1 gegen Hoffenheim machte er nicht den sichersten Eindruck, und beim 1:4 in Leverkusen musste er, wenn auch schuldlos, gleich vier Mal den Ball aus dem Netz holen. Die Fans stöhnten. Mit einem Trainer, dessen Abgang feststeht, und einem Torwart mit dem gleichen Manko fürchtete man sowohl den Europapokal-Platz in der Bundesliga als auch das Pokalfinale zu verspielen. Doch weit gefehlt. Wenn Hradecky gut drauf ist, dann ist er einer der lustigsten Spieler der Liga, und am Mittwoch sagte er über seine plötzliche Wiedergeburt als einer der besten Torhüter im deutschen Fußball gut gelaunt: "Der alte Lukas war nicht weg, ein bisschen Urlaub hat er vielleicht gemacht."

Hradecky freut sich auf das Finale

Auch Borussia Dortmund galt als Interessent für Hradecky, der ablösefrei wechseln kann, weil sein Vertrag endet. Man fragt sich jetzt natürlich, wie umfangreich die Dominosteine in den kommenden Wochen fallen - und welche Klubs in das Spiel involviert sein könnten.

Lukas Hradecky hat mitten in dieser Phase der Veränderungen jedenfalls die Nerven behalten. Das Pokalfinale 2017, das Frankfurt 1:2 gegen Borussia Dortmund verlor, hatte er als eines der größten Spiele seines Lebens bezeichnet - nicht verwunderlich also, dass er auf Schalke noch einmal seine besten Reflexe zeigte, um dieses Erlebnis nun wiederholen zu können. Zweifel an seiner Zuverlässigkeit bis zum Saisonende lässt er keine zu. "Der Trainer hat gesagt, wir tun hier alles für den Verein, wir geben etwas zurück", sagte er und klang nicht so, als habe er sich zu dieser Geisteshaltung erst lange überreden lassen müssen.

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