Einbürgerung des Bayern-Profis Wo Ribérys Seele gestreichelt wird

Franck Ribéry vom FC Bayern überlegt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Auch weil das Verhältnis zu seiner Heimat Frankreich zerrüttet ist. Gute Nachricht für künftige Bundestrainer: Sein Sohn hat einen linken Fuß wie Arjen Robben.

Von Thomas Hummel

Wo auch immer die Fußball-WM 2030 stattfinden wird, ob im Juli oder im Dezember, der Sieger steht schon fest: Deutschland wird seinen x-ten Stern holen, die Leute dürfen wieder ein Fußball-Märchen feiern. Denn der Bundestrainer (der dann vermutlich Philipp Lahm oder Per Mertesacker heißt) hat einen Angreifer dabei, den die Welt noch nicht gesehen hat. Man stelle sich vor: einen Spieler noch nicht mal 20, der das Beste aus Franck Ribéry und Arjen Robben vereint.

Dieser Spieler trägt den Namen Saif al-Islam Ribéry. Über seinen heute dreijährigen Sohn sagt Franck Ribéry in einer Interview mit der Bild-Zeitung: "Ich trainiere schon mit ihm im Garten, Dribblings, Schüsse. Er hat einen phantastischen linken Fuß. Wie Arjen."

Dass der lustige Draufgänger Franck Ribéry auf den Fußballplätzen nichts für unmöglich hält, sehen die Zuschauer des FC Bayern seit fast sieben Jahren. Die Fans des Klubs lieben ihn dafür, niemand wird in der Münchner Arena so gefeiert wie der 31-jährige Franzose. Auch deshalb hat er in München eine neue Heimat gefunden, das erklärt er seit Jahren. Das Heimatgefühl trägt nun offenbar so weit, dass er überlegt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. "Warum nicht? Ich kann mir vorstellen, auch nach der Karriere in München zu bleiben", sagt Ribéry. Weil er ein gutes Gefühl in Deutschland habe. Und Saif "kann sogar mal für Deutschland spielen".

Der Wohlfühlfaktor im Süden Deutschlands ist freilich nur der halbe Teil dieser Geschichte. Der andere handelt von Frankreich, seinem Geburtsland, mit dem er sich offenbar unheilbar zerstritten hat. Als Ribéry Anfang des vergangenen Jahres unter den Top drei zur Weltfußballer-Wahl stand, reisten Berichterstatter nach München, um sich dem Phänomen Ribéry zu nähern. Die Grundfrage lautete: Wie kann es sein, dass dieser ungehobelte Bursche mit den schlechten Manieren in Deutschland so beliebt ist?

Vom gehänselten Rüpel zum König von Europa

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Für die meisten Franzosen ist Ribéry eine Persona non grata. Jemand, der das Ansehen der Nation beschmutzt hat, da kann er so toll Fußball spielen, wie er will. Das Jahr 2010 hatte zum Bruch des Landes mit einem seiner besten Kicker geführt. Die Affäre rund um das Escortgirl Zahia Dehar war und ist in Frankreich ein Skandal. Dass sich der reiche, verheiratete Fußballer eine Prostituierte einfliegen ließ, die noch dazu nach französischem Recht minderjährig war, haben ihm die Landsleute sehr übel genommen. Kurz darauf folgte bei der WM 2010 der Aufstand von Knysna, die Rebellion der Equipe tricolore gegen ihren Trainer Raymond Domenech. Vor den Kameras der Welt benahmen sich die Kicker wie ein Haufen rebellischer Internats-Jungs - einer der Anführer war: Ribéry. Sogar die Politik schaltete sich ein, die Geschichte wird als nationale Schande empfunden. In München hingegen kümmerten sich die Bayern-Verantwortlichen um ihn, schützten ihn gegen alle Angriffe von außen. Auch deshalb lehnte er damals eine Offerte von Real Madrid am Ende ab.

Zur WM 2014 schien sich das Verhältnis zwischen Spieler und Land zu befrieden. Auch ihm, dem überragenden Anführer, hatte die Nation zu verdanken, sich in den Playoffs gegen die Ukraine überhaupt qualifiziert zu haben. Doch kurz vor der Reise nach Brasilien kam die Nachricht: Franck Ribéry sei wegen Rückenschmerzen nicht einsatzbereit.

Es folgte ein Streit der Ärzte der französischen Nationalmannschaft mit dem Münchner Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Im Kern ging es darum, dass Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt seine Patienten gerne mit einer Spritzenkur aus extrahiertem Kälberblut behandelt. Die Franzosen hingegen wollten Ribéry offenbar mit Kortison behandeln gegen die Schmerzen, was Ribéry ablehnte. Da der Konflikt nicht zu lösen war, strich ihn Trainer Didier Deschamps aus dem Aufgebot. Während der WM glaubten viele Franzosen, dass ihre Mannschaft ohne Ribéry ohnehin stärker sei, weil dann andere Spieler besser zur Geltung kämen.