Doping Armstrong verliert alle Tour-Siege

Lance Armstrong muss alle sieben Tour-de-France-Titel abgeben. Wegen jahrelangen systematischen Dopings streicht der Radsport-Weltverband UCI alle Ergebnisse des Amerikaners seit 1998 und sperrt ihn lebenslang. Ende der Woche entscheidet sich, ob die Tour-Zweitplatzierten jetzt nachträglich zu Siegern erklärt werden.

Radprofi Lance Armstrong verliert seine sieben Tour-de-France-Siege. Wie erwartet strich der Radsport-Weltverband UCI sämtliche Ergebnisse des 41 Jahre alten Amerikaners seit dem 1. Januar 1998, darunter die Erfolge bei den Frankreich-Rundfahrten von 1999 bis 2005. Zudem sperrte die UCI den Texaner lebenslang, wie Verbandspräsident Pat McQuaid in Genf bekanntgab.

Damit übernimmt der Verband die bereits von der US-Anti-Doping-Agentur Usada ausgesprochenen Sanktionen. "Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport. So etwas darf nie wieder passieren", sagte McQuaid. Der Radsport befinde sich in der "größten Krise, der er sich jemals entgegenstellen musste".

Anfang Oktober hatte die Usada mehr als 1000 Seiten Anschuldigungen gegen Armstrong veröffentlicht. Mehr als zwei Dutzend Zeugen wurden befragt, darunter zahlreiche Fahrer. Auch Ex-Teamkollegen von Armstrong sagten aus. Die Usada spricht vom "ausgeklügelsten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm, das der Sport jemals gesehen hat".

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"Was ich im Usada-Bericht gelesen habe, macht mich krank", sagte UCI-Chef McQuaid. Über weitere konkrete Sanktionen wie die Rückgabe von Preisgeldern will der Verband am kommenden Freitag verhandeln. Dann soll auch entschieden werden, ob Armstrongs aberkannte Tour-de-France-Siege neu vergeben werden. Die Tour-Zweitplatzierten der Jahre 1999 bis 2005, darunter Jan Ullrich (2000, 2001, 2003) und Andreas Klöden (2004), könnten nachträglich zu Siegern erklärt werden.

Tour-Chef Christian Prudhomme hatte sich allerdings dafür ausgesprochen, die Armstrong-Erfolge nicht neu zu vergeben, da auch viele der damalige Rivalen in Doping-Skandale verstrickt waren.

Neben Armstrong als zentraler Figur des Doping-Systems in den Teams US Postal und Discovery Channel war auch der Weltverband UCI selbst in heftige Kritik geraten. In dem Usada-Bericht wurde etwa angedeutet, die UCI habe eine positive Dopingprobe Armstrongs verschleiert. Einen Rücktritt lehnte McQuaid aber ab: "Natürlich kann man in der Rückschau immer sagen, man hätte mehr tun können", sagte der UCI-Präsident. "Aber man kann nur so viel tun, wie das System, das in Kraft ist, zulässt. Es tut mir leid, dass wir nicht jeden verdammten Sünder erwischen konnten."

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) begrüßte die Entscheidung der UCI. "Entscheidend ist, dass ein 'verseuchtes Jahrzehnt' aufgearbeitet und endlich abgeschlossen wird", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping.

Armstrong war wegen der massiven Anschuldigungen zuletzt bereits von seinen wichtigsten Sponsoren - darunter Nike - fallengelassen worden. Außerdem trat der Radprofi als Vorsitzender seiner Krebsstiftung Livestrong zurück.

Armstrong war im August mit einer Klage gegen das Vorgehen der Usada gescheitert, ein Gericht in Austin hatte die Ermittlungen für rechtens erklärt. Daraufhin kündigte der Radprofi an, seinen Widerstand gegen die Anschuldigungen aufzugeben.