Doping im Fußball Mehmet Scholl hat nicht verstanden, worum es geht

Mehmet Scholl bei einer Sendung der ARD.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Für Mehmet Scholl als ARD-Experten wäre es die Aufgabe, über Doping im Fußball zu sprechen. Es drängt sich aber nun mehrfach der Eindruck auf, dass er sich mit dem Thema nicht befassen will.

Kommentar von Martin Schneider

Hajo Seppelt hat Mehmet Scholl ein Angebot gemacht und eigentlich müsste der das nun auch annehmen. "Falls Herr Scholl gern mal ausführlich über Doping im Fußball reden will - sehr gern. Sendung wäre bestimmt erhellend. Herr Scholl, wie wär's?", fragte ARD-Journalist Seppelt den ARD-Experten Scholl auf Twitter. Seppelt, mehrfach ausgezeichneter Rechercheur in Sachen Doping, und Scholl, mehrfach ausgezeichneter Fußballer, arbeiten ja beide für den selben Senderverbund. Insofern sollte es ja eigentlich logistisch möglich sein, eine entsprechende Sendung zu machen. Also, wie wär's?

Der Grund für Seppelts Angebot: Scholl hatte während des Confederations Cup 2017 einen Auftritt verweigert. Vor dem Halbfinalspiel Portugal gegen Chile wollte die Redaktion über die Dopingvorwürfe gegen Russlands Nationalteam reden. Scholl wollte nicht.

Natürlich hat das Thema eine Relevanz

Nun hat Scholl sich selbst dazu geäußert und hätte besser geschwiegen. In der Sendung "Mehmets Schollplatten", die jeden Monat einmal im Bayerischen Rundfunk läuft, meinte er, Doping sei das "Schlimmste", mache den Sportler und den Sport kaputt und müsse "ganz, ganz hart bestraft werden". Dann kam das Aber: "Aber an diesem Tag hatte das Thema nichts in der Sendung verloren." Es habe keine Relevanz gehabt. Die Redaktion habe ihm dann gesagt: Das Thema habe sehr wohl Relevanz, er dürfe sich nicht in die Sendung einmischen. Er sei dann gegangen, sagt Scholl.

Scholl: Doping hatte "nichts in der Sendung verloren"

Beim Confed Cup hatte Mehmet Scholl das Studio verlassen. Nun erläutert der Fußball-Experte die Gründe dafür. mehr ...

Dass er das freimütig erzählt, zeigt, dass er immer noch nicht verstanden hat, worum es hier eigentlich geht. Mal davon abgesehen, dass das Thema Doping natürlich eine Relevanz hat, wenn bei einem Turnier in Russland der russischen Nationalmannschaft Doping vorgeworfen wird. Wenn Scholl dann als Experte zum Beispiel der Meinung sein sollte, dass die Vorwürfe des Ermittlers Richard McLaren, (dessen Berichte unter anderem zum Ausschluss russischer Leichtathleten bei Olympia führten) schwach sind oder sogar ungerechtfertigt, dann sollte er tun, was sein Beruf ist: Recherchieren und argumentieren. Auf beides hatte er offenbar keine Lust.

Wobei: Scholl hat sich mal zum Thema Doping geäußert, das war auch nicht besser. 2015 gab es neue Erkenntnisse zum deutschen Arzt Armin Klümper, er soll die Fußballklubs VfB Stuttgart und SC Freiburg in den späten 70er und 80er Jahren mit Anabolika versorgt haben. Moderator Reinhold Beckmann fragte anlässlich des neuen Gutachtens Scholl nach einem DFB-Pokal-Spiel nach seiner Einschätzung. Der sagte: Der Sport sei zu komplex. "Im Fußball macht's nicht wirklich Sinn", meinte Scholl und die damals in der Sendung zu Wort kommenden Jürgen Klopp und Robin Dutt sagten Ähnliches.