Doping bei Olympia "Warum sollte Curling weniger verseucht sein?"

Ernüchternd fällt Sörgels Schätzung darüber aus, wie viele Sportler in den zwei Olympia-Wochen erwischt werden: "Weniger als 15", sagt er. Ähnlich wie 2012 in London. "Sind die Tests womöglich vergebene Liebesmüh?" Diese Frage stellt Simon in den Raum.

Sörgel und Simon fordern deswegen, neue Wege im Anti-Doping-Kampf zu gehen, da die Tests offensichtlich wenig bringen. Simon plädiert dafür, die Geldmittel anders zu verteilen und lieber die Analytik zu stärken, um neue Nachweis-Methoden zu entwickeln. "350 Millionen Euro werden für Tests ausgegeben, nur sechs Millionen für die unabhängige Forschung", sagt er. "Das ist ein Witz."

Zudem müsse die Präventionsarbeit intensiviert werden, um den Sportlern klarzumachen, dass Doping nicht normal ist, sondern dem Leistungsgedanken entgegensteht. Simon sagt: "Wenn die Hälfte der Athleten nicht ansprechbar für Doping wäre, hätten Naturtalente wieder eine Chance." Trainer und Mediziner trauten sich dann nicht mehr, Sportler anzusprechen. Athleten hörten weniger von dopenden Kollegen. Revolution von unten.

Sörgel fordert, dass beim Kampf gegen Doping Methoden der Kriminalistik angewendet werden müssten. "In London wurden Putzfrauen beauftragt, in den Hotelzimmern nach Spritzen zu suchen", sagt Sörgel. "Doch die liegen längst nicht mehr einfach im Papierkorb." Stattdessen müssten seiner Meinung nach Sicherheitskräfte in Sotschi beauftragt werden, die Sportler zu beobachten: Mit wem treffen sie sich? Mit wem tauschen sie sich aus?

Kritik üben die Anti-Doping-Kämpfer auch an der Verteilung der Tests. So führte der Welt-Skiverband (FIS) in der vergangenen Saison die meisten Tests im Langlaufen durch. 395 Urintests wurden hier nach eigenen Angaben gemacht, im Skispringen dagegen nur 99, im Freestyle 105.

Blauer Himmel, reichlich Schnee

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Doch wird in Ausdauersportarten wirklich mehr gedopt? Ist es also keine Überraschung, dass nun ausgerechnet drei Biathleten erwischt wurden? Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, sagt Simon und fragt. "Warum sollte Curling weniger verseucht sein als Biathlon? Was macht der 35- bis 55-jährige Athlet, der ständig auf die Knie fällt? Wie hält er das aus? Wie präpariert er sich dafür?"

Es klingt so, als könnten bei den Olympischen Spielen viele etwas zu verbergen haben. Die Frage ist allerdings, ob es jemals an die Öffentlichkeit gelangt.