DFB-Elf Löw wirft Kruse aus dem DFB-Kader

Max Kruse beim DFB. Wie lange wird der Wolfsburger noch so zu sehen sein?

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der DFB braucht jeden fähigen Stürmer - ausgerechnet jetzt fliegt Max Kruse raus.
  • Bundestrainer Joachim Löw moniert den Lebenswandel des Wolfsburgers.

Bundestrainer Joachim Löw hat Max Kruse vom VfL Wolfsburg aus dem Kader der Nationalmannschaft gestrichen. Ausschlaggebend hierfür waren verschiedene Vorfälle, in denen der 28 Jahre alte Kruse nach Einschätzung des Bundestrainers seiner Vorbildrolle als Nationalspieler nicht nachgekommen sei und sich unprofessionell verhalten habe.

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Joachim Löw sagt in einer Mitteilung des DFB: "Schon vergangene Woche habe ich Max Kruse klar gesagt, was ich von ihm erwarte, sowohl auf als auch neben dem Platz. Ich möchte Spieler, die sich auf den Fußball und die EM konzentrieren, auch zwischen den Spielen." Entscheidend war offenbar ein neuerlicher Ausflug des Wolfsburgers im Berliner Nachtleben.

Der 14-malige Nationalstürmer Kruse hatte seinen 28. Geburtstag am Samstagabend in einem Club gefeiert. Wie Kruse in der Bild-Zeitung (Montag) erklärte, sei er auf der Feier mehrfach ungefragt fotografiert worden. Danach habe er einer Frau, die sich als Journalistin entpuppte, das Handy weggenommen und die Fotos gelöscht, so die Zeitung. "Natürlich war ich irgendwann genervt und habe dann vielleicht unpassend reagiert", wurde Kruse zitiert.

Warum es um Kruse rumorte

Schon ein Vorfall zuvor, als Kruse laut Bild an einem frühen Morgen angeblich in einem Berliner Taxi eine hohe Bargeldsumme verloren hatte, war bei Löw schlecht angekommen. "Natürlich sehe ich das kritisch, ganz klar, da haben wir eine andere Erwartungshaltung", sagte der Bundestrainer im Kicker. Löw hat in seiner nun mehr als neunjährigen Zeit als deutscher Chefcoach dem Teamgedanken und dem sozialen Verhalten immer einen hohen Stellenwert eingeräumt. Am deutlichsten hatte das im Oktober 2008 Kevin Kuranyi zu spüren bekommen.

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Als der beim WM-Qualifikationsspiel in Dortmund gegen Russland nur auf der Tribüne saß und zur Halbzeit ungenehmigt nach Hause fuhr, war Kuranyis DFB-Karriere beendet. Vor der WM 2014 rüffelte der Bundestrainer Kevin Großkreutz, nachdem sich der Dortmunder auf der DFB-Pokal-Feier des BVB daneben benommen hatte. Auf einen Ausschluss hatte Löw nach der "Dönerwurf" -und der "Pinkelaffäre" zwar verzichtet, nach dem WM-Titel in Brasilien aber spielte Großkreutz keine Rolle mehr.

Ähnlich könnte es jetzt auch Kruse ergehen, für den Löw deutliche Worte findet: "Der Vorfall am zurückliegenden Wochenende widerspricht meinen Erwartungen. Max hat sich zum wiederholten Male unprofessionell verhalten. Das akzeptiere ich nicht", so der Bundestrainer. "Die Europameisterschaft im Sommer wirft ihre Schatten voraus, dort haben wir mit der Nationalmannschaft große Ziele. Wir brauchen Spieler, die fokussiert und konzentriert und sich auch ihrer Vorbildrolle bewusst sind."

Bierhoff: "Ständig in Kontakt mit dem VfL Wolfsburg"

Die Suspendierung betrifft zunächst die beiden bevorstehenden Länderspiele am Samstag, 26. März, in Berlin gegen England und am Dienstag, 29. März, in München gegen Italien. Manager Oliver Bierhoff ergänzt: "Wir waren auch ständig in Kontakt mit dem VfL Wolfsburg und haben uns eng mit Klaus Allofs und Dieter Hecking abgestimmt."

Das nunmehr aus 26 Spielern bestehende Aufgebot der Nationalmannschaft trifft sich am Dienstag in Berlin.