Deutsche Skispringer im Weltcup Erster Teamsieg nach 1027 Tagen

In Kuusamo gewinnen Deutschlands Skispringer nach langer Zeit wieder einen Teamwettbewerb, Ski-Rennläufer Tobias Stechert verletzt sich schwer am Knie, Maria Höfl-Riesch wird in Lake Louise Dritte, Arjen Robben muss das Spiel gegen den BVB aussetzen, auch Dortmund fehlt ein wichtiger Mann. Schwere Anschuldigungen im italienischen Wettskandal.

Sportnachrichten in Kürze

Severin Freund und seine Kollegen segelten in Finnland zum Sieg im Teamwettbewerb. 

(Foto: Getty Images)

Skispringen, Weltcup: Die deutschen Skispringer haben nach 1027 Tagen wieder einen Mannschaftswettbewerb im Weltcup gewonnen. Im finnischen Kuusamo erreichten Senkrechtstarter Andreas Wellinger (Ruhpolding), Routinier Michael Neumayer (Berchtesgaden), Richard Freitag (Aue) und Severin Freund (Rastbüchl) nach zwei Durchgängen 1104,1 Punkte und verwiesen die Mannschaften aus Österreich (1098,8) und Slowenien (1064,4) auf die weiteren Podestplätze. Nach dem ersten Durchgang hatte das DSV-Quartett noch auf dem zweiten Rang gelegen, ein Patzer der zur Halbzeit führenden Slowenen und ein Glanzsprung von Wellinger über 143 Meter brachten das Team von Bundestrainer Werner Schuster aber mit einem komfortablen Vorsprung den Sieg. Der Schlussspurt von Olympiasieger Österreich kam zu spät. Zuletzt hatte ein deutsches Team am 7. Februar 2010 beim Heimspringen in Willingen triumphiert. Der 33-jährige Neumayer war in Kuusamo einzig verbliebener Springer der damaligen Erfolgsmannschaft.

Ski alpin, Frauen: Maria Höfl-Riesch ist bei einer weiteren Abfahrts-Demonstration von "Speed Queen" Lindsey Vonn zum zweiten Mal in diesem Winter aufs Stockerl gefahren. Die Doppel-Olympiasiegerin aus Partenkirchen belegte beim überlegenen Triumph ihrer Freundin Vonn bei der ersten Saison-Abfahrt in Lake Louise/Kanada nach einer couragierten Fahrt durch den Nebel Platz drei. Auf Rang zwei, den Stacey Cook (USA) holte, hatte Höfl-Riesch nur eine Hundertstelsekunde Rückstand. Vonn (USA) fuhr 1,74 Sekunden schneller - und damit mal wieder in einer anderen Welt. "Im Training waren die Bedingungen besser, aber ich denke, es war ein faires Rennen. Am Ende hat die Beste gewonnen, und das nicht zu knapp", sagte Höfl-Riesch. Mit ihrer Platzierung sei sie "zufrieden, aber mein Ziel ist es immer, an die Lindsey heranzukommen oder sie zu schlagen. Es wird der Tag kommen..." Viktoria Rebensburg (Kreuth/2,42 Sekunden zurück) kam nicht unter die besten Zehn. Das Rennen musste wegen Nebels und Schneefalls für insgesamt rund eine Stunde unterbrochen werden.

Ski alpin, Männer: Super-G-Weltmeister Christof Innerhofer hat die Weltcup-Abfahrt von Beaver Creek/Colorado gewonnen, für den deutschen Hoffnungsträger Tobias Stechert endete das Rennen im Rettungsschlitten. Während der Südtiroler Innerhofer auf der "Raubvogel-Piste" zum vierten Mal im Weltcup triumphierte, erlebte Stechert mit seinem wohl dritten Kreuzbandriss eine sportliche Tragödie. Der 27-Jährige, in der Vorwoche Fünfter in Lake Louise, verletzte sich im linken Knie, als er einen kleineren Fahrfehler zu korrigieren versuchte. Im selben Gelenk hatte sich Stechert bereits 2009 das Kreuzband gerissen, 2004 riss er sich das im rechten Knie. Stechert hielt sich auf den Beinen, fuhr an den Rand der Strecke - und griff sich ans linke Knie. Mit dem Rettungsschlitten musste Stechert zu Tal gebracht werden. Zuvor hatte er sich die Skier abgeschnallt, seine Handschuhe warf er verärgert in den Schnee. Um den Fortgang des Rennens zu ermöglichen, rutschte Stechert unter einem Sicherheitszaun durch, wartete neben der Piste auf den Ackja, mit dem er sicher in den Zielraum gebracht werden konnte.

Dort gab es die erste, niederschmetternde Diagnose. Der WM-Dritte Innerhofer jubelte derweil über seinen Vorsprung von 0,23 Sekunden auf den Norweger Aksel Lund Svindal. "Es ist ein Wahnsinn! In den letzten Monaten hatte ich so große Probleme", sagte Innerhofer über seinen überraschenden Erfolg. Platz drei ging an den Norweger Kjetil Jansrud (0,50 Sekunden zurück). Stephan Keppler aus Ebingen (2,09) kam mit Startnummer 28 bei stärker werdendem Wind im oberen Abschnitt nicht unter die Top 20.

Bundesliga, FC Bayern: Bayern München muss am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) im Gipfeltreffen gegen Borussia Dortmund auf Arjen Robben verzichten. "Arjen war optimistisch, das ist legitim, dass jeder spielen möchte. Aber er muss sich erst richtig fit machen", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes am Freitag. Wann der 28 Jahre alte Niederländer, der auf einen Einsatz gegen den BVB gehofft hatte, nach seinem Muskelfaserriss wieder zur Verfügung steht, könne er "nicht genau terminieren". Dafür kehrt gegen den Titelverteidiger Bastian Schweinsteiger wieder in die Startelf des Rekordmeisters zurück. Der Nationalspieler war beim 2:0 gegen den SC Freiburg nicht berücksichtigt worden. Heynckes wollte keine Gelbsperre riskieren, da Schweinsteiger derzeit mit vier Karten belastet ist. Auch Torjäger Mario Gomez steht gegen Dortmund nach seinem Startelf-Comeback in Freiburg wieder im Kader.

Borussia Dortmund muss dagegen ohne Sebastian Kehl auskommen. Wie der Klub am Freitag mitteilte, verzichtete der Kapitän wegen einer Kapselentzündung im Knie auf die Reise nach München. Damit drohen dem BVB Personalprobleme im defensiven Mittelfeld, weil auch der Einsatz von Nationalspieler Ilkay Gündogan gefährdet ist. Kehl hatte aufgrund ähnlicher Beschwerden wochenlang pausiert, war aber beim 1:1 am vorigen Dienstag gegen Fortuna Düsseldorf in das Team zurückgekehrt.

Eishockey, DEL: Die Mannheimer Adler haben zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen verloren, ihren Vorsprung an der Tabellenspitze aber dennoch ausgebaut. Der Vizemeister unterlag bei den Krefeld Pinguinen 2:3 (2:2, 0:0, 0:0, 0:1) nach Verlängerung, profitierte aber von der gleichzeitigen 1:4 (0:0, 0:2, 1:2)-Pleite des Verfolgers Kölner Haie beim EHC München. Nach der Niederlage beim Klub des Bundestrainers Pat Cortina liegt das Team von dessen Vorvorgänger Uwe Krupp drei Punkte hinter dem Spitzenreiter zurück. Auch Titelverteidiger Eisbären Berlin patzte. Nach dem 2:4 (0:0, 2:1, 0:3) beim ERC Ingolstadt mussten die Berliner Platz drei an die Hamburg Freezers abgeben. Die Hanseaten fertigten die Iserlohn Roosters mit 5:0 (1:0, 3:0, 1:0) ab. Auf Play-off-Kurs steuern weiter die Augsburger Panther, die sich im bayerischen Derby bei den Straubing Tigers mit 3:1 (1:0, 0:0, 2:1) durchsetzten und am Rivalen vorbeizogen. Schlusslicht bleibt der EHC Wolfsburg nach der 2:4 (0:1, 1:1, 1:2)-Niederlage im Niedersachsen-Derby bei den Hannover Scorpions. Der Vorletzte Düsseldorfer EG erkämpfte beim 3:4 (2:2, 0:1, 1:0, 0:1) nach Verlängerung bei den Nürnberg Ice Tigers immerhin einen Punkt.

Fußball, Wettskandal: Der im italienischen Wettskandal verhaftete serbische Fußballer Almir Gegic hat mit seinen Aussagen bei der Staatsanwaltschaft Cremona für großen Wirbel gesorgt. "Seit 20 Jahren werden in Italien Spiele manipuliert. Wir haben einen fruchtbaren Boden gefunden. Wir zwangen nicht die Spieler, etwas gegen ihren Willen zu tun. Sie stellten sich gern zur Verfügung", sagte Gegic laut der Sportzeitung Corriere dello Sport. Es sollen auch Spiele der Erstligisten Lazio Rom, dem Klub des deutschen Nationalspielers Miroslav Klose, sowie des FC Genua, US Lecce, FC Palermo und AS Bari manipuliert worden sein. Gegic war am vergangenen Montag auf dem Mailänder Flughafen Malpensa festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der ehemalige Mittelfeldspieler vom Schweizer Klub FC Chiasso und des italienischen Vereins AC Vicenza berichtete, dass er selber nie persönlich Spiele manipuliert oder jemanden bedroht habe.

Im Rahmen eines mehrstündigen Verhörs versicherte der 33-Jährige, dass nicht nur sein osteuropäischer Ring in Italien aktiv war. Gegic gab zu, Informationen über manipulierte Spiele gekauft und darauf gewettet zu haben. In Mailand seien ihm auch einmal Informationen über manipulierte Erstligaspiele süditalienischer Klubs wie SSC Neapel, Palermo, Catania Calcio und Lecce zum Preis von 600.000 Euro angeboten worden. Gegic bestritt jedoch, zu den führenden Köpfen einer Wettbetrügerbande zu gehören.

Formel 1: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist nach dem Hickhack um den dritten WM-Titel von Sebastian Vettel sauer auf Ferrari. Der Aufruhr wegen des umstrittenen Überholmanövers des Red-Bull-Piloten im letzten Rennen des Jahres in Sao Paulo überschatte die Saison. "Es ist eine Schande", sagte der 82 Jahre alte Brite dem Telegraph, "es war ein super Rennen, eine super Weltmeisterschaft. Jetzt sprechen alle nur noch über dieses Thema." Ecclestone kündigte zudem an, mit Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo über das Thema sprechen zu wollen. Es sei einfach ein Witz, dass Ferrari Vettel unterstellt habe, dieser habe in Brasilien unter gelber Flagge und damit illegal überholt.

Am Donnerstag war der Heppenheimer vom Automobil-Weltverband FIA von diesem Vorwurf freigesprochen worden. "Vettel hat nichts falsch gemacht. Eine weitere Untersuchung oder Proteste wird es nicht geben", hieß es. Eine Missachtung der gelben Flagge wird im Normalfall mit einer 20-Sekunden-Strafe geahndet. Hätte Vettel diese nach Rennende erhalten, wäre er im Klassement von Sao Paulo auf den achten Rang zurückgefallen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass sein spanischer Ferrari-Rivale Fernando Alonso im Gesamtklassement vorbeigezogen und damit Weltmeister geworden wäre.

Basketball-Euroleague: Die Brose Baskets Bamberg haben in der Basketball-Euroleague ihre dritte Niederlage in Serie kassiert. Die Mannschaft von Coach Chris Fleming unterlag dem russischen Spitzenteam ZSKA Moskau zu Hause in einem umkämpften Duell mit 89:97 (39:50). Nach schwachem Beginn kam der deutsche Meister in der Halbzeit zwischenzeitlich noch einmal bis auf einen Punkt heran, konnte das Spiel aber nicht mehr drehen. Bester Werfer war der US-Amerikaner Dionte Christmas aufseiten der Russen mit 21 Punkten. Bamberg hat immer noch die Chance, in die Runde der letzten 16 einzuziehen, muss nun aber in den letzen beiden Gruppenspielen punkten. Zuletzt hatten die Brose Baskets in der Gruppe D gegen Besiktas Istanbul und den FC Barcelona verloren. In der Euroleague kommen in vier Sechser-Gruppen jeweils die besten vier Teams in die Zwischenrunde. Die Oberfranken haben sechs von acht Spielen verloren.

Der achtmalige Meister Alba Berlin steht in der Basketball-Euroleague kurz vor dem größten Erfolg einer deutschen Mannschaft seit drei Jahren. Die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic besiegte am achten Spieltag der Gruppe B den polnischen Meister Asseco Prokom Gdynia mit 67:64 (36:28) und hat ausgezeichnete Aussichten auf das Erreichen der Top-16-Runde. Angeführt von Topscorer Dashaun Wood (14) und Zach Morley (13) zogen die Gastgeber vor 8220 Zuschauern im dritten Viertel bis auf zwölf Punkte davon. Dank eines starken Schlussviertels kamen die Gäste 15 Sekunden vor Ende zwar bis auf einen Punkt heran, doch die Berliner gaben die Führung nicht mehr aus der Hand. Zwei Spieltage vor Ende der Gruppenphase liegt Alba mit einer ausgeglichenen Bilanz auf Rang vier.