Deutsche Handballer besiegen Argentinien Lang gezittert und doch gewonnen

Nicht immer souverän: Adrian Pfahl und seine Kollegen hatten Probleme gegen starke Argentinier. 

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Ein umkämpftes Spiel endet mit einem wichtigen 31:27-Erfolg für die DHB-Männer: Gegen Argentinien quält sich die Auswahl von Trainer Heuberger zum zweiten Sieg bei der Handball-WM. Entscheidenden Anteil hat zum Schluss vor allem Ersatzkeeper Carsten Lichtlein, der einige schwierige Bälle entschärft.

Der Jubel im deutschen Handball-Lager fiel am Ende ziemlich deutlich aus, denn lockerleicht war dieser hart erkämpfte Erfolg dann keineswegs. Mit dem dringend benötigten Pflichtsieg hat sich die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bei der WM in Spanien beste Chancen auf das Achtelfinale geschaffen. Zwei Tage nach der ärgerlichen 23:25-Niederlage gegen Tunesien zitterte sich der EM-Siebte am Dienstag in Granollers zum 31:27 (17:13) gegen Argentinien und feierte den zweiten Sieg in der Vorrundengruppe A.

"Wir haben heute über 60 Minuten einen tollen Fight geliefert. Ich war sehr zufrieden mit der Abwehr, auch unser Tempospiel hat gut funktioniert," sagte ein erleichterter Bundestrainer Martin Heuberger. Besonderes Lob verdiente sich bei den Deutschen Ersatzkeeper Carsten Lichtlein, der gegen Ende sehr überzeugend hielt. "Ich habe heute meine Einsatzzeit ganz gut genutzt. Wenn man die Bälle hält, ist man wirklich im Turnier drin. Ich bin ich da, wenn mich der Bundestrainer braucht," erklärte die eigentliche deutsche Nummer zwei bescheiden.

Vor rund 4200 Zuschauern präsentierte sich das Team zwar mit starkem Willen und trat couragiert auf, bekam am Ende beim 28:26 (57.) aber noch einmal arge Probleme. Beste Torschütze waren Patrick Wiencek und Adrian Pfahl (je 5). Mit einem weiteren Sieg an diesem Mittwoch (18.30 Uhr/ZDF) gegen Montenegro kann sich die deutsche Mannschaft den angestrebten Platz im Achtelfinale bereits vorzeitig sichern. Letzter Vorrundengegner ist dann am Freitag in Barcelona Titelverteidiger Frankreich.

Als Grundübel der bisherigen Auftritte und insbesondere bei der Niederlage gegen Tunesien hatte der Bundestrainer die schwache Chancenverwertung ausgemacht. Zu zaghaft würden die Spieler beim Torwurf agieren. "Da müssen wir konsequenter werden", forderte er. Angesichts von nur 58 Prozent Trefferquote in den ersten beiden Partien verhängte er für das Spiel gegen Argentinien kurzerhand ein Trickwurf-Verbot. "Wenn der Dreher ein Tor ist, ist das die einzige Entschuldigung", stellte er klar und fügte an: "Wir müssen mehr Durchschlagskraft aus dem Rückraum entwickeln." Den Spielern war der Schwachpunkt Wurfausbeute bewusst.

"Die war wieder nicht optimal", bestätigte Spielmacher Michael Haaß. Mit dem offensichtlichen Willen, den Mangel abzustellen, ging das deutsche Team in die Partie gegen den Panamerika-Meister. Wie gefordert hielten sich alle an das Dreher-Verbot selbst von den Außenpositionen. Als Dominik Klein in der 11. Minute gleich zwei Konter hintereinander ins argentinische Tor wuchtete, führte die DHB-Auswahl durch eine fast makellose Wurfausbeute mit 7:5 und erstmals mit zwei Treffern.

Patrick Groetzki traute sich in der 23. Minuten als erster einen Trickwurf und traf mit einem Heber zum 13:10. Anschließend ließ sich Argentiniens deutschstämmiger Torhüter Schulz auswechseln, weil er bis auf einen Siebenmeter von Sven-Sören Christophersen keinen Ball gehalten hatte. Das DHB-Team steigerte sich vornehmlich in der Abwehr und ging mit 17:13 in die Pause. Bis dahin waren 70 Prozent aller Würfe im argentinischen Tor gelandet.

"13 Gegentore, wir wollen nicht mehr als 25 kriegen. Es sind ein paar Bälle dabei, die kommen sehr unglücklich in die Torwartecke. Das müssen wir besser machen", sagte Abwehrchef Oliver Roggisch zur Pause und sorgte nach Wiederanpfiff für das 18:13 (31.). Anschließend versuchten die Südamerikaner mit einer offensiven Abwehr, das deutsche Spiel aus dem Rhythmus zu bringen. Doch das DHB-Team ließ sich den Erfolg nicht mehr aus der Hand nehmen.