Deutsche Handballer bei der WM Zurück auf das Radar gespielt

Gut gespielt: Die deutschen Handballer - hier trifft Dominik Klein - bei der Niederlage gegen Spanien.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Da wächst etwas zusammen: Zwar haben die deutschen Handballer das WM-Viertelfinale gegen Spanien verloren, doch die Leistung der Spieler hat beeindruckt. Aus einem Scherbenhaufen hat sich innerhalb von wenigen Wochen eine funktionierende Mannschaft entwickelt. Der Handball ist mehr Teamsport denn je zuvor.

Ein Kommentar von Carsten Eberts

Knapp hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft ihr WM-Viertelfinale gegen Spanien verloren; am Ende haben ein paar Minuten Kaltschnäuzigkeit gefehlt. Zuvor wurde das Team überraschend Gruppensieger, bezwang die Franzosen, stellte im Viertelfinale auch die Spanier, die von tausenden Landsleuten nach vorne gebrüllt wurden, vor schwere Aufgaben. Wer all dies vor der Weltmeisterschaft ernsthaft prognostiziert hätte, hätte sich wohl eine vorsichtige Frage nach der eigenen Zurechnungsfähigkeit anhören dürfen.

Die Enttäuschung über das Aus dürfte bald einer anderen Gewissheit weichen: Die besten Handballer des Landes haben sich auf das Radar zurückgespielt. Nicht in die Weltspitze, jedoch zumindest in den erweiterten Kreis. Für den Anfang ist das nicht schlecht. Der Respekt der Konkurrenz wächst wieder, vor künftigen großen Turnieren muss deutschen Handballfans nicht mehr Bange sein. Es kann wieder Gutes dabei herauskommen.

Das deutsche Team hat einen kurzen, heftigen Winter hinter sich. Noch im November erlebte die Mannschaft in einem denkwürdigen Qualifikationsspiel gegen Montenegro eine ihrer dunkelsten Stunden. Ein bemitleidenswertes Bild gab die Mannschaft gegen den zweitklassigen Gegner ab. Bundestrainer Martin Heuberger hat seitdem oft gesagt, man dürfe nicht vergessen, wo das Team herkommt. So prägend war das Bild, das sich ihm bot.

Heuberger hat aus diesem Scherbenhaufen innerhalb weniger Wochen wieder ein funktionierendes Team geformt. Diese Leistung kann er sich ans Revers heften. Heuberger hat alte Strukturen aufgebrochen, vertraut jungen Spielern, die er schon lange kennt: Etwa jenen, mit denen er 2009 Junioren-Weltmeister wurde. Er scheute sich nicht, die jungen Kerle in ihr erstes großes Turnier zu werfen. Das Team präsentierte sich als verschworener Haufen, überzeugte in den meisten Spielen mit verblüffend erfrischendem Handball. Da wächst offenbar etwas zusammen.

Auch die vielfach geäußerte Befürchtung, die deutsche Auswahl sei im internationalen Handball weit abgehängt, war zu pessimistisch. Zwar befinden sich wenige Nationen aktuell auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft, trotzdem ist der Welthandball im vorsichtigen Wandel begriffen. Die besten Teams verstehen sich auf schnelles Spiel und rasante Verteidigung, weniger auf die Wucht einzelner Protagonisten, die ein Team im Alleingang auf eine andere Stufe heben. Eben so wie die Deutschen bei dieser WM agierten.

Kaum ein Team leistet sich noch einen echten Rückraum-Shooter, der außer einem harten Wurf aus der Ferne nicht viel zu bieten hat. Heuberger hatte nicht einen Spieler dieser Art in seinen Kader berufen.

Womöglich ist der Handball, der bei dieser Weltmeisterschaft von den Topteams gezeigt wird, mehr Teamsport denn je zuvor. Die Deutschen hecheln dieser Entwicklung nicht hinterher, sondern stecken mittendrin.