Debakel in der Champions League Weiße Bestie führt Schalke 04 vor

Ab auf die Knie: Die Schalker hatten weder Cristiano Ronaldo noch sonst wem aus Madrid was entgegenzusetzen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Real Madrid zeigt dem FC Schalke 04 brutal die internationalen Grenzen auf. Beim 6:1 im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals kombinieren Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Kollegen federleicht. Das schönste Tor des Abends aber schießt Klaas-Jan Huntelaar.

Wenn Real Madrid in Deutschland spielt, gehört es zum Ritual, vorher auf den "Fluch" hinzuweisen, die "Bestia Negra" und all diese Sachen. Real Madrid hatte bis Mittwoch in 25 Auftritten im Europapokal in Deutschland ein einziges Mal gewonnen, 2000, damals besiegten die Madrilenen Bayer Leverkusen 3:2. Ansonsten lief nicht viel, besonders schlimm war es immer gegen den FC Bayern, weshalb die Münchner in Spanien "Schwarze Bestie" genannt werden. Der FC Schalke hat in Spanien keinen Beinamen, das liegt zum einen daran, dass Real bis zu diesem Mittwochabend nie im Europokal gegen Schalke gespielt hatte, und zum anderen daran, dass es keine blauen Bestien gibt.

Sekunden vor dem Anpfiff des Hinspiels im Achtelfinale der Champions League war Cristiano Ronaldo zu sehen, er grinste. Real gewann danach 6:1 (2:0)

. Man kann nicht sagen, dass sich Schalke überhaupt nicht wehrte. Schalke versuchte den Hochbezahlten durchaus verständlich zu machen, dass blau eine gefährliche Farbe sein kann. Nach zwei Minuten traf Benedikt Höwedes zum ersten Mal auf seinen Gegenspieler, den Weltfußballer Ronaldo, Höwedes schubste Ronaldo, Ronaldo fiel, der Schiedsrichter pfiff.

Höwedes sah zufrieden aus. Zehn Minuten später fiel das 1:0. Gareth Bale, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo sind nicht nur unbegreiflich teure Fußballspieler, sondern auch beeindruckend gute, was eine Zahl verdeutlicht: Zusammen hatten die drei bis Mittwoch in dieser Saison 64 Pflichtspieltore erzielt. Nach etwas mehr als zwölf Minuten rannte Bale von rechts dribbelnd in Richtung Strafraum, blaue Gegenspieler behandelte er wie festgeschraubte Slalomstangen, er passte den Ball zu Ronaldo, der ihn per Hacke direkt zurückgeben wollte, doch weil der verdutzte Schalker Santana dem Ball im Weg stand, prallte er von Santana zu Benzema, der allein vor Schalkes Schlussmann Fährmann keine Mühe hatte.

Für Felipe Santana war das der Anfang eines Abends, mit dessen Verdrängung er noch eine Weile beschäftigt sein dürfte. Knapp acht Minuten später fiel das 0:2, die Protagonisten waren die gleichen. An der Seitenlinie nahe des eigenen Sechzehnmeterraumes verlor Santana etwas ungeschickt den Ball gegen Benzema, der passte sofort hinüber zu Bale, der rasch nach ähnlichem Slalomstangen-Prinzip verfuhr wie zuvor, wobei auch Santana als eine der Stangen fungieren durfte.

Danach schloss Bale trocken ab. Das 3:0 und das 4:0 für Real fielen in der zweiten Halbzeit, nach 52 Minuten ließ Ronaldo - nach Zuspiel von Bale - den armen Joel Matip mit mehreren Übersteigern unpässlich erscheinen, dann schoss er den Ball am erneut chancenlosen Fährmann vorbei ins Tor. Und nach 57 Minuten spielten sich Benzema und Ronaldo den Ball gegenseitig mit Spitze und Hacke zu, am Ende lief Benzema auf Fährmann zu und gleich danach aufs leere Tor. Schalkes Trainer Jens Keller wechselte kurz danach den offenbar angeschlagenen Kevin-Prince Boateng aus und den jungen Leon Goretzka ein, der damit zu seinem ersten Probetraining mit Real Madrid kam. Denn das war es nun mal jetzt: Ein Real-Training mit orangenen und blauen Leibchen.

In der 69. Minute traf Bale zum 0:5, Bale war dabei schneller als . . . Santana. Ein 5:0 steht auch dafür, dass eines der beiden Teams chancenlos war, aber man täte Schalke unrecht, würde man das für die gesamte Spielzeit feststellen. Anfangs war Schalke mehr als ein Sparringspartner, in der ersten Minute war ein Höwedes-Kopfball knapp neben das Tor der Gäste gesegelt. Und direkt nach Reals 1:0 hatte Julian Draxler die Gelegenheit zum Ausgleich. Eine abgefälschte Hereingabe von Farfán ließ Reals Innenverteidigung erstaunlich unachtsam zu Draxler durch. Er hatte noch drei Meter zur Torlinie, er war frei, er hätte ausgleichen können, müssen - aber er schoss dem durch die Luft fliegenden Pokal-Torhüter Reals, Iker Casillas, an den Körper. Es war die größte Torchance Schalkes in der gesamten Partie, mit Abstand.

In der 89. Minute lief Ronaldo allein auf Fährmann zu, 0:6.

"Klar ist das eine ziemliche Klatsche für uns", sagte Höwedes ehrlich nach dem Spiel, "aber wir wollten mutig nach vorne spielen." Was er damit gemeint hat, zeigte Huntelaar in der Nachspielzeit: Mit einem mutigen Volleyschuss hatte er den Ball in den Winkel zum 1:6 gehämmert. Wer sechs Gegentore kriegt, war nicht zwingend mutlos, sondern einfach nur klar unterlegen. "Auf diesem Niveau werden die Räume, die man lässt, und die Fehler, die man macht, eben bitterböse bestraft", stellte Schalke-Trainer Keller fest. Was wiederum nicht zwingend eine Blamage sein muss, schließlich gilt für Schalke, so Keller: "Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die noch sehr viel lernen muss." Und: Real Madrid ist nicht irgendwer, sondern "die zweitbeste Mannschaft der Welt, nach dem FC Bayern".

Das Rückspiel steigt am 18. März, aber das sei nicht mehr wichtig, sagte Julian Draxler, "wir brauchen nicht mehr vom Weiterkommen zu sprechen, wir haben in der Bundesliga wichtige Spiele vor uns". Das nächste Ligaspiel - bei dem wahrscheinlich der Verteidiger Kolasinac ausfällt, er wurde mit Verdacht auf Kieferbruch ausgewechselt - steht am Samstag an. Schalke ist zu Gast beim FC Bayern.

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