Champions League Roms Büffel überrennen Barcelona

Römischer Jubel: Daniele De Rossi, vorne, und Alessandro Florenzi.

(Foto: Alessandro Bianchi/Reuters)
  • Der AS Rom schafft eine kaum für möglich gehaltene Wende und wirft nach 1:4-Rückstand den großen FC Barcelona aus der Champions League.
  • Hinter dem Triumph steckte ein guter Plan, doch in Rom verloren trotzdem einige Spieler die Orientierung.
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Von Thomas Hummel

Wer in dieser Nacht nicht in Rom sein konnte, der ist wahrlich zu bedauern. Immerhin kam ausnahmsweise über den Kurznachrichtendienst Twitter eine realitätsnahe Einschätzung zur Situation am Ort des Geschehens. Als gegen 22.25 Uhr der Schiedsrichter am Dienstagabend diese denkwürdige Partie im Stadio Olimpico abpfiff, schickte der AS Rom eine unmissverständliche Nachricht in die Welt:

Wie die Buchstaben wirr und ausufernd übereinander herfielen, so erging es auch den Römern mit ihren Gefühlen. Die Menschen hier widerstehen dem weltweiten Mainstream und sprechen ihre eigene Sprache, leben ihr ganz eigenes Leben in dieser lässigen, chaotischen Stadt. Und wenn der AS Rom eine seiner inzwischen wenigen Sternstunden erlebt, dann lockt das die ganz großen Emotionen heraus. Das 3:0 gegen den hoch favorisierten FC Barcelona war so ein Moment. Nach dem 1:4 in Hinspiel hat der Klub doch noch das Halbfinale der Champions League erreicht. Letztmals war ihm das 1984 gelungen, da war Francesco Totti gerade sieben Jahre alt.

Ein abenteuerlicher, aber strukturierter Sturmlauf

Am Mittwoch saß der ewige Totti auf der Tribüne, und es ist ein böser Scherz der Geschichte, dass sein AS Rom in der ersten Saison nach dem Rücktritt diesen historischen Erfolg feiert. Der 41-jährige Totti arbeitet jetzt im Management des Klubs und sah eine Mannschaft, die ohne ihn wie eine junge Büffelherde auf den Gegner zurannte. Angeleitet von Eusebio Di Francesco, der bewies, dass er zu den besten Trainern des italienischen Calcio gehört.

Di Francesco schickte seine Elf in einen abenteuerlichen, aber doch strukturellen Sturmlauf. Teilweise attackierten seine Spieler die Gäste noch an deren Torauslinie, im Mittelfeld gingen die Römer in die Zweikämpfe, als gehe es hier schon um alles. Dabei wandelten sie oft an der Grenze zum Unerlaubten. Doch die feingliedrigen Ästheten aus Katalonien bezahlten fast jeden Ballkontakt mit einem schmerzhaften Zusammenstoß und waren davon derart beeindruckt, dass sie kaum mehr Fußballspielen konnten. 75 Prozent der Pässe kamen bei den Spaniern an, das ist vermutlich die schlechteste Quote in Barcelona seit der Erfindung des Farbfernsehens.

Dazu bot Di Franceso in Edin Dzeko und Patrik Schick zwei großgewachsene Stürmer auf. Wenn die Römer den Ball hatten, ging es stets hoch und weit nach vorne, vor allem der frühere Wolfsburger Dzeko holte da oben die Bälle aus der Luft mit der Autorität eines Kranführers. Bisweilen sah es so aus, als würde Rom im ersten Stock Fußballspielen, während die Gäste aus Barcelona im Erdgeschoss die Köpfe aus den Fenstern streckten, weil sie den Aufzug nicht fanden. Jeder hohe Ball nach vorne tat den Spaniern weh, und wenn sie doch zur Ecke klären konnten, dann jubelten die 56 000 Zuschauer in Erwartung des nächsten Flugballs in den Strafraum.

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Das erste Tor fiel nach einem tollen, weiten Pass von Daniele De Rossi auf Dzeko (6.). Das 2:0 folgte dem gleichen Schema, nur dass Dzeko von Barça-Verteidiger Gerard Piqué im letzten Moment gefoult wurde und De Rossi den Elfmeter verwandelte (57.). Das dritte und entscheidende Tor fiel dann wie zwangsläufig nach einer Ecke, per Kopf durch den Verteidiger Kostas Manolas. (83.). Es war die nächste Pointe an diesem Abend, hatten doch De Rossi und Manolas im Hinspiel je ein Eigentor geschossen und ihrer schon damals gut spielenden Mannschaft ein besseres Ergebnis verwehrt.