BVB-Geschäftsführer Watzke "Wir brauchen wieder die absolute Gier"

Robert Lewandowski (re.) und Marco Reus: Schwierige Hinrunde bei Dortmund

(Foto: dpa)

Platz vier in der Bundesliga ist aktuell noch akzeptabel: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht die Saisonziele in Dortmund nicht in Gefahr, fordert aber ein anderes Auftreten in der Rückrunde. Im SZ-Interview spricht er über Verletzungspech, die Verhandlungen mit Ilkay Gündogan und wie der Verein den Weggang von Robert Lewandowski kompensieren will.

Von Freddie Röckenhaus

Trotz der ernüchternden Bundesliga-Bilanz zum Hinrundenende sieht Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Saisonziele des Champions-League Finalisten in erreichbarer Nähe, mahnt aber an, dass die Mannschaft sich in der Rückrunde anders präsentieren müsse. "Als Zwischenstand ist der vierte Platz, auf dem wir stehen, noch akzeptabel. In der Endplatzierung können wir als Borussia Dortmund aber nicht mehr mit Platz vier zufrieden sein. Das ist nicht mehr unsere Zielsetzung", sagt Watzke im SZ-Interview. "Wir wollen uns direkt für die Champions League qualifizieren - idealerweise als Zweiter. Das ist keineswegs außer Reichweite. Ich erwarte natürlich, dass wir in der Rückrunde besser spielen."

Besonders die Niederlage am letzten Hinrundenspieltag gegen Hertha BSC habe er erst nach ein paar Tagen verarbeiten können. "Im letzten Spiel gegen Hertha ist die Mannschaft zusammen 128 Kilometer gerannt, wir waren aber nicht in der Lage, unseren 1:0-Vorsprung zu verteidigen. Das hat mir nicht gefallen. Da müssen wir aufpassen, dass keine Selbstzufriedenheit aufkommt", sagt Watzke, "wir brauchen wieder die absolute Gier, ein Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Und wir müssen uns darauf einstellen, dass Gegner physisch komplett dagegenhalten."

Allerdings habe man vor der großen Verletzungsmisere auch hohe Siege gegen Augsburg, Freiburg, Hamburg oder Stuttgart erzielen können, erinnerte Watzke, "da hat niemand spielerische Defizitie moniert". Er nimmt deshalb auch Trainer Jürgen Klopp in Schutz, dem zuletzt vorgeworfen wurde, seine Mannschaft habe Probleme gegen defensiv eingestellte Gegner: "Jürgen Klopp fehlten sechs oder sieben Stammspieler, ihm waren die Hände gebunden. Für spielerische Abläufe braucht es Automatismen, die nicht mehr so gut funktionieren, wenn man dauernd anders aufstellen muss."

In Bezug auf die Zukunftsplanung bei der Borussia äußerte sich Watzke außerdem zu den Vertragsverhandlungen mit Mittelfeldstratege Ilkay Gündogan. "Wir sind mit der Familie Gündogan, die ihn berät, in Gesprächen, und es ist ganz klar, dass wir Ilkay unbedingt halten wollen. Bisher gibt es keine Vereinbarung", sagte der Dortmunder Geschäftsführer, und appellierte an den Spieler: "In letzter Konsequenz entscheidet nur er, ob er seine Entwicklung bei uns vorantreiben will. Er weiß aber, dass wir zeitnah eine Entscheidung von ihm erwarten."

Sollte sich der Nationalspieler gegen eine Verlängerung seines derzeit bis 2015 laufenden Vertrages entscheiden, müsse man sich mit einem Verkauf Gündogans beschäftigen. Erneut auf eine hohe Ablöse zu verzichten, wie im Fall Lewandowski schloss Watzke aus. Er bewertete aber gleichzeitig die getroffene Entscheidung für einen Verbleib des polnischen Nationalstürmers bis zu dessen Vertragsende als "goldrichtig". "Er schießt für uns wichtige Tore, arbeitet wahnsinnig hart und ist aus unserer Sicht ein Spieler, den wir im Sommer auf keinen Fall hätten ersetzen können. Nicht mit unseren finanziellen Möglichkeiten. Aber wenn du nicht so viel Geld hast, kannst du nicht lauter Spieler für unersetzbar erklären. Das war ausdrücklich ein Sonderfall."

Für Lewandowski, der "nach meinem Kenntnisstand zu Bayern München gehen will", wie Watzke sagte, werde die Borussia im Sommer 2014 einen Ersatz präsentieren. Watzke deutete allerdings an, dass dieser unter Umständen ein anderer Spielertyp als der Pole sein könne. "Wir scannen den Markt genau. Man muss einen besonderen Spieler wie Robert nicht eins zu eins ersetzen. Man findet vielleicht einen anderen, der einen anderen Mittelstürmer-Stil spielt, auf den man sich dann einstellt. Wir haben übrigens in Reus und Aubameyang zwei Spieler, die bei früheren Klubs auch Mittelstürmer gespielt haben."

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