Bundesliga Zwei Erscheinungen erleuchten Leverkusen

Vor dem Spiel gegen den FC Bayern München blicken alle auf Stürmer Javier Hernández Balcázar, besser bekannt als Chicharito. Ein Deutscher wird in Leverkusen noch höher geschätzt.

(Foto: dpa)
Von Philipp Selldorf, Leverkusen

Der Weg vom Trainingsplatz bis zur Tür des Kabinentrakts beträgt in Leverkusen ungefähr 150 Meter. Weder bewachen Polizisten noch der Werkschutz oder wenigstens eine Abordnung des vielköpfigen Trainerstabes die Strecke, was bedeutet, dass die Bayer-Fußballer unterwegs von ganz normalen Menschen angesprochen werden können.

Für einen prominenten Spieler wie Javier "Chicharito" Hernandez ist das eine exotische Form von Volksnähe. In Manchester und Madrid, wo er bei United und Real in Torjägerdiensten stand, trainierten seine Teams in der Klausur abgeschotteter Sportzentren. Und nun dies, nur drei Tage vor dem Spitzentreffen mit Bayern München: Kaum macht sich Señor Chicharito auf den Weg, schon nähern sich die Leute mit ihren Fotohandys und Autogrammblöcken. Doch der mexikanische Mittelstürmer stellt sich lächelnd den Bewunderern, was ihm schon dadurch nicht schwerfällt, dass deren Gesamtzahl sich auf drei spanische Touristen beläuft.

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Chicharito mag zwar in Mexiko ein Weltstar sein, die Fans von Bayer 04 Leverkusen sehen sich deswegen aber nicht genötigt, den Trainingsplatz zu belagern. Es genügt ihnen offenbar, dass der 27 Jahre alte Angreifer mit seinen 21 Toren seit Ende August die Erwartungen so was von übererfüllt hat, dass der leitende Marketingmann Jochen Rotthaus jetzt auf einem Kongress kundtat, der Klub müsse "den Chicharito-Effekt, so gut es geht, mitnehmen", sich aber "auch für eine Zeit nach Chicharito wappnen".

Kießling und Chicharito bilden gefährliches Duo

Damit unterstellte er, dass sich Bayer 04 bald wieder vom Angreifer verabschieden müsse, weil der kleine Mann zu groß sei für den Klub. Eine Theorie, die in der sportlichen Abteilung des Vereins auf wenig Verständnis traf. Dass Chicharito gleich wieder nach England wechseln wolle, hält man dort nicht mal für ein Gerücht. Erstens, weil er einen Vertrag bis 2018 unterschrieben habe, und zweitens, weil er bei Bayer die Anerkennung bekomme, die dem sensiblen Angreifer in England so sehr gefehlt hatte.

Pep Guardiola wird seine Bayern natürlich auf die Gefahren einstellen, die von der neuen Kooperative im Leverkusener Angriff ausgeht - hier der raffinierte Chicharito, dort dessen kämpferischer Partner Stefan Kießling. Aber als seriöser Experte wird er bestimmt auch ein paar Worte über Jonathan Tah sprechen, denn neben Torjäger Chicharito ist Tah in Leverkusen die leuchtende Erscheinung der Saison.

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Fragt man den Trainer Roger Schmidt, was er von seinem Innenverteidiger halte, dann lächelt er und weist darauf hin, dass er seine Ansicht doch ausreichend belegt habe: "Ich habe ihn ja ab und zu aufgestellt." Genau gesagt hat Schmidt den 19-Jährigen 30 Mal aufgestellt, also in sämtlichen Saisonspielen. 30-mal 90 Minuten Bayer plus 90 Minuten in der U21-Nationalelf, das ist die beeindruckende Saisonbilanz des jungen Profis, der in der vorigen Saison noch als Leihgabe des Hamburger SV bei Fortuna Düsseldorf spielte.