Bundesliga Nagelsmann: Wikipedia ist ihm wichtiger als sein Alter

Twens unter sich: Trainer Julian Nagelsmann, 28, erklärt Mittelfeldspieler Jiloan Hamad, 25, was zu tun ist.

(Foto: MIS/Imago)
  • Julian Nagelsmann muss unfreiwillig früh bei 1899 Hoffenheim die Rolle des Helfers in der Not übernehmen.
  • Beim 1:1 in Bremen feiert der mit 28 Jahren jüngste Bundesliga-Coach einen Teilerfolg.
  • Nicht nur seine eigenen Spieler loben Nagelsmann für seinen Einstand.
Von Jörg Margwedel, Bremen

Der Trend in der Gesellschaft geht nicht nur bei Fußballprofis (von Ausnahmen wie Claudio Pizarro abgesehen) zu immer jüngeren Mitarbeitern. Benjamin Brandt zum Beispiel, am Samstag Schiedsrichter der Partie zwischen Werder Bremen und der TSG Hoffenheim, ist 26 Jahre alt. Er übertraf also als Jüngling noch jenen Trainer, der seit diesem Wochenende der Benjamin aller Übungsleiter in der fast 53-jährige Bundesliga-Geschichte ist. Julian Nagelsmann, 28, von Mäzen Dietmar Hopp damit beauftragt, dem Tabellenvorletzten Hoffenheim die Klasse zu halten, bedeutet dieser Klassifizierung angeblich wenig. Wichtiger sei ihm, wenn im Mai sein Eintrag bei Wikipedia aktualisiert werde, sagte er cool. Dort solle dann stehen: "Nagelsmann hat den Abstieg verhindert."

"Nicht nervöser als bei einem U19-Spiel"

Der junge Mann im Trainingsanzug, der von Hopp als Ausnahme-Talent gelobt wird und bei seinem Debüt angeblich "nicht nervöser war als bei einem U19-Spiel", zeigte sich nach dem 1:1 beim Tabellennachbarn in Bremen "bestärkt". Wären die Kraichgauer noch mit dem als Retter verpflichteten Defensivspezialisten (und gerade mit Herzrhythmusstörungen ausgeschiedenen) Huub Stevens angereist, wäre Werder klar gewesen, wie der Gegner gespielt hätte. Deshalb sei es wenig erfreulich gewesen, dass "die uns diesen Jungen hingestellt haben", wie Geschäftsführer Thomas Eichin formulierte. Werder-Coach Viktor Skripnik, der Nagelsmann noch als Kollege im Jugendfußball kennt, zeigte sich von der Taktik des Konkurrenten überrascht. Er sagte: "Er hat alles richtig gemacht, das ist schlecht für uns."

Nagelsmann hatte sich eine Dreier- Abwehrkette ausgedacht, die mit den beiden offensiven Außenspielern Philipp Ochs und Kevin Volland bei Bedarf blitzschnell zur Fünferkette wurde. Er hat das in einer Art Uni-Fußballsprache beschrieben: "Durch die beiden abkippenden Außenspieler konnten wir die Breite des Spielfeldes gut ausfüllen und die gegnerischen Außenverteidiger besser binden."