Bundesliga In Hamburg dreht sich die Stimmung

Torschütze des Tages: Lewis Holtby.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der Hamburger SV schlägt den SC Freiburg durch ein Tor von Lewis Holtby mit 1:0.
  • Freiburgs Trainer Christian Streich hadert mit dem Schiedsrichter - bei einer gelb-roten Karte fühlt er sich benachteiligt.
  • Der HSV beginnt dagegen trotz eines Rückstandes von fünf Punkten auf den Relegationsplatz wieder an den Klassenverbleib zu glauben.
Von Jörg Marwedel, Hamburg

Als Christian Streich sich wieder etwas gefangen hatte, erhob er bei der offiziellen Pressekonferenz nur noch die abgeschwächte Version seiner Kritik an Schiedsrichter Benjamin Cortus. Man erlebe es Woche für Woche, dass Situationen gegen den SC Freiburg ausgelegt würden, grantelte der Coach. Man müsse das "einfach hinnehmen" und versuchen, daran als "Persönlichkeit zu wachsen". Vorher benutzte er beim DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich noch heftigere Worte. Mit dem SC könne man es ja machen, giftete er.

Was war passiert? Hamburgs Außenstürmer Filip Kostic hatte den ihn verfolgenden Verteidiger Caglar Söyüncü in der 70. Minute mit der Hand im Gesicht getroffen, war dann nach einer nicht ganz sauberen Abwehraktion zu Fall gekommen, und Cortus zückte für Söyüncü die gelb-rote Karte. Aber war das die wirklich entscheidende Szene beim 1:0-Sieg des HSV? Der kann nun mit einem Sieg am kommenden Samstag beim VfL Wolfsburg auf zwei Punkte an den Relegationsplatz heran rutschen, während die Breisgauer nach dem fünften Niederlage hintereinander weiter mit den Wolfsburgern und Mainzern derzeit noch fünf Punkte vor den Hamburgern liegen.

Die entscheidenden Situationen passierten eher in der 35. Und 42. Minute, als HSV-Keeper Julian Pollersbeck zweimal großartig gegen die Freiburger Lucas Höler und Tim Kleindienst rettete. "Da hatten wir auch Glück", gestand HSV-Kapitän Gotoku Sakai und Trainer Christian Titz lobte den Torhüter wegen der "guten Reaktionen". Womöglich war der von Titz anberaumte Torwartwechsel von Christian Mathenia zum U21-Nationalspieler Pollersbeck die richtige Wahl. Auf jeden Fall verpassten es die Freiburger, die bis dahin völlig verunsicherten Gastgeber komplett aus dem Rhythmus zu bringen.

Doch nach der Pause, in der Titz seine Profis angehalten hatte, mit mehr Mut zu spielen, startete Lewis Holtby in der 54. Minute seinen spielentscheidenden Lauf. Er umkurvte im Strafraum die Freiburger Lukas Kübler und Manuel Gulde und hob die Kugel ins Netz. Danach feuerte er nach seinem dritten Treffer (seit seinem vom neuen Trainer eingeleiteten Comeback) die Zuschauer an, als hätte er soeben die Zugehörigkeit des HSV zur Bundesliga gerettet. So weit ist es noch lange nicht.

Die Hamburger waren aber schon vor Söyünclüs Platzverweis überlegen, während Freiburg keine einzige Torchance mehr erspielte. Der kommissarische HSV-Vorstandschef Frank Wettstein sagte, es sei ein "bescheidenes Spiel" gewesen. Doch die Stimmung habe sich beim HSV "total gedreht" wegen des offensiveren Spielstils und der stark verjüngten Mannschaft.

Bei aller internen Kritik schrieb Sakai seinen Kollegen alle Attribute für einen gelungenen Abstiegskampf zu: "Körpersprache, Aggressivität, Einstellung". Zudem hätten die Fans die Spieler "gepusht". Zum womöglich vorerst vorletzten Heimspiel in Liga eins waren 54 847 gekommen. Und neben dem Spielglück vor der Pause hatte der HSV auch noch etwas Dusel, dass Mittelfeldspieler Matti Steinmann nach einem Foul an Mike Frantz nur die gelbe Karte sah. Danach wurde Steinmann in der 73. Minute auch auf Veranlassung von Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos vorsichtshalber gegen Albin Ekdal ausgetauscht.

Torschütze Lewis Holtby sagte kämpferisch: "Wir haben noch drei Spiele. Nächste Woche kommt der nächste Kracher (in Wolfsburg, Anm. d. Red.). Das Spiel müssen wir mit dem gleichen Engagement, der gleichen Kampfbereitschaft, Willen und dem absoluten Überlebensfight angehen. Dann ist noch einiges drin. Aber dafür brauchen wir noch drei harte Spiele und dreimal eine Willensleistung."

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