Bundesliga Herr Hoffmann will den HSV retten

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Nah am Wasser: Bernd Hoffmann (Mitte) möchte gemeinsam mit Moritz Schaefer (l.) und Thomas Schulz den HSV reformieren.

(Foto: Valeria/WITTERS)
  • Der frühere Vorstandsvorsitzende des HSV, Bernd Hoffmann, will Präsident des schwer kriselnden Bundesligisten werden.
  • Hoffmann war früher als Boss nicht besonders beliebt; intern wurde er einst als "Verkäufer des HSV" gebrandmarkt.
  • Den Investor Klaus-Michael Kühne holte er ins Boot. Das Verhältnis zum Milliardär könnte er wieder verbessern.
Von Jörg Marwedel, Hamburg

Derzeit hat Bernd Hoffmann so allerlei Termine. Mal guckt er sich ein Landesliga-Tischtennisspiel an, mal ist er bei der Bowling-Abteilung oder den Leichtathleten zu Gast. Der frühere Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV will auf die HSV-Bühne zurück - nachdem er 2011 nach acht Jahren keine Mehrheit mehr im Aufsichtsrat bekommen hatte.

Hoffmann, 54, macht gerade bei den Breitensportlern Wahlkampf, um genügend Stimmen für den 18. Februar einzusammeln. Dann entscheiden die Mitglieder des eingetragenen Vereins darüber, ob sie ihren bisherigen Präsidenten Jens Meier bestätigen oder für jenen Mann votieren, unter dessen Führung die Profifußballer des HSV 78 Europapokalspiele absolvierten und zwischenzeitlich in der Uefa-Rangliste bis auf Platz 18 geklettert waren. Inzwischen, übrigens, ist der Klub international auf Rang 132 gelistet. Und schlimmer noch: Am Samstagabend steht mal wieder ein Abstiegsschlager an, diesmal gegen den 1. FC Köln. Deshalb will Hoffmann in dieser Woche öffentlich nichts sagen.

Verzweiflung als Marke

Der Hamburger SV spielt schon wieder mit einer überteuerten Elf gegen den Abstieg. Dem Kader liegt kein Konzept zugrunde, zu viele Berater und Sportdirektoren haben daran gebastelt. Kommentar von Sebastian Fischer mehr ...

Hoffmann will im Falle seiner Wahl auch seine Beraterfirma auf Eis legen

Dabei hat er einen klaren Plan. Er möchte die Politik der ausgegliederten HSV Fußball AG, die zu 75 Prozent dem Verein gehört, wesentlich mitgestalten. Als HSV-Präsident würde er automatisch in den sechsköpfigen Aufsichtsrat der AG aufrücken. Wird er dort zum Chef bestimmt, könnte er bei den Hamburgern so wichtig werden wie Uli Hoeneß beim FC Bayern, Clemens Tönnies bei Schalke 04 oder Wolfgang Dietrich beim VfB Stuttgart. Die sind ebenfalls Vorsitzende des Kontrollgremiums und prägen damit die Firmenstrategie.

Hoffmann würde zwar nicht direkt ins operative Geschäft eingreifen (das obliegt dem Vorstand), wäre aber wesentlich an der Personalauswahl beteiligt. Und er hätte ein entscheidendes Wort bezüglich des Vorstandsvorsitzenden und auch des Sportchefs mitzureden. Beide werden vom Aufsichtsrat bestimmt.

Für sein angestrebtes neues Amt hat Hoffmann sogar seine Spielerberatungsagentur Lanista Sports Management GmbH auf Eis gelegt. Er will dem HSV drei Jahre ehrenamtlich mit voller Kraft dienen, weil er nach eigener Aussage finanziell so gut aufgestellt ist, um das Comeback zu wagen. Im Wahlkampf lässt er sich von Stephan Rebbe beraten - jenem Werbefachmann, der schon 2014 die "HSVPlus"-Kampagne ausgearbeitet hatte. Damals befürworteten fast 87 Prozent der lange Zeit skeptischen Mitglieder die Ausgliederung der AG und damit auch eine weitere Zusammenarbeit mit dem Milliardär Klaus-Michael Kühne. Der Investor und Gönner hat dem HSV mehrmals die Lizenz gerettet. Hoffmann hatte den Logistik-Unternehmer und HSV-Freund 2010 ins Boot geholt.